Joachim Bauer

Eines der großartigsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe!

Joachim Bauer, Internist Psychiater und psychosomatischer Mediziner aus Tübingen, war bis zu seiner Emeritierung 2017 als Oberarzt in der Ambulanz der Abteilung Psychosomatische Medizin der Universitätsklinik in Freiberg tätig. Heute ist weiterhin als Gastprofessor an der International Psychoanalytic University Berlin und praktizierender Arzt.

Ich bin auf das Buch gestoßen, da ich vom Autor einige Interessante Beiträge über Epigenetik gelesen habe und mehr darüber erfahren wollte.

Joachim Bauer beschreibt verständlich, wie Gene auf Stress und Umwelteinflüsse reagieren. Die Ausführungen lassen uns psychische Erkrankungen wie Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen oder Borderline – Störung neu verstehen. Er erklärt wie schwerwiegend traumatische Erlebnisse, externer Stress und vor allem Gewalt- und Missbrauchserfahrungen für den Menschen und seine Seele sind und welche biologischen Spuren diese Erfahrungen, bis hin zur Veränderung der Genaktivität, hinterlassen können. Er nimmt uns mit auf eine biochemische und neurobiologische Exkursion und zeigt uns die dramatische Auswirkung der Umwelteinflüsse auf den Körper und die Gene. Dennoch lässt er hoffen, dass im Gegenzug ein späteres gesundes Umfeld auf die „richtigen“ Bezugspersonen heilsam für die Seele und sogar die hinterlassenen, biologischen Spuren löschen können.

Bauer kritisiert den Umgang mit Psychopharmaka, denn auch diese können Spuren im Gehirn hinterlassen. Er weißt darauf hin, dass es eine individuelle Verträglichkeit von Medikamenten gibt und gerade b ei Psychopharmaka auf die individuelle Dosierung geachtet werden muss. Er stellt die Notwendigkeit einer Verträglichkeitsdiagnostik heraus, die nach wie vor in Deutschland nicht von den Krankenhäusern bezahlt wird.

Fazit, dieses Buch ist äußerst lebenswert!

Rezensiert von C. Kühnelt