Kontinuitätsgrundsatz und Geschwisterbindung

In Gerichtsverfahren muss versucht werden, dem Kind eine möglichst kontinuierliche Lebenssituation zu sichern. Bindungen zu Geschwistern sind zu berücksichtigen.

Dem Fortbestand der Geschwisterbeziehung kommt insbesondere bei zerrütteten Elternbeziehungen große Bedeutung zu. Mangelnde Bindungstoleranz eines Elternteils rechtfertigt es, diesem die Sorge zu entziehen. Nur der unbeeinflusste Kindeswille kann für die Gerichtsentscheidung erheblich sein.
OLG Dresden, 29.08.2002, Quelle: FamRZ 03, 397

Der Kontinuitätsgrundsatz in der Erziehung hat ausschlaggebende Bedeutung bei der Entscheidung über Aufenthaltsbestimmungsrecht. Der Erhalt der Umgebung ist dabei nicht so bedeutsam wie Kontinuität der Erziehung. Neben dem Kontinuitätsgrundsatz sind der Förderungsgrundsatz, die Beziehungstoleranz der Eltern und der Kindeswille ebenfalls bedeutsame Maßstäbe bei der Entscheidung.
OLG Brandburg, 01.03.2001, Quelle: FamRZ 01, 1021

Der Kontinuitätsgrundsatz ist von geringer Bedeutung wenn bereits im Verfahren keine Kontinuität gewahrt wurde. Die Bedeutung der Geschwisterbindung ist vom Altersunterschied abhängig.
OLG Zweibrücken, 17.08.00, Quelle: FamRZ 01, 184

Eine Verbleibensanordnung ist auch dann zu vertreten, wenn die Kinder dadurch nicht mit ihrem älteren Bruder zusammen aufwachsen, da es in erster Linie auf die Beziehung zu den Pflegeeltern ankommt. Eine Trennung der Pflegeeltern kann jedoch ein Grund für erneute Überprüfung sein.
BayOLG, 05.07.96, Quelle: ZfJ 97, 25