Angelegenheiten des täglichen Lebens

Die Entscheidung in Angelegenheiten des täglichen Lebens steht nach § 1688 den Pflegeeltern in Vertretung des Sorgeberechtigten zu. Oft kommt es zu Problemen, wo das Recht der Pflegeeltern, die Sorgeberechtigten zu vertreten anfängt und wie weit es geht.

Die Entscheidung über die Form der Frühförderung bei einem geistig und seelisch behindertem Kind ist nicht Angelegenheit des täglichen Lebens iSd § 1688 BGB, sondern eine Grundsatzentscheidung, die von den sorgeberechtigten Eltern getroffen werden muss.
OVG Thüringen, 19.04.2002, Quelle: FamRZ 02, 1725

Die Festlegung eines Tauftermins ist keine grundsätzliche Entscheidung, sondern eine Angelegenheit des täglichen Lebens.
AG Lübeck, 23.05.2002, Quelle: FamRZ 03, 1035

Entscheidung über Besuch einer Einrichtung (hier Kita) ist Entscheidung von erheblicher Bedeutung. Sie hat sich am Wohl des Kindes und seinen Interessen zu orientieren.
OLG Brandenburg,19.07.2004, ZfJ 05, 81

Impfungen sind auch bei Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln, Diphterie, Hib und Polio nicht Angelegenheiten des täglichen Lebens, sondern Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung. Sie können deshalb nicht von einem Elternteil allein entschieden werden, vielmehr müssen bei gemeinsamem Sorgerecht beide Elternteile der Impfung zustimmen. Wenn keine Einigkeit erzielt werden kann, überträgt das Familiengericht die Entscheidungsbefugnis auf einen Elternteil.
KG Berlin, 18.05.2005, FamRZ 06, S. 142

Die Entscheidung über Nachhilfeunterricht ist eine Entscheidung über Angelegenheiten des täglichen Lebens.
OLG Naumburg, 14.06.05, FamRZ 06, S. 1058