Entwicklung von Qualitätsmerkmalen im Pflegekinderwesen Sachsen-Anhalt

Bedingt durch die anhaltende und notwendige Qualitätsdebatte in der Jugendhilfe allgemein ist auch der Bereich des Pflegekinderwesens und die in diesem Feld handelnden Akteure aufgefordert, Verfahren, Qualitätsmerkmale und Kriterien seiner Arbeit zu benennen.

In den Kommunen Sachsen-Anhalts und bei den Pflegefamilien haben sich unterschiedliche Arbeitsstile, Schwerpunkte, Herangehensweisen und Sichtweisen im Pflegekinderwesen entwickelt. Zum einen gilt es diese Vielfalt zu benennen und zu sichern. Zum anderen kann der landesweite Austausch der verschiedenen Qualitätsmerkmale im Pflegekinderwesen zu einer weiteren fachlichen Bereicherung für die einzelnen Kommunen führen.

Die Sicherung von Qualitätsmerkmalen bedeutet nicht eine generelle Anpassung der Arbeit der einzelnen Pflegekinderdienste und Pflegefamilien an ein „Normalmodell“, sondern die Summierung förderlicher und praktikabler sozialpädagogischer und rechtlicher Ansätze im Pflegekinderwesen.

Vor diesem Hintergrund wurden alle Beteiligten des Pflegekinderwesens im Land Sachsen-Anhalt, wie Pflegeltern, der Landesverband der Pflege- und Adoptiveltern, Pflegeelternvereine, Herkunftseltern, MitarbeiterInnen der Jugendämter insbesondere der Pflegekinderdienste und der Allgemeinen Sozialen Dienste von Jugendämtern, Mitglieder von Jugendhilfeausschüssen und des Landejugendhilfeausschusses, MitarbeiterInnen des Landesjugendamtes und des Ministeriums für Gesundheit und Soziales sowie die MitarbeiterInnen der Pflegeelternschule Sachsen-Anhalt, aufgefordert sich an einer gemeinsamen Diskussion um fachlich notwendige und durchsetzbare Qualitätsmerkmale zu beteiligen.

Die Frage, was die Qualität des Pflegekinderwesens ausmacht, wie sie beschaffen ist und welchen Wert sie in der praktischen Umsetzung hat, ist nicht leicht zu beantworten. Qualität ist immer abhängig vom Standpunkt des Betrachters, seiner Ansprüche und subjektiver Bewertung. Aus diesem Grunde kann das Anliegen der Erarbeitung von Qualitätsmerkmalen im Pflegekinderwesen nur im dialogischen Zusammenspiel aller Beteiligten geschehen. Die Veranstaltungsreihe richtet sich an alle im Feld agierenden gleichermaßen, um eben die verschiedenen Sichtweisen, Erwartungen und Erfahrungen in Betracht ziehen zu können.

Die Entwicklung von Qualitätsmerkmalen im Pflegekinderwesen Sachsen-Anhalt ist ein vom Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt gefördertes Projekt.

Mit der Organisation und der Durchführung ist die START gemeinnützige Beratungsgesellschaft mbH beauftragt.

Das Pflegekinderwesen des Landes Sachsen-Anhalt hat sich im Laufe der Jahre entwickelt und stabilisiert. Heute leben ungefähr 2000 Pflegekinder in ca. 1400 Pflegefamilien, werden dort betreut und unterstützt. Begleitet und unterstützt werden die Pflegefamilien und Pflegekinder durch die Pflegekinderdienste in den Jugendämtern und den Interessenverbänden von Pflegeeltern, dem Landesverband und den Vereinen vor Ort.

Als erster Schritt diese Vorhabens hat am 22.Nov. 2001 eine Fachtagung zum Beginn eines gemeinsamen Prozesses stattgefunden. Ca. 80 Teilnehmer haben die Grundfragen der Qualitätsanforderungen im Pflegekinderwesen herausgearbeitet und sich auf ein gemeinsames Vorgehen zur Qualitätsentwicklung verständigt. Die dort gehaltenen Grundsatzreferate können Sie im einzelnen nachlesen.

Der Start – die Auftaktveranstaltung

Im Projekt zur Qualitätssicherung und Entwicklung von Qualitätsmerkmalen im Pflegekinderwesen Sachsen-Anhalt fand am 7. August 2002 die Auftaktveranstaltung statt.

Ziel war es, die Themen und Wünsche der TeilnehmerInnen aufzunehmen, die in den Einzelveranstaltungen intensiv bearbeitet werden sollen.

Ausgehend vom Ist-Zustand sollten die Teilnehmenden diesen kritisieren, positives wie negatives herausarbeiten und Veränderungswünsche benennen.

In den 8 folgenden Arbeitstreffen werden die einzelnen Inhalte und Themen intensiv diskutiert und festgehalten.

Ziel der Veranstaltungsreihe

Unter Beteiligung aller Betroffenen sollen Qualitätsmerkmale im Pflegekinderwesen interdisziplinär und dialogisch erarbeiten werden. Die Ergebnisse der gesamten Qualitätsdiskussion werden in einem Handbuch dokumentiert, so dass sie ein fester Bestandteil in der täglichen und alltäglichen Arbeit von Fachkräften in den Jugendämtern und von Pflegeeltern sein können.

Sicherung der Kontinuiät von Arbeitstreffen

Um eine kontinuierliche und ergebnisorientierte Arbeit sicher zu stellen, sollen die Qualitätsmerkmale von einem festen Teilnehmerkreis entwickelt werden. Alle Veranstaltungen verstehen sich als Arbeitstreffen, bei denen ein Hauptthema in unterschiedlichen Arbeitsgruppen so umfassend wie möglich besprochen wird. Die Ergebnisse werden allen Beteiligten zur Verfügung gestellt und abschließend in einem Handbuch veröffentlicht.

Begleitung des Projektes

MitarbeiterinnInnen der START gGmbH begleiten und moderieren den Prozess der Erarbeitung und stellen den Teilnehmenden vor den einzelnen Arbeitstreffen Basispapiere zum jeweiligen Hauptthema zur Verfügung.

TeilnehmerInnen

Pflegeeltern und (ehemalige) Pflegekinder, Vertreter von Pflegeelternverbänden, MitarbeiterInnen aus Pflegekinderdiensten und anderen Diensten der Jugendämter, MitarbeiterInnen von Landesjugendamt und Ministerium, Vertreter der kommunalen Spitzenverbände, MitarbeiterInnen der Pflegeelternschule.

Ort und Termine

Alle Veranstaltungen finden in Bernburg in der Großen Einsiedelsgasse 6a statt.

  • Auftaktveranstaltung am 7. August 2002 10.00 Uhr – 16.00 Uhr
  • Arbeitstreffen am 2. September 2002, am 23. September 2002, am 24. Oktober 2002, am 18. November 2002, am 5. Dezember 2002, am 17. März 2003, am 14. April 2003 und am 4. Juni 2003 jeweils 10.00 Uhr – 16.00 Uhr
  • Hanbuchverschriftlichung und Arbeit einer Redaktionsgruppe bis Ende 2003
  • Fachtagung voraussichtlich im Mai 2004

Materialien

Alle Teilnehmenden erhalten eine Tagungsmappe für sämtliche während der Arbeitstreffen erstellten Papiere und Ergebnisdokumentationen. Die Basispapiere werden anhand der Ergebnisse der Auftaktveranstaltung zusammengestellt. Sie können neben Texten und Fragen zum Thema auch Meinungen, Interviews, Statistiken und ähnliches enthalten. Die Basispapiere sollen die Teilnehmenden auf die Themen der einzelnen Veranstaltungstage einstimmen und als Diskussionsgrundlage dienen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Arbeitstreffen werden als Arbeitsgruppenergebnisse dokumentiert und allen Teilnehmenden zur Verfügung gestellt. Diese haben bis zum Ende der Arbeitstreffen im Juli 2003 Gelegenheit die Ergebnisse einzusehen, zu kritisieren, Veränderungen vorzunehmen. Am Anfang eines jeden Arbeitstreffens soll Gelegenheit bestehen, offene Fragen zur Dokumentation zu klären.

Es ist ausdrücklich erwünscht, dass sich in den beteiligten Jugendämtern die verschiedenen Fachkräfte über die vorläufigen Ergebnisse aus den Arbeitstreffen austauschen und gemeinsam kritisieren und zu verändern.

Erarbeitung des Handbuchs

Das Handbuch zum Pflegekinderwsen soll die Ergebnisse von den einzelnen Arbeitsgruppen strukturiert und für Fachleute ebenso nutzbar wie für Pflegeeltern darstellen.

Es ist für das zweite Halbjahr 2003 angedacht eine feste Redaktionsgruppe zu bilden, die Inhalte und Formulierungen auf ihre rechtliche und sozialpädagogische Handhabbarkeit überprüft und überarbeitet.

Veröffentlichung und Fachtagung

Am Schluss der Veranstaltungsreihe steht eine Fachtagung, in der die Ergebnisse einem möglichst großem Interessentenkreis vorgestellt werden.

Die Referate dieser Fachtagung werden im Handbuch von Qualitätsmerkmalen im Pflegekinderwesen Sachsen-Anhalts veröffentlicht.

Die Fachtagung findet in Magedeburg, voraussichtlich im Mai 2004 statt.

Ablauf der einzelnen Arbeitstreffen

  • Klärung von Fragen, die sich aus der Dokumentation der Ergebnisse eines vorhergehenden Arbeitstreffens ergeben haben.
  • Einstiegsreferat oder -referate in das jeweilige Hauptthema.
  • Vorstellung von Arbeitsschwerpunkten (Unterthemen) und Aufteilung in Arbeitsgruppen.
  • Intensive Bearbeitung der Unterthemen, anhand der Basispapiere, in den Arbeitsgruppen.
  • Dazwischen Mittagessen.
  • Präsentation der Ergebnisse.

Kosten der Veranstaltungsreihe

Für die Teilnahme an den Veranstaltungen werden keine Teilnahmegebüren erhoben.

Versorgung

Die Versorgung während der Arbeitstreffen mit Mittagessen und Getränken wird vom Veranstalter übernommen.

Kinderbetreuung

Während der einzelnen Veranstaltungen sichert die Pflegeelternschule Sachsen-Anhalt die Kinderbetreuung, nach Anmeldung, in den Räumen der Großen Einsiedelsgasse 6a, ab.

Einladung

Jeweils 2 Wochen vor einem Termin erhalten die Teilnehmenden eine Einladung und ein themenspezifisches Basispapier(siehe Materialien).

Themen der Arbeitstreffen

  1. Psychologische und strukturelle Aspekte von Pflegeverhältnissen
    • Indikationen für Vollzeitpflege
    • Systemische Strukturmerkmale eines Pflegeverhältnisses
    • Formen von Vollzeitpflege
    • Kinder mit zwei Familien
  2. Die Auswahl geeigneter Pflegepersonen
    • Qualifizierung von Prüfkriterien zur Auswahl von Pflegeeltern
    • Methoden in Auswahlverfahren
    • Rahmenbedingungen zur Auswahl von Pflegeeltern
    • Bewerbungsunterlagen und Fragebogen an PflegeelternberwerberInnen
  3. Vorbereitung und Qualifizierung von Pflegepersonen
    • Vorbereitung von PflegeelternbewerberInnen – Qualifizierung, Fortbildung, Beratung und Begleitung in Pflegeverhältnissen
  4. Hilfeplanung als Mittel der Qualitätssicherung im Einzelfall
    • Hilfeplangrundlagen
    • Form und Inhalte des Hilfeplans
    • Hilfeplan als Prozessbegleitung
  5. Der Vermittlungsprozess von Pflegekindern in Pflegefamilien
    • Vorbereitung und Begleitung des Anbahnungsprozesses
    • Der Prozessverlauf
  6. Rechtlicher Rahmen und Kostenfragen von Pflegeverhältnissen
    • jugendhilferechtliche Aspekte (Beratungsanspruch, Unterhalt, Beihilfen, Kostenbeiträge, Übergang in die Selbständigkeit)
    • familienrechtliche Aspekte (Sorgerecht, Vormundschaft/ Pflegschaft, Verbleibensanordnung, Umgangsrecht, Anhörungsrechte, Verfahrenspfeger)
    • vertragliche und andere Rahmenbedingungen (Pflegevertrag, Kranken-, Pflege-, Unfall- und Haftpflichtversicherung,Kindergeld und Kindererziehungszeiten, Wohngeld, Namensänderung, Rentenanspruch)
  7. Entwicklungsphasen im Verlauf eines Pflegeverhältnisses
    • Das Pflegekind in einer Familie (Perspektive des Kindes, Integrationsverlauf, Familiendynamik, Umfeld der Pflegefamilie, besondere Familienformen)
    • Pflegekinder und leibliche Kinder in Betreuungsangeboten (Schule, Kita, Begleitungsangebote)
    • Beratungs- und Begleitungsangebote für die Herkunftsfamilie
    • Kontaktgestaltung von Pflegekind, Pflegefamilien und Herkunftsfamilie (Ziele, Rollen, Beziehungsdynamik, Gestaltungsmöglichkeiten)
    • Beendigung eines Pflegeverhältnisses (Rückführung, Volljährigkeit, andere Hilfeformen, Bedingungen, Umgang mit Verlust und Trauer)
  8. Formen und Möglichkeiten von Öffentlichkeitsarbeit
    • Formen, Grenzen und Möglichkeiten der Verwandtenpflege
    • Öffentlichkeitsarbeit (Darstellung des Pflegekinderwesens, Nutzung von Medien, Werbung neuer Pflegeeltern, Spenden und Sponsoring)

Weiter Informationen

Nähere Informationen zum Verfahren der Qualitätsdiskussion und zu den besprochenen Inhalten und deren Ergebnisse erhalten Sie wenn Sie sich per Email oder Telefon an die das Projekt begleitende Start gGmbH und deren MitarbeiterInnen Frau Maren Campe und Herrn Adrian Einecke wenden.