AG 4: Wovor müssen wir Kinder schützen?

Unter der Leitung von Dr. Maywald wurde praxisnah an Beispielen der TeilnehmerInnen diskutiert, wie Kinder im Einzelfall in familiengerichtlichen Verfahren zu schützen sind.
Die Zeit war leider zu kurz, um alle Themen zu diesem Komplex ausführlich bearbeiten zu können. Folgende „Prioritäten – Liste“ wurde festgelegt und so bearbeitet:

  1. Rückkehroption – auch gegen den Willen der Eltern
  2. Psychisch kranke Eltern, Verwahrlosung, Erziehungsunfähigkeit
  3. Kinder im Spannungsfeld zerrütteter Eltern, Wann ist Umgang schädlich? Elternkonflikte, Loyalität, Umgang nach Verbleibensanordnung, Geschwisterunterbringung, Eingriffsschwellen bei Kindeswohlgefährdung

Zu 1. Rückkehroption

Erster Fall:
Kurzbeschreibung: Vierjähriger Junge, seit unmittelbar nach seiner Geburt in einer Pflegefamilie. Anfangs regelmäßiger Umgang mit der leiblichen Mutter (zuverlässig im Umgang, befindet sich in Substituierung). Sie hat Rückführungsantrag gestellt. Zwei Rückführungsversuche sind bereits gescheitert. Pflegefamilie stellte Verbleibensanordnung, woraufhin der Umgang „zurückgeschraubt“ wurde und nur in Begleitung der Pflegefamilie erfolgt.

Viele Fragen traten im Zusammenhang mit dem Fall auf, z.B.:

  • Welche Intension Hilfeplan zur Rückführung?
  • Hat Pflegefamilie Problem mit Substituierung der Mutter?
  • Ist Pflegefamilie: Ersatz- oder Ergänzungsfamilie?
  • Was ist über Bindungsqualität bekannt?
  • Was braucht das Kind?/ Was möchte das Kind?
  • Wie stabil ist die Herkunftsfamilie?

Resümee:

  • Bindung des Kindes hat Priorität
  • Wenn das Kind sicher ist, kann der Kontakt zur leiblichen Mutter intensiviert werden, um die Suche nach der Identität zu unterstützen

Anmerkungen Dr. Maiwald:
Bindungsforschung besagt, egal welcher Art die Bindung ist, ist sie intensiv.
1. Vermutung: Mit der Mutter wurde zu Beginn nicht „Klartext“ geredet – damit falsche Hoffnungen geweckt, Auftrag: ASD muss dies umgehend nachholen, im Interesse des Kindeswohles
2. Vermutung: Mit der Pflegefamilie auch keinen klaren Auftrag besprochen
Empfehlungen:

  • Bearbeitung der Dauer des Verbleibs
  • Konfrontation mit der Situation und ob Pflegefamilie das so mit tragen kann
  • Erwartungen des Kindes klar formulieren
  • Die soziale Elternschaft ohne Störungen sich entwickeln lassen, Umgang „verträglich“ gestalten – d.h. keine Überforderung der Beteiligten.


Zweiter Fall:

Problem bei Rückführung in die Herkunftsfamilie gegen deren Willen
Fazit: Mangelhafte Abklärung der Rückkehr, Unsicherheit bei Hilfeplanung, d.h. auch Scheitern einkalkulieren, Finanzierungsfrage (?)

Zu 2. Psychisch kranke Eltern

Fallvorstellung:   

  • Mutter: beschreibt sich, zu Gewalt neigend, zwei Suizidversuche, zwei mal stationär in Psychiatrie
  • zwei Söhne, äußerst aggressiv und autoaggressiv, in Bereitschaftspflege
  • Mutter will ihre Kinder und ihnen helfen, sich gut zu entwickeln

Beiträge:

  • „Hamburger Modell“: Bereitschaftspflegefamilien, die in akuten Situationen Kinder aufnehmen (Patenschaften)
  • Situation aus Kindersicht betrachten: Was dient dem Kindeswohl auf Dauer?
  • Hilfebedarf der Mutter abklären


Anmerkungen Dr. Maiwald:

  • „Psychisch kranke Eltern“ ist ein vernachlässigtes Thema, bedarf dringend mehr Augenmerk. Jugendhilfe ist oft nicht ausreichend
  • Psychiatrie weiß oft nichts von den Kindern und deren momentaner Situation
  • Transparenz ist unbedingt herzustellen

Zu 3. Kinder im Spannungsfeld zwischen zerrütteten Eltern

„Alltagssituationen“, die das Kindeswohl gefährden, da gegenseitig kein Wohlverhalten und Kommunikation über das Kind geführt wird – hohes Maß an Überforderund und Belastung. Dabei verhalten sich „gebildete“ Eltern oft am ärgsten – „Kaukasischer Kreidekreis“, wenn sich Vater und Mutter, zu denen das Kind Bindungen besitzt im „normalen“ Elternkonflikt befinden, ist beiden das Kind wichtig sein.  Dem ist scheinbar nicht so, beide zerren am Kind und gefährden dessen Wohl.

Fazit:

  • Beratungsstellen
  • Auflagen
  • Mediation

Oder:

  • Interventionsorientiertes Gutachten anordnen
  • Situationsentschärfende Maßnahmen von außen

Doch:

  • Was passiert, wenn das Kind bei Mutter oder Vater ist? Siehe oben: Kein Wohlverhalten in der Kommunikation
  • Maßnahmen: Ggf. Herausnahme nach § 1666 androhen

Anmerkung Dr. Maiwald:
Verhalten im Sinne des geringsten Eingriffs, auf Situation beruhigend wirken, zeitweise Umgang aussetzen, adäquates Beratungsangebot