Sexueller Missbrauch
Viele nicht betroffene Menschen können es sich kaum vorstellen, wollen es nicht wahr haben und doch hat es sie schon immer gegeben, sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Immer noch, trotz einer breiteren öffentlichen Diskussion ist es ein Tabu-Thema.
Sexueller Missbrauch ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Kind entweder gegen den Willen des Kindes vorgenommen wird oder der das Kind aufgrund körperlicher, psychischer, kognitiver oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann.
Der Täter nutzt seine Macht- und Autoritätsposition aus, um seine eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen. Die Täter kommen zum überwiegenden Teil aus der eigenen Familie oder dem nahen Bekanntenkreis. Die Zahl sexueller Übergriffe auf Kinder lassen sich nur schätzen, weil von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen wird.
Der sexuelle Missbrauch eines Kindes beginnt dort, wo körperliche Nähe zwischen Erwachsenen und Kindern nicht dazu dient, Zuneigung und Liebe zum Kind auszudrücken, sondern vom Erwachsenen lediglich zur eigenen (sexuellen) Bedürfnisbefriedigung ausgenutzt wird. Es ist eine Kindesmisshandlung, die nur schwer nachzuweisen ist.
Die Grenze des Körperkontaktes wird vom Täter bewusst überschritten. Sein Vorgehen ist jedoch meist fließend, oftmals aus dem Spiel heraus und wird vom Kind anfangs oft nicht als Gewalt verstanden. Der Täter nutzt aus, dass Kinder neugierig sind, er nutzt die „sichere“ Beziehung des Kindes, sein Vertrauen zum Erwachsenen aus. Das Machtgefälle ermöglicht dem Kind nicht sich dagegen zu wehren.
Sexueller Missbrauch hinterlässt weniger äußerliche Spuren. Außerdem werden die betroffenen Kinder in Schuldgefühle und Angst gegenüber dem Täter versetzt. Sie werden mit Äußerungen „wenn du etwas sagst, dann kommst du ins Heim“ oder „dann bist du Schuld am Zer-brechen unserer Familie“ gezwungen den Missbrauch zu verbergen, sie verlieren den Mut davon zu erzählen und verdrängen die traumatische Erfahrung.
Dies führt in der Regel dazu, dass Kinder u.U. erst nach Jahren den Missbrauch offen machen und anderen davon erzählen oder sich beispielsweise in der Vorpubertät und Pubertät besonders auffällig verhalten. Oftmals sind die Pflegeeltern diejenigen, die zuerst davon erfahren und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, wem sie davon erzählen müssen.
Wichtig ist in diesem Fall, dass die Kinder zunächst eine Vertrauensperson haben, die sie in ihren Gefühlen, ihrem Handeln und Reden ernst nimmt. Die dem Kind beispielsweise deutlich machen "Ich kann es ertragen, von deinem Problem zu hören", "Du darfst darüber reden", "Ich stehe auf deiner Seite". Ob, wann und wie andere davon erfahren, muss das Kind selbst entscheiden. Bei dieser Entscheidung muss das Kind jedoch begleitet werden. Pflegeeltern selbst sollten sich Beratung und Unterstützung von Vertrauten oder Fachkräften von Beratungsstellen oder des Jugendamtes holen, um nicht allein zu stehen und ggf. vorschnell Entscheidungen zu treffen.
Ist im Vorfeld der Pflege der sexuelle Missbrauch bekannt, sind die Pflegeeltern unbedingt davon zu unterrichten, um sich auf das Verhalten und die Situation des Kindes einstellen zu können.
Quelle: Kinder stark machen – sexuellem Missbrauch vorbeugen, Arbeitskreis Neue Erziehung e.V.

