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Faktische Elternschaft/ soziale Elternschaft

Faktische Eltern sind für ein Kind diejenigen Eltern oder Erwachsenen, die vom Kind als seine "richtigen" Eltern betrachtet werden. Dabei spielt es für das Kind keine Rolle, ob es von den Eltern geboren wurde oder nicht. Direkte Nachkommenschaft ist kein Kriterium für eine Bindung des Kindes an Erwachsene, sondern die Betreuung und Versorgung.

Kinder wachsen gewöhnlich bei ihren Eltern auf und es entwickelt sich eine „normale“ Eltern-Kind-Beziehung, die durch das bloße Zusammenleben entseht. In welcher Art und Weise Kinder an ihre Eltern gebunden sind, hängt vor allem von der Fähigkeit der Eltern ab, zur richtigen Zeit angemessen auf das Kind zu reagieren. Es entsteht eine tiefgreifende emotional wechselseitige Beziehung durch die Erfahrung wie auf den jeweils anderen reagiert wird und in wie weit seine Bedürfnisse nach Versorgung, Geborgenheit und Vertrauen befriedigt wurden (vgl. Bindungsqualität).

Der Aufbau einer intensiven Bindung hängt vom konkret erlebbaren Zusammenleben Erwachsener mit Kindern ab. Dieser mit der Bindungstheorie bestätigte Sachverhalt hat besondere Auswirkungen auf die Gestaltung eines Pflegeverhältnisses. Immer dann, wenn Kinder über längere Zeit bei Pflegepersonen leben, entwickeln sich spezifische Bindungen, die zunächst eine veränderte Eltern-Kind-Beziehung und nach und nach eine neue Eltern-Kind-Beziehung, eben die faktische Elternschaft entstehen lässt. Dieser Prozess steht in Abhängigkeit vom Alter des Kindes, von der Perspektive des Pflegeverhältnisses, der tatsächlichen Dauer der Unterbringung und einer möglichen Rückkehr in die Ursprungsfamilie.

Ein Beispiel für das Wechseln einer Elternschaft ist, wenn ein 1 1/2 jähriges Kind in einer Pflegefamilie untergebracht werden muss. Die leiblichen Eltern halten aber nur sporadisch Kontakt zu ihrem Kind. Mal einmal in der Woche, dann wieder nur ein Mal im Monat. Das Kind baut nun, um seiner Bedürfnisbefriedigung von Zuneigung, Wärme und Geborgenheit nachzukommen, eine Bindung zu den Pflegeeltern auf. Die Bindung zu den leiblichen Eltern verblasst zusehends. Es wird immer seltener nach ihnen fragen und nach einer Weile vielleicht verstört auf Besuche der leiblichen Eltern reagieren.

Ältere Kinder können dies nicht so leicht, ihre Beziehung ist wesentlich intensiver. Hier ist neben der Dauer der Unterbringung vor allem entscheidend, ob die leiblichen Eltern das Kind in die Pflegefamilie entlassen oder eine Rückführung anstreben. Kinder haben dann eher eine Chance, die für sie so wichtige Frage von Bindung positiv zu erleben, wenn Klarheit in Bezug auf die Zukunft besteht und wenn die Beteiligten an einem Strang ziehen (vgl. Loyalitätskonflikt, Trennung).

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