Wunsch- und Wahlrecht

Dem Sorgeberechtigten steht bei der Auswahl der Hilfe, das Recht zu, mehrere Alternativen zur Auswahl zu haben und eigene Wünsche äußern zu können, denen entsprochen werden soll, wenn sie nicht mit unvertretbaren Mehrkosten verbunden sind (§ 5 SGB VIII). Das bedeutet, dass die Sorgeberechtigten, denen die Hilfe zur Erziehung als Anspruchsberechtigte zusteht (vgl. Rechtsbeziehungen), das Recht haben, die geeignete Hilfe für ihr Kind zu wählen. Dieses Recht findet seine Grenzen dort, wo die gewählte Hilfe fachlich nicht geeignet oder mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden ist.

Im Recht auf Wunsch- und Wahlfreiheit kommt der Grundgedanke des SGB VIII zum Ausdruck, dass die Leistungsberechtigten nicht Objekt der Hilfe sind, sondern diese als Subjekt aktiv mitgestalten und deshalb bei allen wichtigen Entscheidungen zu beteiligen sind (vgl. Beteiligung, Hilfeplan).

Diesem allgemeinem Wunsch- und Wahlrecht entspricht das besondere Wahlrecht des § 36 SGB VIII, nach dem der Sorgeberechtigte und das Kind bei der Wahl einer Einrichtung oder Pflegefamilie zu beteiligen sind und ihren Wünschen unter der Beachtung der oben genannten Grenzen entsprochen werden soll. Vor der Entscheidung über eine Hilfe muss das Jugendamt die Sorgeberechtigten und das Kind beraten und sie auch auf Folgen für die Entwicklung des Kindes aufmerksam machen (vgl. Aufklärung).

Für die Unterbringung in Pflegefamilien bedeutet dies, dass Eltern und Kinder darauf hinzuweisen sind, dass es in Pflegefamilien zu Bindungen zwischen dem Pflegekind und den Pflegeeltern kommt und eine Hilfe daher unter Umständen fortgeführt werden muss, auch wenn sich die Bedingungen im Haushalt der leiblichen Eltern gebessert haben, weil dies nach einem gewissen Zeitablauf zum Schutz der neu entstandenen Bindungen notwendig ist(vgl. Verbleibensanordnung).