Vollzeitpflege auf Zeit

Vollzeitpflege auf Zeit hat das Ziel, die Rückführung des Pflegekindes in die Herkunftsfamilie zu ermöglichen oder zu prüfen, in wie weit die Herkunftsfamilie in der Lage ist, die Bedingungen für eine dem Wohl des Kindes entsprechende Erziehung wieder herzustellen.

Für die Sicherstellung dieser Perspektive müssen die Ressourcen der leiblichen Eltern für eine dem Kindeswohl dienliche Erziehung zu sorgen, nicht nur vorhanden, sondern aktivierbar sein. In einem für das Kind angemessenen Zeitraum müssen sich die Bedingungen für eine Rückkehr nachweisbar stabilisiert haben. Dafür haben die Beteiligten, unter Leitung des Jugendamtes, einen Hilfeplan zu erstellen, in dem die Perspektive, Ziele und notwendige Leistungen dafür beschrieben und von allen unterschrieben werden.

Es ist davon auszugehen, dass es zwischen Kind und leiblichen Eltern tragfähige Bindungen gibt und um die Bindungen des Kindes zu seinen Familie beizubehalten, sollten Kontakte zu diesen ermöglicht werden. Allen Beteiligten muss klar sein, dass ein Kind in einer anderen Familie, zu den Mitgliedern dieser, neue Beziehungen aufbaut, sogar intensive Bindungen aufbaut und eingeht. Für Herkunftseltern bedeutet dies, dass sich ihr Kind u.U. an die Pflegefamilie mit der Zeit gebundener fühlt und dort leben bleiben möchte (vgl. Situation der Herkunftsfamilie).

Neben der alltäglichen Sicherung der Versorgung und der Sorge um das Pflegekind, hat die Pflegefamilie die Anforderung sich ständig, durch die regelmäßigen Kontakte mit der Herkunftsfamilie, auseinander zu setzen. Von der Pflegefamilie werden Strategien erwartet, mit diesen Situationen kommunikativ umgehen zu können (vgl. Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie).

Die Dauer der Pflege auf Zeit ist abhängig von der Entwicklung der Erziehungs- und Lebensbedingungen in der Herkunftsfamilie. Immer wieder kommt es vor, dass aus einer Pflege auf Zeit eine Dauerpflege wurde, weil die Herkunftseltern nicht genügend Anstrengungen unternommen haben oder nicht in der Lage sind, die Bedingungen im eigenen Haushalt zu verbessern. Es gibt Jugendämter im Land Sachsen-Anhalt, die in solchen Fällen generell zwei Jahre zunächst als Zeitziel angeben.

Pflegefamilien haben zu jeder Zeit im Hilfeverlauf in allen Fragen die Pflege betreffend das Recht auf Beratung, Begleitung und Unterstützung (§ 37 KJHG).