Volljährigkeit

Wird ein Pflegekind volljährig und benötigt es Hilfe für die Persönlichkeitsentwicklung und zur eigenverantwortlichen Lebensführung, so hat der junge Erwachsene einen eigenständigen Anspruch auf Hilfe für junge Volljährige (§ 41 SGB VIII). Zu den Anspruchsberechtigten können junge Menschen gehören, die auf Grund von belastenden Lebensumständen, wie schulischen oder beruflichen Misserfolgserlebnissen, oder mangelnder Bewältigung von gravierenden Erfahrungen Defizite in der Persönlichkeitsentwicklung aufzeigen. Für die Hilfe ist es nicht Voraussetzung, dass der junge Volljährige bereits vorher Hilfe zur Erziehung erhalten hat. Es kann aber ein Grund für die Hilfegewährung sein, dass eine Hilfe zur Erziehung fortgeführt werden muss, um deren nachhaltigen Erfolg sicher zu stellen.

Eine weitere Voraussetzung, die nicht ausdrücklich im Gesetz steht, ist die Mitwirkungsbereitschaft des jungen Menschen. Allerdings dürfen hierbei die Grenzen nicht zu eng gezogen werden, da genau die Klientel, an die sich das Hilfsangebot richtet, oft unter Motivationsproblemen leidet. Würde man für die Hilfe zur Voraussetzung machen, dass der junge Mensch voll engagiert und motiviert an seinen Defiziten arbeitet, würde man das Ziel der Hilfe zur Voraussetzung machen.

Im SGB VIII ist der Anspruch auf Hilfe als „Soll-Vorschrift“ fixiert. Dies bedeutet, dass dem jungen Menschen die Hilfe in der Regel zusteht, wenn die oben genannten Voraussetzungen vorliegen. Das Jugendamt kann die Hilfe nur ablehnen, wenn besondere Umstände dies rechtfertigen. Die Verwaltung muss in diesem Fall begründen und beweisen, warum außerordentliche Gründe die Ablehnung der Hilfe rechtfertigen (vgl. hierzu Kinder- und Jugendhilferecht SGB VIII, Gemeinschaftskommentar, Diedrichs-Michel, Rn. 3 zu § 41 SGB VIII).

Die Hilfe soll in der Regel nicht über das 21. Lebensjahr hinaus gewährt werden, was durchaus konsequent ist, da es einen Zeitpunkt geben muss, in dem Jugendhilfe endet und andere Hilfs- und Unterstützungssysteme greifen.