Vermittlung Jugendlicher als Pflegekind

Jugendliche, die aus irgendeinem Grund nicht mehr bei ihren Eltern wohnen können und noch nicht alt genug sind selbständig zu leben, können, neben der Unterbringung in einem Heim oder einer betreuten Wohnform, auch in einer Pflegefamilie untergebracht werden.

Die Entscheidung, welche der genannten Wohnformen die optimale ist, wird nach dem individuellen Bedarf des Jugendlichen getroffen und sorgfältig abgewogen.

Gegen eine Platzierung in einer Pflegefamilie würde sprechen, dass sich der Jugendliche eigentlich in der Ablösephase von seinen Eltern befindet und u. U. nicht in der Lage ist, sich auf eine neue Familienbeziehung einzulassen. Für die Pflegefamilie wiederum ist es nicht einfach einen Jugendlichen, mit seinen besonderen Ansprüchen, zu integrieren. Der familiäre Rahmen wäre beiden zu eng (vgl. Pubertät).

Für eine Unterbringung in einer Pflegefamilie spricht, dass die Familie eine kleine überschaubare Einheit bietet, die wesentlich flexibler auf die individuellen Besonderheiten des Pflegekindes eingehen kann. Gruppendruck und Konkurrenz sind kleiner als in einem Heim und Jugendliche finden ein konstantes Beziehungsangebot vor. Ein weiterer Vorteil wäre, dass Jugendliche zumeist besser ausdrücken können, was sie fühlen und denken.

Voraussetzung für die Vermittlung eines Jugendlichen in eine Pflegefamilie ist einmal der Wunsch, aber auch die Beziehungsfähigkeit und Verbindlichkeit des Jugendlichen. Pflegeeltern sollten sich eher als begleitende Erwachsene sehen und weniger Erziehungsaufgaben in den Mittelpunkt der Pflege stellen. Die Pflegefamilie benötigt also auch einen besonderen Zugang zu Jugendlichen. Außerdem muss eine intensivere Begleitung und Unterstützung durch den Pflegekinderdienst zur Verfügung stehen.