Veränderung der Familienstruktur

Wenn Pflegeeltern ein Pflegekind aufnehmen verändert sich die Familienstruktur. Dabei müssen sich alle Familienmitglieder bewegen, um die Familie wieder in ein Gleichgewicht zu bekommen. Die Familie kann man sich dabei, bildlich gesprochen, wie ein Mobile vorstellen.

Bei der Integration eines Kindes in die Familie wird eine Eltern-Kind-Beziehung hergestellt. Dabei ist zu beachten:

  • Beim Aufbau von Familienbeziehungen ist das Kind nicht passives Objekt elterlicher Ein-flüsse, sondern aktives Subjekt.
  • Das Kind strukturiert persönliche Beziehungen entsprechend seiner eigenen elementaren Bedürfnisse nach Sicherheit, Versorgung, Schutz und Zugehörigkeit.
  • Die Entwicklung familiärer Beziehungen in der Kindheit durchläuft darum eine irreversible, nicht umkehrbare, aber wiederholbare Stufenfolge verschiedener Beziehungsformen: – von der einfachen Zwei-Personen-Beziehung bis hin zu komplexen Rollenbeziehungen. (…)

Damit das Kind persönliche Beziehungen aufgrund seiner eigenen vitalen Bedürfnisse aktiv herstellen kann, müssen bestimmte Voraussetzungen vorhanden sein. Es muss seine Bedürfnisse unverstellt, unmittelbar in der Interaktion mit den neuen Eltern zum Ausdruck bringen können.

Beispiel: Ein kleines Kind wird, wenn es Hunger hat schreien, um von der Mutter versorgt zu werden. Wie verhält sich aber ein älteres Kind, das plötzlich von neuen Erwachsenen abhängig ist? Es wird seine Bedürfnisse und Wünsche nur dann unverstellt äußern, wenn es Befriedigung oder zumindest Verständnis erwarten kann und nicht negative Sanktionen befürchten muss.

Gerade ältere Kinder haben die Erfahrung gemacht und sind durch sie geprägt, dass familiäre Beziehungen nicht auf Anerkennung, Befriedigung und Durchsetzung kindlicher Bedürfnisse beruhen und dass die elterlichen Wünsche und Bedürfnisse vollkommen dominieren. Folglich wird das ältere Kind in der Pflegefamilie zunächst in seiner Aktivität eingeschränkt sein, bis es erfahren hat, dass es die Befriedigung seiner Bedürfnisse erwarten kann. Aufgrund seiner Ohnmachtserfahrungen wird es vor allem in seinen Beziehungsmöglichkeiten eingeschränkt sein, solange es nicht die Erfahrung macht, dass es selbst Einfluss auf die Menschen gewinnt, von denen es abhängig ist.