Trennung

Trennung steht am Anfang jedes Pflegeverhältnisses und kann auch während dessen stattfinden. Jedes Pflegekind hat die Trennung von den leiblichen Eltern erlebt oder durchlitten.

Trennung meint im Zusammenhang der Bindungstheorie und Bindungsforschung die Trennung von einer Bindungsperson. Die Qualität der bisherigen Bindung hat einen großen Einfluss auf die Verarbeitung der Trennung.

Die Begriffe Trennung und Verlust beinhalten, dass die Bindungsperson vorübergehend (Trennung) oder für immer (Verlust) unzugänglich ist. Abschied ist die innere und äußere Vorbereitung auf eine bevorstehende Trennung. Häufig werden dabei Rituale eingesetzt, wie etwa der Austausch von Abschiedsworten, ein Händedruck, eine Umarmung, ein Abschiedsgeschenk oder ein Abschiedsessen.

Ablösung ist ein innerer Prozess, bei dem psychische Energie allmählich von der geliebten Person abgezogen und auf neue Objekte verteilt wird. Der Ablösungsprozess geht ähnlich dem Trauerprozess zeitlich weit über das unmittelbare Ereignis der Trennung(vorübergehend unzugänglich) bzw. des Verlustes (für immer unzugänglich) hinaus.

Den Trennungsprozess beschreibt John Bowlby bei kleinen Kindern folgendermaßen: „Wann immer ein kleines Kind, das Gelegenheit hatte, eine Bindung an seine Mutterfigur zu entwickeln, gegen seinen Willen von ihr getrennt wird, zeigt es Kummer; und sollte es in einer fremden Umgebung von einer Reihe fremder Leute versorgt werden, dann wird dieser Kummer wahrscheinlich intensiv sein. Sein Verhalten folgt einer typischen Sequenz. Zuerst protestiert es heftig und versucht mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln , seine Mutter wiederzufinden. Später scheint es die Hoffnung , sie wiederzufinden, aufzugeben und zu verzweifeln, aber es beschäftigt sich weiterhin mit ihr und ersehnt ihre Rückkehr. Danach scheint es das Interesse an der Mutter zu verlieren und sich emotional von ihr abzulösen.“

Bei kürzeren Trennungen ist das Ablösen von der Mutter nicht dauerhaft, das Kind zeigt nach kurzer Zeit wieder seine Liebe. Es ist aber nach einer Trennung über längere Zeit sehr ängstlich in Bezug auf weitere Trennungen. Das heißt, es wird als kleines Kind stärker klammern, sich öfter der Mutter vergewissern und Trennungssituationen, die es vorher gut aushalten konnte, schlecht bewältigen.

Die einzigen Kinder, die in den von Bowlby beschriebenen Untersuchungen keinen Trennungsschmerz zeigten, waren diejenigen, die vorher keine Bindung aufbauen konnten (vgl. Bindungsstörungen. Dabei beziehen sich seine Aussagen auf Kinder, die meist wegen eines Krankenhausaufenthaltes von der Familie getrennt wurden und vorher noch keine längere Trennung erlebt hatten.

Pflegekinder stammen jedoch meist aus sogenannten „Multi-Problem-Familien“ und haben oft eine Lebensgeschichte, die von wechselnden Bezugspersonen, Wohnortwechsel, Misshandlung und Vernachlässigung durch die Bezugsperson gekennzeichnet ist. Sie zeigen daher oft ihren Trennungsschmerz verzögert, in anderer Form oder gar nicht. Trotzdem können sie auch unter der Trennung leiden.