Pflegekind

Ein minderjähriges Kind, welches nicht in seiner eigenen Familie (Herkunftsfamilie) lebt bzw. aufwächst, sondern in einer anderen Familie, der Pflegefamilie lebt und aufwächst ist ein Pflegekind.

Der Aufenthalt in einer Pflegefamilie ist im Einzelfall sehr unterschiedlich und richtet sich nach dem individuellen Bedarf des Kindes. Dies kann für die kurze Dauer eines Kuraufenthaltes über mehrere Jahre, bis hin zur gesamten Kindheit sein. Aufgrund der Dauer eines Aufenthaltes in einer Pflegefamilie und des individuellen Bedarfs und daraus resultierender notwendiger Leistungen können verschieden Pflegeformen definiert werden.

Die Frage wie lange ein Kind in einer Pflegefamilie lebt ist nicht allgemein zu beantworten, es ist im jeweiligen Einzelfall zu entscheiden. Es spielt jedoch für die Perspektive des Kindes eine Rolle, wie lange ein Kind ein Kind außerhalb der leiblichen Familie lebt.

Wichtige Faktoren für die Dauer des Aufenthaltes sind zum einen das Alter des Kindes, sein Wille und zum anderen die bestehenden und neu entstandenen Beziehungen. Im Pflegekinderwesen wird in diesem Zusammenhang vom Zeitfaktor gesprochen. Auf den Seiten von moses-online, der Internetpräsenz des nordrhein-westfälischen Landesverbandes für Pflege- und Adoptiveltern, finden sich dazu folgende Ausführungen:

„Lebt ein Kind kürzere Zeit in einer Pflegefamilie, so ist es für alle Beteiligten klar, dass die leiblichen Eltern auch im Gefühl und Kopf des Kindes „seine“ Eltern also Mama und Papa bleiben. Lebt ein Kind jedoch lange Zeit in der Pflegefamilie, so wird das Kind zu den Pflegeeltern enge Beziehungen eingehen und diese Eltern zu Mama und Papa machen. Die Zeit des Aufenthaltes in der Pflegefamilie spielt in der Einschätzung dieser Beziehungen eine große Rolle.

Lange Zeit ist natürlich ein dehnbarer Begriff. Um hier einen Anhaltspunkt zu haben, geht die Praxis von dem Zeitbegriff des Kindes aus. Hier soll die infrage kommende Zeit mit den Augen des Kindes gesehen werden.

Beispiele:

  1. Ein Kind ist mit einem Jahr in die Pflegefamilie gekommen und lebt dort nun ebenfalls ein Jahr. Aus der Sicht des Kindes ist dies natürlich eine „lange Zeit“, denn dies ist schließlich die Hälfte seines Lebens. Außerdem ist die Entwicklung eines Einjährigen zu einem Zweijährigen ein immens großer Entwicklungsschritt, den dieses Kind ja in der Pflegefamilie vollzogen hat.
  2. Ein Kind kommt mit 8 Jahren in eine Pflegefamilie und lebt dort ebenfalls ein Jahr. Dieses Jahr bedeutet natürlich aus der Sicht eines Achtjährigen etwas anderes, als aus der Sicht eines Zweijährigen. Der Achtjährige hat Erinnerungen, Prägungen, Beziehungen. Für einen Achtjährigen ist daher 1 Jahr noch keine „lange“ Zeit.

Ein Pflegekind kann also einerseits ein Kind sein, was zwar in einer Pflegefamilie lebt, aber sich weiterhin zu seiner Herkunftsfamilie zugehörig fühlt und auch dort wieder leben möchte, sobald dies möglich ist. Hier wird die Pflegefamilie als „Ergänzungsfamilie“ angesehen, d.h. sie gibt dem Kind das, was es braucht, und was die Herkunftsfamilie zur Zeit nicht leisten kann.

Ein Pflegekind kann aber auch andererseits ein Kind sein, das sich eindeutig als Kind der Pflegefamilie definiert und sich dort zugehörig fühlt. Die Pflegefamilie wird hier als „Ersatzfamilie“ angesehen. Die Pflegeeltern ersetzen die Herkunftseltern aus der Sicht des Kindes in allen Elternfunktionen. (Quelle: moses-online.org)