Geschwisterbeziehungen

Geschwisterbeziehungen haben großen Einfluss auf das Gelingen der Familienbeziehung. In dem Versuch, allen Geschwisterkindern gerecht zu werden, bleiben den Bezugspersonen kaum Freiräume, was zur Überforderung führen kann. Von der Aufnahme von Geschwisterkindern in eine Pflegefamilie sollte abgesehen werden, wenn bereits eigene Kinder vorhanden sind. Die mögliche Bildung zweier konkurrierender Geschwistergruppen birgt hohe Risiken in sich (vgl. Geschwistervermittlung).

Die möglichen Schwierigkeiten hängen von der Art der Beziehung der Geschwisterkinder zueinander ab:

Geschwisterliebe

Durch eine exzessive Art der Bindung aufgrund einer vorangegangenen Notsituation (wechselseitige Abhängigkeit und Fixierung). Die Beziehung dieser Kinder ist oft aufgrund der Umstände zur Notgemeinschaft geworden. Die große wechselseitige Abhängigkeit kann eine „Mauer“ zu der noch fremden Pflegefamilie aufbauen. Das Festhalten an der alten Geschwisterrolle hindert das Kind daran, sich auf die neue Situation und neue Beziehungen einzulassen und neue Erfahrungen zu machen.

Geschwisterrivalität

Ursachen können zwischen den Geschwistern bestehende Abhängigkeiten (Unterlegenheit / Überlegenheit) sein. Bleiben diese unerkannt, wirkt sich das destruktiv auf die Psyche des Kindes aus. In dem Bemühen, die Liebe der Pflegefamilie zu gewinnen, wird auf das alte Verhaltensmuster von Abhängigkeiten zurückgegriffen, um den Konkurrenten, als welcher das Geschwisterkind erlebt wird, zu übertrumpfen.

Geschwistersolidarität

Sie ist durch wechselseitige Bindung unter Wahrung der jeweiligen Individualität gekenn-zeichnet. Eine Beziehung dieser Art ist eine gute Grundlage für eine gemeinsame Aufnahme, da sich die Geschwister gegenseitig unterstützen und Sicherheit geben können, ohne sich dabei in ihrer persönlichen Entwicklung oder bei der Aufnahme von neuen Beziehungen behindern. Sie ist jedoch bei den durch die Vorgeschichte meist beziehungsgeschädigten Kindern nur selten festzustellen.