Biografiearbeit

Biografiearbeit ist der Versuch, den Kindern, die getrennt von ihrer ursprünglichen Familie aufwachsen, durch altersgemäße Informationen Teile der verloren gegangenen Vergangenheit zurückzugeben. Sie schafft Gestaltungsmöglichkeiten für das Gespräch mit Kindern und gibt ihm eine gegliederte und verständliche Möglichkeit über sich selbst zu reden.

Die Methoden der Biografiearbeit sind vielfältig, zum Teil in Spiel und Entspannung verpackt. So kann man die Vergangenheit mit dem Kind durch malen, Geschichten schreiben, Phantasiereisen, Gestaltung eines Fotoalbums, Reisen an Orte der Vergangenheit usw. entdecken.

Jeder verständnisvolle Erwachsene kann die richtige Person für diese Arbeit sein, wenn er bereit ist, die Verpflichtung dem Kind gegenüber einzugehen und wenn das Kind ihn als Partner/Partnerin will. Man kann auch die Herkunftsfamilie mit in die Arbeit einbeziehen.

Tipps:

  • Nicht die eigene Betrachtungsweise aufdrängen.
  • Keine offensichtlich falschen Informationen aufzeichnen.
  • Nicht das „Ruder“ übernehmen und somit die „beeinflusste Version“ vom Leben eines Kindes „produzieren“.
  • Dem Kind vermitteln, dass die Aufzeichnungen jederzeit verändert werden können, dass Informationen hinzugefügt werden können.
  • Biografiearbeit kann jederzeit begonnen werden, wenn Erwachsene und Kind genug Vertrauen zueinander gefasst haben und der zeitliche Rahmen sichergestellt ist. – Wenn das Kind Vertraulichkeit verlangt, ist dies zu akzeptieren.
  • Dem Kind versprechen, dass man keine Informationen weitergibt, wenn es nicht absolut notwendig ist.
  • Dem Kind versprechen, dass man ihm beisteht, bei allen Befragungen anwesend ist und ihm versichert, dass es geschützt wird.
  • Mit dem Kind ist abzusprechen, was man sagen darf. Schon das kann für das Kind hilfreich sein, weil es eine Basis schafft, um schmerzvolle Ereignisse aus der Vergangenheit zu besprechen.

Die Arbeit sollte nie als beendet betrachtet werden. Manche Aufzeichnung des Prozesses ist wichtig, weil sie einen Bezugspunkt darstellt und weil sie bis zum Erwachsensein hin vollständig werden kann. Man kann in einer Krise darauf zurück kommen, in welcher ein Kind die Vergangenheit aufleben lässt, oder anfängt, Teile der Kindheit zu erinnern und zu entdecken, die ihm nicht verfügbar waren, als es mit der Biografiearbeit begann.