Bindungsentwicklung

Im Zuge der kindlichen Reifung entwickelt sich auch das Bindungsverhalten. In der frühen Kindheit von 6 Monaten bis 5 Jahren ist es besonders formbar.

Bis zum Alter von sechs Monaten unterscheidet das Kind zwar verschiedene Personen, lächelt zum Bei-spiel bei vertrauten Personen häufiger, aber lässt sich meist von jeder verfügbaren Person trösten.

Ab dem sechsten Monat unterscheidet das Kind sehr viel deutlicher Bindungspersonen von anderen. Es akzeptiert Trost nur von den bekannten Bindungspersonen, reagiert auf andere ängstlich (Fremdeln).

Mit zwölf bis achtzehn Monaten hat das Kind i.d.R. eine exklusive Bindung zu einer Haupt-Bindungsperson und wenigen Neben-Bindungspersonen aufgebaut.

Bis zum Alter von drei Jahren differenziert sich das Bindungsverhalten weiter aus. Das Kind lernt immer besser, Nähe und Distanz zu regulieren und auch Bedürfnisse der Bindungsperson zu erkennen. Es lernt, dass gegenseitige Befriedigung in Interaktion verhandelbar ist. Bowlby spricht hier vom Aufbau „zielkorrigierter Partnerschaft“ zwischen Mutter und Kind.

Die verinnerlichten Bindungserfahrungen werden als Bindungsrepräsentation bezeichnet. Es sind gleichsam die „Schubladen“, in denen wiederholte Beziehungserfahrungen gesammelt werden und sich zum Muster von Gefühlen und Einstellungen zu Beziehungen verdichten. Die Bindungsrepräsentationen haben bewusste und unbewusste Anteile. In beängstigenden oder überfordernden Situationen steuern sie das Verhalten (vgl. Bindungsqualitäten).

Die Bindungsforschung geht davon aus, dass Bindungsmuster lebenslang wirken und einen Einfluss auf die Gestaltung von Beziehungen, das Erkunden der Umwelt und auf das Mobilisieren von Unterstützungen haben. Je früher in der Entwicklung eine bestimmte Bindungserfahrung gemacht wurde, desto weniger bewusst ist sie.