Anbahnungszeit, Prüfungszeit

Damit sich die potenziellen Pflegeeltern und das Kind persönlich näher kennen lernen, bevor es in eine Familie aufgenommen wird, nutzt man eine Anbahnungs- und Prüfzeit. Während dieser Zeit sollen durch einen behutsamen Beziehungsaufbau erste Kontakte zwischen den Pflegeeltern und dem Pflegekind, wie auch zwischen den Pflegeeltern und den Herkunftseltern genüpft werden.

Diese Zeit endet nicht damit, wenn sich die Pflegeeltern, entscheiden dieses Kind aufnehmen zu wollen. Das Pflegekind muss je nach Alter und Entwicklungsstand in diesen Entscheidungsprozess einbezogen werden. Auch die Herkunftseltern haben in der Regel das Recht sich für eine Pflegefamilie zu entscheiden.

Es gibt keine pauschal verlaufende Kennenlernzeit. Die Erfahrung zeigt, dass Familien und Kinder sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben können.

  • Man kann sich auf neutralem Boden treffen, z.B. im Zoo.
  • Manche Kinder brauchen eine sichere Umgebung, um fremde Menschen kennen zu lernen. Da bietet sich Orte an, in denen das Kind sich auskennt, z.B. seinen Lieblingsspielplatz oder seine Zimmer in einer Heimeinrichtung.
  • Für viele Kinder ist es leichter Fremde kennen zu lernen, wenn sie von vertrauten Personen begleitet werden, also den Eltern, den Erziehern oder anderen.

Sie müssen beachten, dass diese Phase von den vorhergehenden Beziehungserfahrungen des Kindes abhängig ist.

Hilfreich ist, wenn man sich während dieser Zeit die Beteiligung und Unterstützung von Institutionen/Einrichtungen und Fachkräften sichert, d.h., bei Unklarheiten und Unsicherheiten sollten z.B. die MitarbeiterInnen des Pflegekinderdienstes befragt werden. (vgl. Beratung)

Das Kennenlernen der Herkunftsfamilie und deren Situation ist für eine mögliche spätere Zusammenarbeit förderlich, denn daraus kann die Pflegefamilie mögliches Verständnis für die Inpflegegabe entwickeln. Wichtig ist dabei das Abklären der gegenseitigen Befindlichkeiten, aber auch wichtige Hintergrundinformationen über das Kind, z.B. gesundheitliche Risiken, Essgewohnheiten, etc sind, wenn möglich, einzuholen.

Die Erfahrung zeigt, dass eine frühzeitige, akzeptierende und wertschätzende Einbeziehung der Herkunftseltern das Pflegeverhältnis positiv beeinflusst.

In der Pflegefamilie sollten mit allen Familienmitgliedern die Besuche gemeinsam reflektiert werden. Es gilt ambivalente Gefühle zu thematisieren, abzuklären und ggf. auszuräumen. Dann sind von allen persönliche Schlussfolgerungen zu ziehen und im Interesse des Kindes Entscheidungen zu treffen. Das bedeutet: „Nein“ – sagen ist erlaubt, wenn es so ist, dann ist es jetzt besser für alle Beteiligten als ein späterer, für alle sehr schmerzhafter Pflegeabbruch. Wenn „JA“, dann bedeutet das, die Verantwortung für das Kind übernehmen und die anstehenden Veränderungen von der Familie gemeinsam zu tragen.