Die Zusammenarbeit von Kitas und Pflegeeltern in Magdeburg

Die Zusammenarbeit von Kitas und Pflegeeltern in Magdeburg

In der Zusammenarbeit mit Kitas, Horten und Pflegefamilien konnten wir Erfahrungen bezüglich der Wünsche und Erwartungen der Erzieher und Pflegeeltern aneinander sammeln. Diese Sammlung zeigt, dass auf beiden Seiten ein grosses Interesse an Zusammenarbeit, aber auch an Wissensmangel, vorhanden ist. Wir möchten Sie ermuntern, die Wünsche und die Neugier der anderen zu befriedigen, um zu einer guten Zusammenarbeit zu gelangen.

Das Fachzentrum für Pflegefamilien stellt seine Arbeit und die Arbeit der Pflegefamilien noch in diesem Jahr in einigen Kitas in der Stadt Magdeburg vor. Mit dieser Arbeit wollen wir unter anderem eine bessere Zusammenarbeit zwischen ErzieherInnen und Pflegeeltern erreichen. Bei vorherigen Recherchen hierzu stellten wir fest, dass es kaum Statistiken oder andere greifbare Informationen über die Zusammenarbeit gibt.

Um einen Überblick über die Zusammenarbeit in der Kinderkrippe, den Kindergärten und den Horten zu erreichen, starteten wir eine kleine Umfrage bei Erzieherinnen und Pflegeeltern.
Themen waren unter Anderem Wünsche für eine gute Beziehung, welche Bedenken es gibt und die Frage nach bereits gut gelungener Zusammenarbeit zwischen den erwachsenen Bezugspersonen für die Pflegekinder.

Im folgenden dokumentieren wir die meist genannten Punkte der Pflegeeltern und Erzieher.

Aus Sicht  der Pflegeeltern

Wünsche:

  • Gesprächsbereitschaft
  • Auseinandersetzung und Beschäftigung mit dem Thema Pflegekind und deren Besonderheiten
  • Toleranter Umgang mit den Pflegekindern
  • Humor
  • Neugier (Fragen statt Gedanken machen)
  • Offenheit
  • Vorbehaltloser Umgang zwischen den Parteien Kita und Pflegefamilie
  • Kompromissbereitschaft
  • Weiterbildung für PädagogInnen im Bereich Pflegekinder
  • Thema Pflegekinder in die Ausbildung von ErzieherInnen mit aufnehmen

Bedenken gibt es:

  • Pflegekinder haben oft schon vor der ersten Begegnung einen Stempel
  • Kinder fallen auf Grund ihrer Vergangenheit aus der Norm und haben dadurch die Außenseiterrolle – Welche Auffang– bzw. Ausgleichmöglichkeiten haben Einrichtungen in der Kindertagesbetreuung?
  • Überforderung der PädagogInnen  durch zu hohe Kinderzahl in den Einrichtungen und Unwissenheit

Gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit:

  • Bei regem verbalen Austausch mit den ErzieherInnen
  • Bei Versuchen des Aufeinanderzugehens
  • Verstehen wollen, in die Rolle des Anderen reinversetzen
  • Bei gegenseitiger Toleranz

Aus Sicht der ErzieherInnen Kindergarten + Hort

Wünsche waren:

  • Von der Vorgeschichte des Kindes Hintergünde zu erfahren (ErzieherInnen unterliegen doch auch der Schweigepflicht), wie lange lebt das Kind schon in der Pflegefamilie
  • Gespräche suchen, um Dinge erfragen zu können
  • Gemeinsam helfen
  • Wichtige Gespräche zu Zweit, nicht im Beisein des Kindes führen
  • Bessere Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, Vernetzung

Bedenken:

  • Essverhalten der Kinder
  • Stehlen – sind Beschuldigungen immer richtig?
  • Wir und auch viele Kinder merken, dass es ein Pflegekind ist
  • Werden die Gelder für die Kinder  immer richtig verwendet von den Pflegeeltern?
  • Überforderung/ Überlastung der Pflegeeltern – zu viele Kinder (auch eigene)
  • Verschiedene Hypothesen zu den Beweggründen, ein Pflegekind in die Familie zu nehmen – nicht nur um zu helfen
  • Verhalten der Kinder nach dem Kontakt mit den leiblichen Eltern: Aus welchen Gründen ist das überhaupt notwendig?
  • Bei den Aussagen der Kinder bei Aufteilung der Gruppen „.. Du hast mir überhaupt nichts zu sagen“ –  Personenbezogenheit der Pflegekinder

Gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit gab es:

  • Offenheit für gegenseitige Probleme und Wünsche im häuslichen-  und Kita-Bereich
  • Angebotene Zeiten für Elterngespräche werden genutzt
  • Wünsche der Pflegeeltern werden berücksichtigt (z.B. Zeitpunkt für Gespräche)
  • Gespräche suchen
  • Mit den Kindern beschäftigen, nicht urteilen
  • Hilfs / Unterstützungsangebote
  • Wenn Kinder in Pflegefamilie integriert sind (längere Zeit dort), merkt man den Unterschied nicht so

Abschliessend noch zwei Informationen, die uns im Zusammenhang der Zusammenarbeit von Kita / Hort und Pflegefamilie wichtig erscheinen:

Als wichtig erscheint uns auch die Information von jungen Erzieherinnen, die ihre Ausbildung gerade beendet haben, dass es in der Grundausbildung des Erziehers nur eine kurze Information über die Existenz von Pflegekinder gibt, die wiederum keinen praktischen Nutzen in der Arbeit bietet. Dies ist keine allgemein gültige Aussage. Wir hoffen, dass in andern Ausbildungsschulen das Thema „Pflegekinder“ durchaus eine wichtigere Rolle spielt.

Im Unterschied zum Kindergarten und Hort fällt es auf Grund des Alters der Kinder in der Krippe seltener auf, wenn ein Kind ein Pflegekind ist. Die Familien sind als Pflegefamilien bekannt und werden auf Grund des Erfahrungsschatzes, als diese leichter akzeptiert. Informationen werden aus Sicht der Erzieherinnen in der Krippe nicht vorenthalten.  Fazit: Je jünger das Kind desto weniger „Last“ im Gepäck und mit dem dadurch geringeren Informationsbedarf, können Kinder und Pflegefamilien leichter in das gesellschaftliche Leben einsteigen und erfahren mehr Akzeptanz durch die soziale Umgebung.

Fazit

Durch mehr Informationsmöglichkeiten in der Aus- und in Weiterbildung würde sich die Zusammenarbeit zwischen Pflegefamilien und Kindereinrichtungen um ein Vielfaches intensivieren lassen. Für alle Beteiligten wären der Umgang und die so notwendigen Gespräche leichter, da das Verstehen der Besonderheiten im Umgang mit Pflegekindern, durch ein Zugewinn an Wissen, um ein Vielfaches einfacher wäre.

Hinweis: Pflegekindern haben nicht an der Umfrage teilgenommen. Der Kontakt zu einigen Pflegekinder wurde im Hortbereich aufgenommen, aber es erschien wenig sinnvoll, die Kinder aus dem Spiel herauszulösen, um sie zu befragen.