Motivation von Pflegeeltern

Es gibt verschiedenste Gründe, die Erwachsene veranlassen, Pflegekinder aufnehmen zu wollen. Diese Gründe und ihre Motivation stellen eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen eines Pflegeverhältnisses dar. Sie beeinflussen die Art des Umgangs mit dem Pflegekind, der Herkunftsfamilie und die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. Die Motivation von Pflegepersonen bestimmt die Erwartungen an das Pflegekind, die an es in der Pflegefamilie herangetragen und durch die Lebenssituationen vermittelt wird.

von Adrian Einecke für Arbeitsgruppe Qualitätssicherung und Qualitätsmerkmale im Pflegekinderwesen in Sachsen-Anhalt

Die Motivation der Pflegeeltern ist nicht auf einen einzelnen Faktor zu reduzieren. Sie ist vielmehr das Ergebnis einer mehr oder weniger bewussten Vorbereitung auf das Dasein als Pflegefamilie. Es spielen momentane Befindlichkeiten und Emotionen ebenso eine Rolle, wie Familienumstände und familiäre Entwicklungsschritte.

Es ist für ein gelingendes Pflegeverhältnis unabdingbar sich mit der Motivation von Pflegepersonen zu beschäftigen. Dazu ist es auf Seiten der BewerberInnen notwendig sich im Vorfeld eines Pflegeverhältnisses selbstkritisch und ehrlich mit den eigenen Beweggründen auseinander zu setzen. Für die MitarbeiterInnen des betreffenden Pflegekinderdienstes bedeutet dies Situationen zu arrangieren, in denen die BewerberInnen die Möglichkeit haben ohne Ängste und Vorurteile Ihre Motive offen und ehrlich zum Ausdruck zu bringen und diskutieren zu lassen. Es gibt nicht die eine passende Motivation, die es erlaubt Pflegeperson zu sein. Wichtiger ist vielmehr, dass Pflegepersonen bereit und in der Lage sind ihre Motive auszudrücken und besprechen zu lassen. Jede Motivation muss hinterfragt werden.

Die Motivation muss stark genug sein, um auch Schwierigkeiten und Krisen des Pflegefamilienalltags durchzustehen und ein Engagement unter Umständen auf längere Zeit zu ermöglichen.

Als besonders tragfähige Motivationen können folgende betrachtet werden.

  • Soziales Engagement für benachteiligte Kinder und Jugendliche und die Freude auch an kleinen Fortschritten.
  • Der öffentlichen Erziehung eine stabile, intakte Familie zur Verfügung zu stellen.
  • Ausreichende materielle und psychische Ressourcen beschreiben können.
  • Eigene Erfahrungen als Pflegekind oder leibliches Kind einer Pflegefamilie und die Energie, die positiven Erfahrungen weiterzugeben.
  • Sich bewusst darüber sein, dass Pflegekinder zunächst oft Kinder auf Zeit sind, mit einer eigenen Biografie und einer eigenen Familie.
  • Möglichkeit und Wunsch, nochmals Kinder zu betreuen und zu erziehen, nachdem die eigenen erwachsen sind und die großen Erfahrungen Pflegekindern zugute kommen lassen.
  • Den Pflegepersonen ist klar, dass die Erziehung von Pflegekindern eine andere Aufgabe ist als die Erziehung eigener Kinder.
  • Sich von den positiven wie auch negativen Erfahrungen Verwandter, Freunde oder Bekannter mit Pflegekindern nicht „abschrecken“ zu lassen und genügend eigene Ressourcen zur Erziehung und Betreuung „fremder“ Kinder haben.

Andere Motive müssen darauf hin überprüft werden, ob sie wirklich genügend Kraft und Ressourcen mobilisieren können, um die nicht immer einfachen Aufgaben als Pflegepersonen zu erfüllen. Folgende Motive müssen in Zusammenhang mit obigen Motiven gebracht werden können, sollen sie die Grundlage für ein gelingendes Pflegeverhältnis sein. Für sich allein genommen, sind diese Motive nicht genug tragfähig:

  • Eigene Kinderlosigkeit, der Wunsch Kinder als Ausweg für eigene aufziehen zu wollen.
  • Religiösität und Nächstenliebe.
  • Generelle Hilfsbereitschaft.
  • Einem Kind, dem es schlecht geht (evtl. aus der Nachbarschaft) eine Familie geben zu wollen. Wunsch in einer akuten Notsituation helfen zu wollen.
  • Kinderwunsch Alleinstehender PflegeelternbewerberInnen.
  • Wunsch nochmals Kinder groß ziehen zu wollen, nachdem die eigenen aus dem Haus gegangen sind.
  • Kinder als Ergänzung zu dem/ oder den eigenen Kinder/ n. Suche nach Geschwistern, einem Spielkameraden.

Auch wenn spätere Abbrüche von Pflegeverhältnissen nicht vorhersehbar sind, gibt es doch einige Motive, die ein solches Scheitern wahrscheinlicher machen können. Vor allem dann, wenn die Bedürfnisse der potentiellen Pflegepersonen im Mittelpunkt stehen. Die im folgenden aufgezählten Motive werden als wenig bzw. nicht förderlich für ein Pflegeverhältnis eingeschätzt:

  • finanzielle Motivation der BewerberInnen, z.B. bei längerer Arbeitslosigkeit.
  • Eigene Kinderlosigkeit, der Wunsch Kinder als Ersatz für eigene aufziehen zu wollen.
  • Lieber bald ein Pflegekind, als lange auf ein Adoptivkind zu warten.
  • Langeweile im inzwischen Kinderlosen Haushalt.

Die Aufnahme eines Pflegekindes ist ein weitreichenden und lebenseinschneidender Schritt, für das Pflegekind und die Pflegefamilie. Dieser Entscheidung muss mit entsprechender Klarheit unter Einbeziehung verschiedener Faktoren getroffen werden können. Für einen gelingenden Verlauf eines Pflegeverhältnisses ist es nötig dem Kind vor allem offen begegnen zu können, ohne es in vorgefertigte Rollenmuster zu schieben. Pflegekinder aufnehmen zu wollen ist kein Selbstzweck von Pflegepersonen, sondern immer eine soziale Aufgabe im öffentlichen Rahmen.

PflegeelternberwerberInnen benötigen Zeit sich über ihre Bedürfnisse und Erwartungen, Grenzen und Möglichkeiten bewusst zu werden. Dazu ist es notwendig ein längerfristiges Bewerberverfahren zu durchlaufen und bestimmten Eignungskriterien zu genügen. Bei diesem Entscheidungsprozess müssen sie von fachkundigen MitarbeiterInnen aus dem Pflegekinderdienst begleitet und unterstützt werden.

Quelle: Qualitätsmerkmale im Pflegekinderwesen Sachsen-Anhalt

Erarbeitet von einer Arbeitsgruppe im Rahmen des Projektes Qualitätssicherung und Qualitätsmerkmale im Pflegekinderwesen Sachsen-Anhalts

Gefördert durch das Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt

Zur Verfügung gestellt von der START gemeinnützige Beratungsgesellschaft mbH

Die eben beschriebenen Qualitätsmerkmale sind ein Teil eines umfassenden Handbuchs, das wahrscheinlich im ersten Quartal 2004 erscheinen wird. Die folgenden Inhalte sind das Arbeitsergebnis einer Tagesveranstaltung und stehen den Beteiligten zur Korrektur, Kritik und Ergänzung zur Verfügung.