Babyklappe und anonyme Geburt: Rettung oder Illusion

Beitrag zu einer Debatte um die Babyklappe als Schutz vor Kindstötung

Auf einer Tagung des Landesjugendamtes zum Thema „Mit den Augen eines Kindes sehen lernen“, Gab es einen Beitrag über den ich gerne berichte, weil dieser mir eine nicht beachtete Perspektive eröffnet hat.

Es geht um das Thema „Babyklappe“. Sicher haben sie einmal davon gehört, die eine oder andere Stadt, der eine oder andere Träger und sogar Krankenhäuser als Institutionen, rühmen sich zuweilen einer vorhandenen Babyklappe als vermeintlichen Schutz für Kinder.

Was ist eine Babyklappe? Es ist eine Vorrichtung für Neugeborene und Säuglinge, die von Ihren Eltern, oft wird nur von den Müttern berichtet, dort abgelegt werden können, wenn diese das Kind nicht bei sich behalten wollen und, aus welchem Grund auch immer unerkannt bleiben wollen.

Wozu soll diese Einrichtung dienen? Schon im Mittelalter gab es in manchen Klöstern so etwas wie eine Babyklappe, um das Töten von Neugeborenen zu verhindern. Damals waren Kinder kostbar, denn viele starben sowieso und die Kirche nahm sie auf, um die Sünde des Kindsmordes zu verringern. Die Frauen waren ohne Verhütungsmöglichkeit und ein uneheliches Kind war der soziale Ruin so mancher Familie.

Heute kaum noch vorstellbar? Ja, kaum. Aber Frauen in Not gibt es auch heute. Seelische Nöte sterben nicht aus. Deswegen gab es eine zweite Idee, den Frauen und vor allem den Kindern zu helfen. Die anonyme Geburt.

Die Babyklappe sichert die Anonymität, hilft aber den Frauen nicht sicher zu entbinden und gleichzeitig der Situation anonym zu entkommen. Die anonyme Geburt kann in Ambulanzen und Räumen im Krankenhaus stattfinden. Die Frauen haben die Gelegenheit, unerkannt ihre Kinder, lebend in fremde Hände zu geben. Sie müssen sie nicht aussetzen und in Gefahr bringen oder gar töten. Soweit das Pro dieser Einrichtungen.

Auf der Tagung begegnete ich Gegenstimmen, die Babyklappen durch die Augen der betroffenen, inzwischen erwachsenen, Kinder sehen und an ihrem Sinn zweifeln.

Argumente die dagegen sprechen wurden von betroffenen Menschen und ihren Helfern vorgestellt.

Ein wichtiges Argument und gleichzeitig das erschreckendste war die Tatsache, dass bei der anonymen Geburt selten klar wird, ob die Mutter das Kind wirklich freiwillig weggibt. Da werden Szenarien beschrieben, wie ein Familienklan, der eine schwangere zur Geburt führt, die ganze Zeit nicht eine Sekunde aus den Augen lässt und sofort nach der Entbindung mit der jungen Mutter die Klinik verlässt, natürlich ohne Kind. Die Frau hatte nicht eine Gelegenheit sich gegenüber dem Klinikpersonal zu äußern, hatte also auch kein Wort gesagt.

Mit gutem Willen könnte man dies als Fürsorglichkeit der Familie interpretieren, aber eine so fürsorgliche Familie wird sicher auch mit einem Kind fertig, welches ungeplant hineingeboren wird. Es gibt Prostituierte, die von Zuhältern gebracht und bewacht werden und andere Unvorstellbarkeiten mehr.

Die Babyklappe ist noch anonymer, man weiß nicht wer das Kind hinein gelegt hat, ob es die Mutter aus eigenem Entschluss tat oder unter Druck.

Die befragten, betroffenen Kinder, die sich zu dem Thema geäußert haben, waren wohl alle gegen diese Praktiken. Denn eines ist sicher, durch die erzwungene Anonymität der Kinder können sie das Recht ihre Herkunft zu kennen nicht durchsetzen. Viele berichten von sich und den traumatischen Folgen dieser Wurzellosigkeit.

Viele sind trotzdem auf der Suche nach ihren Eltern, ein Leben lang. Auch ihre Namen wurden von Fremden und vor allem zufälligen Personen ausgesucht oder einfach nach einem System vergeben. Das wirkt sich sehr kränkend auf Menschen aus.

Die Gegner der anonymen Geburt und der Babyklappe, setzen sich für das Recht auf die eigenen Wurzeln ein. Ein Argument für die Gegner ist außerdem, dass es wohl die erwarteten Rückgänge von Kindstötungen nicht gibt.

Eine Untersuchung der Fachstelle Kinderschutz im Land Brandenburg, die Fälle von Kindstötungen zwischen 2000 und 2005 untersucht hat, kam zum Ergebnis, dass der weit überwiegende Teil der Tötungen, gerade bei Neugeborenen, die immerhin ein Drittel der Fälle ausmachten,  Affekthandlungen waren.

Neben diesen Umständen führen die Gegner ins Feld, dass keine flächendeckende Versorgung mit Babyklappen zu realisieren ist.  So gibt es in Sachsen – Anhalt gerade mal drei Babyklappen: in Halle, Dessau und in Magdeburg.

Die Befürworter erwidern hierauf, dass es nicht auf die Zahl der geretteten Kinder ankäme, sondern eine Klappe auch dann schon gerechtfertigt sei, wenn hierdurch nur ein Kind gerettet würde

So stehen sich zwei hochbrisante Meinungen gegenüber. Wie denken sie darüber? Schreiben sie doch einmal ihre Meinung zu dem Thema! Wir veröffentlichen gerne Leserbriefe.