Von der Qualifizierung von Pflegeeltern zur Qualifizierung für das Pflegekinderwesen

Für eine erfolgreiche Arbeit im Pflegekinderwesen reicht es nicht mehr aus, Pflegeeltern zu qualifizieren. Vielmehr geht es künftig verstärkt darum, durch Stärkung von Vereinen und Qualifizierung des Umfeldes die Rahmenbedingungen, unter denen Pflegeeltern ihre verantwortungsvolle Aufgabe wahrnehmen, zu verbessern.
Das Pflegekinderwesen und Pflegeeltern sind zunehmend hohen Anforderungen ausgesetzt, da die Kinder, die in Pflegefamilien untergebracht werden, in ihren ersten Lebensjahren vermehrt verwirrende, oft auch traumatische Erfahrungen in der Herkunftsfamilie machen mussten1.  Um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, werden in der Literatur Qualitätsstandards für das Pflegekinderwesen2 , empirische Forschung3  und moderne Organisationsstrukturen4  gefordert. Ein Baustein der angemahnten Modernisierung des Pflegekinderwesens ist eine veränderte Qualifizierung, die das Pflegekinderwesen aus seiner  selbstbezogenen Nische5  herausholt und den Anschluss an sozialpädagogische Debatten vollzieht.

Auf Grund der gestiegenen Anforderungen an das Pflegekinderwesen genügt es heute nicht mehr, Pflegeeltern zu qualifizieren, vielmehr geht es darum, das Pflegekinderwesen als System durch gezielte Fortbildungs- und Beratungsangebote zu qualifizieren. Zu einer solchen Qualifizierung gehören:

  • bedarfsorientierte Qualifizierung von Pflegeeltern durch Vorbereitung, Fortbildung, Beratung und Information,
  • Qualifizierung von Pflegeeltern zur Selbsthilfe und Selbstorganisation durch Beratung
  • Qualifizierung des Umfeldes durch Fortbildung und Information.

Diese Aufgaben, die von ihrem Umfang her nicht von den Jugendämtern wahrgenommen werden können, werden in Sachsen- Anhalt durch das vom Sozialministerium geförderte Fachzentrum für Pflegefamilien Sachsen- Anhalt erfüllt, das aus der früheren Pflegeelternschule hervorgegangen ist.

Der Prozeß des Wandels von der Pflegeelternschule zum Fachzentrum als Dienstleister für das Pflegekinderwesen wurde 2005 durch einen intensiven Dialog mit Pflegeelternvereinen, Jugendämtern und Ministerium gestaltet. Erwartungen an das Fachzentrum wurden durch eine strukturierte Umfrage bei den Partnern geklärt.

Pflegeeltern erwarten das Fachzentrum als fachlich kompetenten Ansprechpartner außerhalb der Loyalitätsstrukturen des Jugendamtes, auf das sie als Fortbildungs- und Beratungsinstitution zurückgreifen können. In der Beratung erwarten sie Verständnis für die besondere Situation von Pflegefamilien. Sie wünschen sich eine starke Präsenz des Fachzentrums in den Vereinen sowie Hilfe und Unterstützung in Krisen.

Jugendämter wünschen sich das Fachzentrum als kompetenten Partner, der sie bei ihrer Arbeit mit den Pflegeeltern durch Seminar- und Beratungsangebote entlastet. Darüber hinaus wünschen sie sich Supervision durch das Fachzentrum und Beratung bei schwierigen Fällen sowie Hilfe für Pflegefamilien in Krisensituationen.

Im folgenden soll die aktuelle Praxis des Fachzentrums als Beitrag zur Qualifizierung des Pflegekinderwesens dargestellt und ein Ausblick auf nächste Schritte gegeben werden.

1. Qualifzierung von Pflegeeltern – Fortbildung, Beratung und Information

Damit Pflegeeltern ihrer verantwortungsvollen Aufgabe gerecht werden und ihre Rolle im Pflegekinderwesen fachlich kompetent ausfüllen können, benötigen sie von Beginn an Unterstützung durch unterschiedliche Qualifizierungsmaßnahmen6.

1.1. Vorbereitung

Von Pflegeeltern wird unter anderem Einfühlung in das Kind, Fähigkeit zur Reflektion eigenen Handelns und ein Bewusstsein über die eigenen Motive und Ziele bei der Aufnahme des Pflegekindes erwartet7.  Diesen Anforderungen muss eine qualifizierte Vorbereitung von Pflegeeltern gerecht werden.

In den Vorbereitungsseminaren, die das Fachzentrum in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Pflege- und Adoptiveltern durchführt, wird das pädagogische, psychologische und rechtliche Grundwissen vermittelt, das Pflegeeltern für ihre Aufgabe benötigen. Diese Aufgabe wird von einem Mitarbeiter des Fachzentrums gemeinsam mit einer erfahrenen Pflegemutter wahrgenommen, die Fallbeispiele aus dem eigenen Erfahrungsschatz beisteuert. Gerade die praxisbezogene Einbeziehung erfahrener Pflegeeltern wird von den Bewerbern als positiv erlebt, da die Beispiele die Auswirkungen der Aufnahme eines Pflegekindes in die Familie veranschaulichen.

Neben der Wissensvermittlung beinhaltet das Vorbereitungsseminar auch Fallbeispiele, an denen die Bewerber arbeiten, so dass das gemeinsame Reflektieren pädagogischen Handelns geübt und das erworbene Wissen unmittelbar auf Fälle angewendet werden kann.

Ergänzt wird dies durch Gruppenarbeiten, in denen die Bewerber sich und ihre Haltungen reflektieren. Eine vertiefte Reflektion der eigenen Familie findet in den Hausaufgaben statt, die die Bewerber zwischen den einzelnen Seminarmodulen erledigen. Gute Erfahrungen im Bezug auf die Reflektion in der eigenen Familie wurden mit Veranstaltungen für Kinder gemacht, in denen diese ihre Vorstellungen, Befürchtungen und Hoffnungen äußern können.

Für die Mitarbeiter der Pflegekinderdienste ist es von Vorteil, dass das Seminar vom Fachzentrum gestaltet wird, da sie sich im Seminar darauf konzentrieren können, einen vertieften Eindruck von den Bewerbern zu gewinnen.
1.2. Fortbildung

Für eine umfassende Qualifizierung von Pflegeeltern reicht die Vorbereitung allein nicht aus. Da der Zeitrahmen der Vorbereitung relativ eng ist und den Teilnehmern zudem die eigene Praxiserfahrung fehlt können wichtige Themen nur kurz angerissen werden.

Hier hat sich die kontinuierliche Fortbildung durch regelmäßige Abend- und Tagesseminare bewährt, in denen die Eltern ihr Wissen vertiefen und ihr Handeln gemeinsam reflektieren können. Regelmässige Fortbildung führt dazu, dass die Pflegeeltern ein höheres Fachwissen haben, was sich in einer engagierteren Beteiligung in Fachdiskussionen im Rahmen des Hilfeprozesses zeigt8.  Sehr erfahrene Pflegeeltern, die an einer Vielzahl von Fortbildungen teilgenommen haben, benötigen statt Fortbildungen eher Angebote in Form von Fallberatung und Supervision, da ihr Fortbildungsbedarf weitgehend gedeckt ist.

Neben den allgemeinen Fortbildungsangeboten bietet das Fachzentrum besondere Qualifizierungsreihen für Pflegeeltern an. Hierzu gehören einerseits Angebote für Bereitschaftspflegeeltern, andererseits ein Qualifizierungskurs für sozialpädagogische Pflegestellen, der geschaffen wurde um den immensen Bedarf an Pflegestellen für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder zu decken.

Im Rahmen dieses Kurses, der sieben Tagesseminare beinhaltet, arbeitet eine feste Gruppen von Pflegeeltern über ein Jahr an einer Auswahl von Themen. Der Kurs beinhaltet neben der Vermittlung fachlich vertieften Wissens einen großen Selbsterfahrungsanteil. Abgeschlossen wird der Kurs durch ein Kolloquium. Jeder Teilnehmer fertigt hierfür eine schriftliche Arbeit an, die im Plenum vorgestellt und besprochen wird9.
1.3. Beratung

Das Fachzentrum für Pflegefamilien steht den Akteuren im Pflegekinderwesen in verschiedener Form als Beratungsinstitution zur Verfügung.

So führt es im Auftrag des Landes die Qualitätsdebatte fort. die 2004 mit der Veröffentlichung des Handbuches für das Pflegekinderwesen Sachsen- Anhalts eine Zwischenbilanz erfahren hat. Seinerzeit wurde in einer Veranstaltungsreihe mit Mitarbeitern von Jugendämtern und Pflegeeltern ein intensiver Dialog über die Qualität im Pflegekinderwesen geführt, dessen Ergebnisse und Empfehlungen für die Praxis dokumentiert wurden. Das Fachzentrum führt den Dialog durch Fachveranstaltungen, die dem Austausch der Akteure des Pflegekinderwesens dienen, fort. Darüber hinaus steht es für die Entwicklung besonderer Konzepte beratend zur Verfügung.

Viele Pflegeeltern haben einen Bedarf an Supervision. Diese wird als Gruppen – oder Einzelsupervision stark nachgefragt. Oft wird Supervision aber erst in Anspruch genommen, wenn Pflegefamilien in eine Krise geraten. Eine kontinuierliche Supervision von Pflegeeltern in angemessenen Gruppen wäre hilfreicher. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass sich nicht alle Pflegeeltern unmittelbar auf Supervision einlassen können. Oft sind hier zunächst Vorarbeiten zu leisten, um die Pflegeeltern an Supervision heran zu führen.

Neben den Pflegeeltern haben auch Pflegekinderdienste um Supervision durch das Fachzentrum gebeten. Im Vordergrund stand bei diesem Wunsch die Möglichkeit, eigenes fachliches Handeln mit anderen Mitarbeitern aus Pflegekinderdiensten reflektieren zu können, da die Mitarbeiter sich im Jugendamt als Spezialdienst oft in einer Sonderrolle sehen.

Das Fachzentrum für Pflegefamilien bietet bei Konflikten zwischen Herkunftseltern und Pflegefamilie, beziehungsweise zwischen Pflegefamilie und Jugendamt Mediation als Mittel der Konfliktlösung an.
1.4. Information

Um die Akteure im Pflegekinderwesen Sachsen- Anhalts in ihrer Arbeit fachlich zu unterstützen, bietet das Fachzentrum verschiedene Informationsmedien an:
· Homepage mit monatlich wechselndem Fachthema, Nachrichten über aktuelle Entwicklungen, Rechtssprechungsdatenbank, Chat und Foren
· Newsletter als vierteljährliche kostenfreie Zeitung für alle Pflegeeltern und Pflegekinderdienste Sachsen- Anhalts
· Fachbrief als kostenfreie Sammlung von interessanten Fachartikeln, der drei mal jährlich an alle Vereine und Pflegekinderdienste versandt wird.

2. Qualifizierung zur Selbsthilfe – Unterstützung von Pflegeelternvereinen

Pflegeeltern benötigen Vereine als Forum für den Austausch untereinander, zur Organisation von Veranstaltungen und als Interessenvertretung auf kommunaler Ebene10.  In Sachsen- Anhalt gibt es zur Zeit 18 Pflegeelternvereine. Da die Vereinsarbeit hohe Anforderungen an die Pflegeeltern stellt, steht das Fachzentrum den Vereinen beratend zur Seite.

Die Beratung von Pflegeelterngruppen und -vereinen ist vielschichtig. Sie beginnt bereits mit der „Anstiftung zur Selbstorganisation“, in dem Pflegeeltern aufgezeigt wird, welche Chancen die Gründung eines Vereins bringt. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass es nicht hilfreich ist, Pflegeeltern zur Gründung einer Gruppe zu überreden. Initiativen von Jugendämtern, Pflegeelternvereine zu gründen, sind in der Regel mittelfristig erfolglos, wenn der Verein nicht von den Eltern getragen wird.

Oft haben Pflegeeltern Interesse an einer Vereinsgründung, schrecken jedoch vor dem damit verbundenen Aufwand zurück. Das Fachzentrum unterstützt Gründungsprozesse durch Moderation und administrative Unterstützung.

Darüber hinaus benötigen Vereine in unterschiedlichem Maß Unterstützung durch Beratung. Dies hängt im wesentlichen vom Alter des Vereins, den bereits existierenden Strukturen und den vorhandenen Erfahrungen der Vereinsmitglieder ab. Das Fachzentrum berät Vereine in allen Fragen der Vereinsführung und der Öffentlichkeitsarbeit und steht für Fallberatungen zur Verfügung. Es moderiert das regelmäßige Treffen der Vereinsvorsitzenden, die dieses Forum als Ort für den Erfahrungsaustausch nutzen.

Seit 2005 verwaltet das Fachzentrum die Finanzen, mit denen das Land Sachsen- Anhalt Vereinsprojekte unterstützt, die der Weiterentwicklung der Qualität des Pflegekinderwesens vor Ort dienen. Es berät die Vereine bei der Antragstellung und entscheidet über die Verteilung der Mittel.

Durch die Verknüpfung von Beratung einerseits und finanzieller Unterstützung andererseits haben Pflegeelternvereine in Sachsen- Anhalt relativ gute Rahmenbedingungen für eine qualifizierte Arbeit, die der Qualität des Pflegekinderwesens insgesamt zu Gute kommt.

3. Qualifizierung des Umfeldes – Aufklärung und Schaffung von Netzwerken

Immer wieder stellt man in der Praxis fest, das Pflegeeltern mit fachlich gut begründetem Handeln in ihrem Umfeld an Grenzen stoßen. Für ein qualifiziertes Pflegekinderwesen, dass das Wohl der Pflegekinder im Auge behält, ist es deshalb wichtig, dass nicht nur die Pflegeeltern selbst, sondern auch Berufsgruppen, die mit Pflegekindern und Pflegefamilien kooperieren, fachlich für diese Arbeit qualifiziert werden.

3.1. Fortbildungen für Lehrer

Nicht immer gelingt die Zusammenarbeit zwischen Schule und Pflegeeltern so reibungslos, wie dies wünschenswert wäre. Dabei sind zwei Hauptkonfliktfelder auszumachen.

Schule ist von ihrem Selbstverständnis – und vom Selbstverständnis der agierenden Lehrer – Bildungsträger. Das kognitive Lernen, der Wissenserwerb, steht für die Akteure im Vordergrund ihres Handelns und ist Gradmesser für ihren Erfolg. Für Pflegeeltern sind Bildungserfolge der ihnen anvertrauten Kinder oft von geringerer Priorität, da die Integration des Kindes in die Pflegefamilie für sie im Vordergrund steht. Schule und Pflegeeltern verfolgen also zum Teil unterschiedliche Ziele. Zu gelingender Kooperation kann es nur kommen, wenn die Ziele des jeweils anderen dabei respektiert und anerkannt werden und das Kind mit seinen Bedürfnissen nicht aus den Augen verloren wird.

Ein weiteres Problem sind die oft schwierigen Verhaltensweisen von Pflegekindern. Auf Grund ihrer oft schlimmen Vorerfahrungen kommt es bei Pflegekindern nicht selten zu Verhaltensauffälligkeiten, die im Schulalltag von Lehrern oder Mitschülern als störend empfunden werden.

Fortbildung für Lehrer kann dabei helfen, die besondere Situation von Pflegekindern insbesondere im Hinblick auf Folgen von traumatischen Erfahrungen und Bindungsstörungen zu verstehen. Darüber hinaus ist es für Lehrer auch wichtig, das besondere Setting der Pflegefamilie und den von ihr erhofften therapeutischen Wert11  zu kennen. Fortbildung für Lehrer kann so zu einer gelingenden Zusammenarbeit von Schule und Pflegefamilie und zu einer besseren Akzeptanz der Pflegefamilie beitragen.
3.2. Fortbildungen für Erzieher

Auch in Kita und Hort werden Pflegekinder auf Grund von Verhaltensauffälligkeiten oft als Belastung für die Gruppe erlebt. Hier haben Fortbildungen und Präsenz in Dienstberatungen bei einigen Kitas zu einem größeren Verständnis der Erzieherinnen für die Lebenslage von Pflegekindern und Pflegeeltern geführt.
3.3. Fortbildung für Fachanwälte für Familienrecht

Pflegefamilien benötigen in ihrem Engagement für die Pflegekinder nicht nur Begleitung und Beratung in pädagogischen und psychologischen Fragen, sondern nicht selten auch Rechtsberatung. Sei es, dass es um den Verbleib des Kindes in der Pflegefamilie oder um Fragen des Umgangs- oder des Jugendhilferechtes geht. Rechtsberatung ist in Deutschland Anwälten vorbehalten. Die wenigsten Fachanwälte für Familienrecht haben jedoch Erfahrungen im Pflegekinderwesen, da ihr Alltag im wesentlichen aus Fällen von Trennung und Scheidung besteht (dies trifft im übrigen auch auf die meisten Familienrichter zu).

Um eine qualifizierte Rechtsberatung von Pflegeeltern in Sachsen- Anhalt zu sichern wurde Fachanwälten für Familienrecht ein Seminar zu den Besonderheiten des Pflegekinderwesens angeboten. Den Juristen wurden die Grundzüge der für das Pflegekinderwesen relevanten Teile des Familien- und des Jugendhilferechts vermittelt. Darüber hinaus wurde den Anwälten aber auch die besondere familiäre Situation von Pflegefamilien und Pflegekindern nahe gebracht, so dass sie Verständnis für spezielle Problemlagen von Pflegefamilien entwickeln konnten.

Die Fortbildung wurde von den Anwälten gut angenommen, sie zeigten sich den Problemen von Pflegefamilien gegenüber ausgesprochen offen und interessiert, eine weitere Kooperation wurde von den Juristen ausdrücklich gewünscht. Ausdrücklich wurde geäußert, dass das Seminar nicht nur für die Beratung von Pflegefamilien hilfreich gewesen sei, sondern auch wichtige Erkenntnisse für die rechtliche Beratung von Herkunftsfamilien, mit denen sie bisher überwiegend befasst waren, gebracht habe.

4. Ausblick

Für die umfassende Qualifzierung des Pflegekinderwesens sind weitere Schritte nötig, die hier von denen einige hier skizziert werden sollen:

Für viele Pflegefamilien ist die Hilfe in Krisen in der Pflegefamilien nach wie vor unbefriedigend. Oft fühlen sich Pflegeeltern gerade dann allein gelassen, wenn es in der Familie brennt. Hier bedarf es konzeptioneller Ansätze, für eine schnelle und effektive Hilfe in Krisensituationen. Zur Zeit wird ein Konzept für Aufsuchende Familientherapie in Pflegefamilien erarbeitet, das im nächsten Jahr getestet werden soll. Nach der Probephase sollen Familientherapeuten im Land gefunden werden, die bereit sind, in einem Netzwerk von Therapeuten mitzuarbeiten, so dass das Angebot flächendeckend vorgehalten werden kann.

Im Bereich der Qualifizierung von Fachkräften stehen wir gerade erst am Anfang. Etliche Berufsgruppen, die mit Pflegekindern befasst sind, wie bspw. Vormünder, Richter und ein Großteil der Erzieher konnten noch nicht erreicht werden. Bei diesen gilt es weiter für die besonderen Belange des Pflegekinderwesens zu werben.

Auch die Befähigung von Pflegeeltern, durch die Übernahme von Vormundschaften mehr Verantwortung für die ihnen anvertrauten Pflegekinder übernehmen zu können, ist ein notwendiger Qualifzierungsschritt.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit wird die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen sein. Wie Köckeritz12  zu Recht anmerkt, fehlen dem Pflegekinderwesen empirische Forschungsergebnisse. Hier kann das Fachzentrum der Wissenschaft helfen, den Kontakt zur Praxis zu knüpfen und andererseits Ergebnisse der Forschung schnell in die Praxis zu transferieren.

Diese kleine Auswahl zeigt das große Potential an Entwicklungsschritten zur Qualifzierung des Pflegekinderwesens in Sachsen- Anhalt, die das Fachzentrum gemeinsam mit den Partnern in Jugendämtern, Vereinen und Ministerium gehen kann.
Volker Henneicke
Fachzentrum für Pflegefamilien Sachsen- Anhalt

 

Quellen:

1  Blandow, Jürgen; Pflegekinder und ihre Familien, Juventa Verlag Weinheim/ München, 2004, S. 197
2  Struzyna, Karl- Heinz; Qualität und Kindesschutz in Familienpflege, Zentralblatt für Jugendrecht, 3/05, S. 107
3  Köckeritz, Christine; Vollzeitpflege zwischen Ideologie und Realität, Zentralblatt für Jugendrecht, 12/05, S. 466
4  Blandow, Jürgen; ebd. S. 202 ff
5  Wolf, Klaus, Modernisierung des Pflegekinderwesens, Zeitschrift für Kindschaftsrecht und Jugendhilfe, 9/06, S. 396
6  Start gGmbH (Hrsg.); Handbuch für das Pflegekinderwesen Sachsen- Anhalt, 2004, S. 127
7  Start gGmbH (Hrsg.); ebd. S. 73 ff
8  Ergebnis der Umfrage des FZP bei den Jugendämtern 2005, unveröffentlicht
9 Die Dokumentation der Arbeiten des letzten Kurses finden Sie unter www.pflegefamilienzentrum.org
10  Brandt, Ingrid; Was eine Pflegeelterngruppe alles leisten kann; Blickpunkt Pflegekinder; 3/ 06; S. 13 ff
11  Malter, Christoph; Zur therapeutischen Wirksamkeit von Pflegefamilien; www.agsp.de
12  Köckeritz, Christine; Vollzeitpflege zwischen Ideologie und Realität, Zentralblatt für Jugendrecht, 12/05, S. 466

Der Artikel ist erschienen in der Zeitschrift „Jugendhilfe“, Ausgabe 3/06