Gemeinsam vorbereiten – Zur Einbeziehung mehrer Beteiligter in Vorbereitungsseminare

Jutta Volkhammer vom Landesverband der Pflege- und Adoptiveltern Sachsen – Anhalt und Volker Henneicke stellen das Konzept zur gemeinsamen Vorbereitung von Pflegeeltern unter Beteiligung von Fachkräften, Pflegeeltern und Jugendämtern vor.

Seit 2004 führen der Landesverband für Pflege- und Adoptiveltern Sachsen – Anhalt und das Fachzentrum für Pflegefamilien Sachsen – Anhalt gemeinsame Vorbereitungsseminare für Pflegeeltern durch.

Ziel der Seminare ist es, den Bewerbern pädagogische, psychologische und rechtliche Grundkenntnisse zu vermitteln und sie darüber hinaus zur Reflektion anzuregen, ob sie ein Pflegekind aufnehmen möchten und in welchem Rahmen dies für die Familie realisierbar ist.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, methodisch variabel zu arbeiten, was bedeutet, das Vortragsformen mit Arbeitseinheiten, in denen die Bewerber Themen selbst erarbeiten abwechseln. Ergänzt wird diese Arbeit durch Gruppenarbeiten und Hausaufgaben, die der Reflektion des familiären Alltags dienen.

Bei der Durchführung der Seminare hat es sich bewährt, dass diese von einem Mitarbeiter/ einer Mitarbeiterin des Fachzentrums, einer erfahrenen Pflegemutter / einem erfahrenem Pflegevater und einer Fachkraft des Jugendamtes geleitet werden, wobei den Akteuren unterschiedliche Aufgaben zukommen:

Die Mitarbeiterin / der Mitarbeiter des Fachzentrums leitet durch das Seminar, schildert die fachlichen Hintergründe und leitet die Arbeitseinheiten an. Die erfahrenen Pflegeeltern ergänzen dies mit ihrem Fachwissen aus der jahrelangen Praxis, was den Vorteil hat, dass die Beiträge einen engen Bezug zum Alltag in der Pflegefamilie erhalten. Niemand kann so authentisch schildern, wie es Pflegefamilien in bestimmten Situationen geht, als eben die erfahrenen Pflegeeltern selbst. Die Ausführungen der Pflegeeltern sprechen insbesondere solche Bewerber an, die eher an praktischen Beispielen und Erfahrungen lernen. Die Beispiele sorgen auch dafür, dass die fachlichen Inhalte nicht als „bloße Theorie“ abgetan werden.

Sinnvoll ist darüber hinaus die Einbeziehung des Jugendamtes. Die Kolleginnen und Kollegen aus den Jugendämtern ergänzen die Seminarinhalte jeweils mit örtlich spezifischen Verfahrensweisen. Dadurch, dass sie das Seminar nicht selber leiten, erhalten sie die Gelegenheit, die Bewerber aus einer beobachtenden Position näher kennen zu lernen und profitieren dabei auch von gruppendynamischen Prozessen, was bei der Kürze des Auswahlverfahrens wertvolle Einsichten liefert.

In der Praxis hat sich die gemeinsame Arbeit bewährt. Bewerber benötigen vor dem Schritt ins Pflegeelterndasein alle drei Bausteine: fachliche Aufklärung und Anleitung zur Reflektion, Praxisbeispiele zur Veranschaulichung und Kenntnisse über lokale Verfahrensweisen, um für die Herausforderung Pflegekind gut gerüstet zu sein.