Wie werden Eltern Pflegeeltern?

In diesem Artikel erhalten Pflegeelterninteressenten einführende Informationen zum Bewerbungsverfahren für Pflegeeltern.

Pflegeeltern sind Eltern die nicht leibliche Kinder als zu pflegende Kinder in ihren Haushalt aufnehmen. Es gibt in der Bundesrepublik Deutschland verschiedene Möglichkeiten für Eltern Pflegeeltern zu werden.

  • Zum einen können sie verwandte Kinder bis zum dritten Verwandtschaftsgrad (Neffen, Enkel) aufnehmen. Diese Pflegeverhältnisse werden Verwandtenpflege genannt und bedürfen seitens des Staates in Form des Jugendamtes keine Pflegeerlaubnis.
  • Zum Zweiten können Eltern fremde Kinder für längere Zeit aufnehmen, wenn die Personensorgeberechtigten dem zustimmen und das Jugendamt eine Pflegeerlaubnis erteilt hat. Diese Form ist keine Adoption.
  • Kinder im Rahmen einer Hilfe zur Erziehung in einer fremden Familie zu betreuen ist die dritte Form. Hier handeln die Pflegeeltern im Auftrag des Jugendamtes und der abgebenden Eltern. Die Pflegeeltern übernehmen quasi die vom Staat als notwendig betrachtete Erziehung von Kindern außerhalb der leiblichen Familie. Diese Form von Familienpflege wird als Vollzeitpflege im § 33 KJHG beschrieben und unterliegt bestimmten Anforderungen des Jugendamtes.

Diese dritte Form von Familienpflege bedarf bestimmter Voraussetzungen seitens des Jugendamtes und wird im weiteren hier beschrieben.

In Sachsen-Anhalt werden Pflegekinder in, durch das Jugendamt bestätigte, Pflegefamilien vermittelt. Pflegefamilien durchlaufen in der Regel ein Bewerberverfahren, in welchem die pädagogischen-erzieherischen, psychischen und ökonomischen Voraussetzungen der sich bewerbenden Familie überprüft werden.

Sind Eltern als Pflegeeltern bestätigt, so kann ihnen das Jugendamt Pflegekinder vermitteln. Der Prozess der Vermittlung kann im Einzelfall sehr unterschiedlich sein, was die Zeitdauer und den konkreten Verlauf der Vermittlung anbelangt. Bei einer Vermittlung stehen die individuellen Bedürfnisse des zu vermittelnden Kindes im Mittelpunkt. Was heißt, es wird für ein Kind eine passende Familie gesucht.

Inhalt dieses Textes:

Ein Bewerberverfahren besteht aus verschiedenen Schritten. Die einzelnen Jugendämter gehen dabei, was die Reihenfolge der Schritte und ihre konkrete Ausformung betrifft, ein wenig unterschiedlich vor. Im Allgemeinen sieht ein Bewerberverfahren folgendermaßen aus:

  • formloser Antrag der Eltern beim Jugendamt
  • Erstgespräch mit einer MitarbeiterIn des Pflegekinderdienstes im Jugendamt, zur Klärung des Anliegens und zum Verlauf der Bewerbung.
  • Weitergabe von grundlegenden Informationen. (Was machen Pflegeeltern, Wie werden Sie ausgewählt? Welche Kinder sind Pflegekinder? u.ä.)
  • Ausfüllen eines umfangreichen Bewerberfragebogens.
  • Gespräch mit einer MitarbeiterIn des Pflegekinderdienstes darüber.
  • Hausbesuch durch die MitarbeiterIn des Pflegekinderdienstes.
  • Teilnahme an einem Vorbereitungsseminar für PflegeelternbewerberInnen.
  • ein weiterer Hausbesuch. Besprechung der Seminarinhalte
  • Abschlussgespräch mit der Zusage oder einer Ablehnung.

Pflegeeltern haben seitens des Jugendamtes vor, während und auch nach einem Pflegeverhältnis das Recht auf Beratung und Unterstützung . Pflegeelternbewerber können somit auch vor dem Beginn eines Pflegeverhältnisses sich über ihre Fragen und persönlichen Belange beraten lassen. Wichtig kann dies der Zeit des „Wartens“ auf ein Pflegekind sein. In vielen Kommunen Sachsen-Anhalts haben sich Pflegeelternvereine gegründet, die auch für zukünftige Pflegeeltern als weiterer Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Was sind grundsätzliche Voraussetzungen? Grundsätzlich können alle Familien, aber auch Alleinerziehende oder homosexuelle Lebenspartnerschaften Pflegekinder aufnehmen. Es muss gewährleistet sein, dass den Pflegekindern sichere Bezugspersonen zur Verfügung stehen. Die Pflegeeltern müssen ausreichend Zeit für die Betreuung eines Pflegekindes haben und ihre Motivation muss dem Jugendamt geeignet erscheinen.

Welche Motive haben Pflegeeltern?

Die Motivation stellt eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen eines Pflegeverhältnisses dar. Sie beeinflusst die Art des Umgangs mit dem Pflegekind, mit der Herkunftsfamilie und die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. Sie bestimmt darüber hinaus die Erwartungen an das Pflegekind. Als besonders tragfähige Motivationen können folgende betrachtet werden:

  • Soziales Engagement für benachteiligte Kinder und Jugendliche und die Freude auch an kleinen Fortschritten.
  • Der öffentlichen Erziehung eine stabile, intakte Familie zur Verfügung zu stellen.
  • Eigene Erfahrungen als Pflegekind oder leibliches Kind einer Pflegefamilie und die Energie, die positiven Erfahrungen weiterzugeben.
  • Sich bewusst darüber sein, dass Pflegekinder zunächst oft Kinder auf Zeit sind, mit einer eigenen Biografie und einer eigenen Familie. – Sich von den positiven wie auch negativen Erfahrungen Verwandter, Freunde oder Bekannter mit Pflegekindern nicht „abschrecken“ zu lassen und genügend eigene Ressourcen zur Erziehung und Betreuung „fremder“ Kinder haben.

Warum werden PflegeelternbewerberInnen anhand von Eignungskriterien überprüft?

Der Pflegekinderdienst erhält durch die Gespräche, die Hausbesuche und den Bewerberfragebogen individuelle familienbezogene Aussagen, die im Vermittlungsprozess von Pflegekindern Bedeutsam sind. Es muss für ein Kind die „richtige“ Pflegefamilie gefunden werden. Eine individuelle Prüfung von PflegeelternberweberInnen sichert darüber hinaus deren Ressourcen und Möglichkeiten für unterschiedliche Pflegeformen zu erkennen. Die MitarbeiterInnen des Pflegekinderdienstes versuchen sich von der Familie und ihrem Beziehungs- und Erziehungsverhalten ein Bild zu machen.

Welche Kriterien und welche Bedingungen werden in den Gesprächen und im Bewerberfragebogen betrachtet?

Die Auflistung von Kriterien und Bedingungen ist nicht ganz einfach, da die einzelnen Kommunen unterschiedliche Schwerpunkte haben können. Diese Auflistung ist daher eher beispielhaft.

  • Wohnverhältnisse (Größe der Wohung, Anzahl der Zimmer, Umfeld
  • Das Alter der Pflegeeltern und anderer im Haushalt lebender Personen
  • Erziehungsverhalten
  • Erziehungserfahrungen
  • Informationen zur Familiensituation und Lebensplanung (Familienstruktur, Partnerschaft, Berufliche Einbindung)
  • Belastbarkeit und Konfliktfähigkeit von Pflegepersonen
  • Einstellung zur Elternschaft auf Zeit
  • Betrachtung von Religion, Nationalität und Kultur
  • Sichtweisen auf andere sozialen Schichten und Lebensformen
  • Benennung familiärer und persönliche Bedürfnisse
  • Körperliche und psychische Gesundheit der Pflegepersonen
  • Möglichkeit eigenes Handel zu reflektieren
  • Bereitschaft zur Teilnahme an Fortbildungen für Pflegeeltern
  • Angaben zu Mobilität und Flexibilität
  • Zusammenarbeit mit dem Jugendamt

Was müssen Pflegeeltern noch beibringen?

  • Gesundheitsattest
  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • Einkommensnachweise
  • Für besondere Pflegeformen, Berufsausbildungs- und Arbeitszeugnisse

Mehr zu Eignungskriterien

Was ist ein Vorbereitungsseminar?

In einem Vorbereitungsseminar haben PflegeelternbewerberInnen die Möglichkeit sich über psychologische, pädagogische und rechtliche Erfordernisse eines Pflegeverhältnisses zu informieren und sich mit anderen BewerberInnen auszutauschen, Fragen zu stellen und eigene Sichtweisen darstellen und überdenken.

In den einzelnen Kommunen werden die Vorbereitungsseminare unterschiedlich gestaltet, was die Anzahl von Seminarabenden und die Referenten, anbelangt. Für PflegeelternbewerberInnen ist es hilfreich wenn sie von den Erfahrungen langjähriger Pflegeeltern hören und Rückfragen stellen können. Hier sehen Sie das Programm des Vorbereitungsseminars der Pflegeelternschule in Kurzform.

Reflektion des erworbenen Wissens

Während des gesamten Bewerberverfahrens sollten die Pflegeeltern sich mit ihre Rolle als Pflegeeltern und ihre Sichtweise auf ein mögliches Pflegeverhältnis intensiv beschäftigen und reflektieren. Die Partner sollten sich gegenseitig kritisch befragen. Ein Pflegeverhältnis betrifft immer die gesamte Familie, deshalb müssen die im Haushalt lebenden leiblichen Kinder und andere betreffende Angehörige in den Prozess des Pflegeelternwerdens unbedingt einbezogen werden. Auch sie sollten die Möglichkeit haben eigene Fragen und Bedürfnisse zu klären.

Wie wird ein Pflegekind in eine Pflegefamilie vermittelt?

Zunächst stellen die MitarbeiterInnen im Jugendamt den Hilfebedarf eines betreffenden Kindes und seiner leiblichen Eltern fest. Wenn die Beteiligten, im Idealfall, mit der Unterbringung in einer Pflegefamilie auf Zeit oder auch auf Dauer einverstanden sind, wählt das Jugendamt eine oder mehrere „passende“ Pflegefamilien aus. Danach sollten alle Beteiligten Gelegenheit haben sich gegenseitig kennen zu lernen, sich vorzustellen.

Dieses Kennenlernen verläuft im Einzelfall sehr unterschiedlich. Es ist abhängig vom Alter des Kindes, von der Dringlichkeit der Unterbringung und vom Kooperationsverhalten der Beteiligten.

Es ist wichtig, dass die ersten Kontakte behutsam erfolgen und die Beteiligten die Gelegenheit haben sich aufeinander einzustellen. Während dieses Anbahnungsprozesses sollten alle Beteiligten die Möglichkeit haben sich Zeit für eine Entscheidung lassen zu können und sich über die möglichen Veränderungen in der eigenen Familie beraten zu lassen.

Bei der Vermittlung muss das Kind mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt stehen. Die Eignungskriterien der Pflegefamilie sind dabei ein wichtiges Mittel die Möglichkeiten und Grenzen der Familie einzuschätzen.

Letztlich müssen die Pflegefamilie, in der Regel die Herkunftsfamilie und auch das Kind die Entscheidung tragen können.

Auf der Homepage des Quedlinburger Pflegeelternvereins finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema.