Neurologie: Männer hören nur halb zu

Frauen haben es schon immer gewusst: Männer sind nicht ganz bei der Sache, wenn es ums Zuhören geht. Doch trotz jüngster neurologischer Erkenntnisse – das bleibt vorerst eine Vermutung. Fest steht aber: Männer verarbeiten Gespräche anders. Welche Form des Zuhörens besser ist, darüber urteilt die Wissenschaft nicht.
Diese Ergebnisse basieren auf einer Studie mit je 20 Männern und Frauen, deren Gehirnaktivität mit einem „funktionalen Magnetresonanztomographen“ (fMRT) aufgezeichnet wurde, während sie Passagen aus John Grishams Roman „The Partner“ hörten.

Beim fMRT handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren, das mittels Frequenzunterschieden von Radiowellen in einem Magnetfeld feststellen kann, welche Gehirnareale gerade besonders viel Zucker aufnehmen – also besonders viel Energie verbrauchen.

Bei den meisten Männern konzentrierte sich die Gehirntätigkeit auf den linken Schläfenlappen – eine klassische Region der Sprachverarbeitung. Bei Frauen hingegen waren auch rechtshemisphärische Bereiche aktiviert, die üblicherweise mit Musikverarbeitung und räumlichen Vorstellungen verbunden sind.

Allerdings warnt Lurito vor voreiligen Schlüssen: Im Grunde beweisen die Untersuchungen nur, dass Sprachverarbeitung bei Männern und Frauen verschieden ist; aber eine Beurteilung, welche der Verarbeitungsweisen besser oder schlechter ist, erlaube der Befund nicht. Womöglich konzentrieren sich Männer eher auf das Wesentliche der Mitteilung, während Frauen beim Zuhören mehr Fantasie entwickeln. Ferner ist noch unklar, ob die Unterschiede angeboren sind oder sich erst im Laufe der Erziehung entwickeln.

Wichtiger als derlei Spekulationen sei, so Lurito, die Erkenntnis, dass es keinen einheitlichen Standard bei der Beurteilung neurologischer Abläufe gibt. So sollten bei zukünftigen Hirnoperationen auch geschlechtsspezifische Unterschiede beachtet werden – bei Männern sind womöglich andere Areale bei chirurgischen Eingriffen gefährdet als bei Frauen.