Computerspiele

Was ist der Reiz von Computerspielen für Heranwachsende? Wie kann man den Computer zum Lernen nutzen? Worauf sollten Eltern achten? Diesen Fragen gehen wir in diesem Artikel nach.

 

Der Reiz von Computerspielen für Heranwachsende

Die Faszinationskraft der Computerspiele hält unvermindert an und ist längst nicht mehr auf Kinder und Jugendliche begrenzt. Die Faszination für diese Art der medialen Unterhaltung kann verschiedene Gründe haben:

Computerspiele sind interaktiv
Die Spielerinnen und Spieler können das Geschehen auf dem Bildschirm beeinflussen. Anders als zum Beispiel beim Fernsehen oder bei Hör- und Printmedien haben die Spieler die Chance, den Fortgang des Spiels direkt zu steuern. Zwar kann das auch nur in den vorgegebenen Bahnen des Spieldesigns erfolgen, die Möglichkeit überhaupt aktiv zu werden, wird trotzdem als besonderer Reiz erlebt. Besonders attraktiv ist das vernetzte Spielen, sei es nun auf LAN-Partys oder über das Internet, bei dem mit oder gegen reale Mitspieler agiert wird. Neben einer größeren Variationsbreite an Spielmöglichkeiten eröffnet sich hier die Gelegenheit zum Kontakt mit anderen Spielbegeisterten.

Spielkontrolle als Anreiz
Computerspiele bewirken positive Emotionen, die durch das Erleben der eigenen Leistungsfähigkeit und Kompetenz im Spiel erzeugt werden. Der Begriff „Spielkontrolle“ bringt es auf den Punkt: Der erfolgreiche Spieler erstreitet sich ein „Bleiberecht“ im Spiel, beherrscht die Spielwelt und findet darin Selbstbestätigung und emotionale Befriedigung.

Sogwirkung von Computerspielen
„Der Spielerfolg trägt entscheidend dazu bei, sich dem Spiel längere Zeit zuzuwenden. Intensives Spielen kann dazu führen, dass die Spieler mit dem Spiel verschmelzen und „Flow“-Erlebnisse haben.“ Die Herausforderung, noch diesen einen Level zu bewältigen oder dieses eine Problem zu lösen, lässt die Spieler alles außerhalb der Spielwelt vergessen, die Zeit, „teilweise auch elementare Bedürfnisse wie Essen und Schlaf“. Von weltweit vernetzten Multiplayer-Onlinespielen geht in dieser Hinsicht ein besonderer Reiz aus, denn zu jeder Tages- und Nachtzeit finden sich über die Kontinente verstreute Mitspieler.

Geschlechtsspezifische Unterschiede
Bezüglich der Vorlieben gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede: Mädchen bevorzugen lustige, eher friedliche, comicartige Spiele, bei denen Abenteuer zu bestehen sind. Existenzielle Gefährdungen spielen darin so gut wie keine Rolle. Jungen dagegen fühlen sich mit kampfbetonten, action- und gewalthaltigen Spielen eher gut unterhalten. Bei Mädchen und Jungen gleichermaßen beliebt sind Rennspiele, Aufbausimulationen und Strategiespiele. Das Phänomen, im Spiel alles um sich herum zu vergessen und dessen „Sogwirkung“ zu erliegen, ist vor allem bei männlichen Kindern und Jugendlichen zu beobachten.

Der Computer als Lernort für Heranwachsende

Wenn Eltern ihren Sprösslingen den Umgang mit dem Computer ermöglichen, so hoffen sie meist, dass diese sich frühzeitig Computerwissen erwerben, das Gerät auch darüber hinaus gewinnbringend zur Wissenserweiterung nutzen und für schul- und ausbildungsbezogene Aufgaben einsetzen.

Tatsächlich offeriert der Computer Heranwachsenden Lernmöglichkeiten auf unterschiedlichen Ebenen: Interaktive Medien stellen strukturelle Lernanforderungen und gestatten inhaltliche Lernprozesse.

Strukturelle Lernanforderungen liegen zum Beispiel in der Auseinandersetzung mit dem Medium Computer selbst und seinem Einsatz als Werkzeug. Wenn sich Heranwachsende mit verschiedenen Anwendungsprogrammen beschäftigen, Unterhaltungs- und Spielsoftware eingeschlossen, können sie softwarebezogene Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben – z.B. wie man sich mit der Maus durch ein Menü bewegt – die sie auf andere Programme übertragen können. Ebenfalls auf der Ebene der strukturelle Lernanforderungen sind Aufgaben anzusiedeln, die z.B. eine gute Koordination von Auge und Hand, Reaktionsschnelligkeit oder strategisches Denken erfordern. Solche Lernmöglichkeiten finden sich nicht nur in entsprechenden Trainingsprogrammen, sondern auch in vielen Computerspielen. Selbst wenn der Spielspaß im Vordergrund steht, kann „nebenbei“ etwas gelernt werden.

Um Lerninhalte geht es bei Edutainment- und Lernsoftware. Während reine Computerspiele nicht unbedingt Lernzwecke verfolgen, versuchen sogenannte Edutainmentprogramme nützliches Wissen unterhaltsam zu transportieren. Dieser Weg wird vor allem für jüngere Altersgruppen eingeschlagen. Entsprechende Programme werden ab dem Kindergartenalter angeboten. Darüber hinaus gibt es regelrechte Lernsoftware, die sich auch an Unterrichtsfächer anlehnt.

Dass Lernsoftware von Kindern gern genutzt wird, zeigt ein Blick in die Statistik: 80% der 6- bis 13-jährigen Computernutzer beschäftigen sich zumindest hin und wieder mit Lernsoftware, regelmäßig auf dem Wochenplan stehen solche Anwendungen bei 44%. Gut zwei Drittel der Nutzerinnen und Nutzer widmet sich solchen Programmen gern bzw. sehr gern (KIM 2003). Obenan stehen Programme zu Schulfächern wie Mathematik, Deutsch, Sprachen und Sach- und Erdkunde. 46% der Kinder verwenden den Computer, wenn sie etwas für die Schule tun.

Unter den älteren Heranwachsenden setzt mehr als ein Drittel den Computer täglich oder mehrmals in der Woche ein, um für die Schule zu arbeiten oder um Texte zu schreiben. Die Nutzung von Lernprogrammen ist bei ihnen allerdings nicht so populär. Nur ca. ein Zehntel der 12- bis 19-Jährigen nutzt Lernprogramme täglich oder mehrmals wöchentlich. Allerdings nutzen sie zunehmend komplexere PC-Anwendungen, die ihnen selbstgesteuertes Lernen ermöglichen.

Tips für Eltern

Was ist gute Kinder-Software?Viele Eltern wünschen sich ein Patentrezept: Wieviel Zeit darf mein Kind in welchem Alter vor dem Computer verbringen? Doch solche Formeln gibt es nicht, aber es gibt einige Regeln und Tipps für den Umgang mit dem Computer:

  • Interessieren Sie sich dafür, was Ihr Kind spielt. Nutzen Sie den Computer nicht um Ihr Kind für ein paar Stunden „ruhig zu stellen“. Begleiten Sie es bei seinen Erfahrungen mit dem Medium.
  • Suchen Sie gemeinsam Software aus. Achten Sie bei der Wahl darauf, welcher Spiel- oder Lernerfolg durch das Spiel erreicht werden soll. Achten Sie auch auf die Altersempfehlung.
  • Schauen Sie sich an, wie das Kind motiviert wird. Beim Lernen in der Schule gibt es nur ein Richtig oder Falsch. Löst aber ein Kind eine Aufgabe am Computer, öffnet sich oft eine neue Welt und das Kind macht sich auf, sie zu entdecken. Das spornt an.
  • Fragen Sie sich auch, wie der Stoff aufbereitet wird: Gibt es beim Spiel eine Rahmenhandlung, bei der die Phantasie des Kindes aktiviert wird oder wird das Kind lediglich von einem langweiligen „Mathetrainer“ begrüßt?
  • Achten Sie darauf, dass das Spiel nicht auf Zeit geht. Kinder brauchen ihr eigenes Tempo beim Lösen der Aufgaben.
  • Schauen Sie sich an, was das Kind während des Spieles frei wählen kann. Computer vermitteln Kindern das Gefühl, ernst genommen zu werden, wenn sie selbst aktiv entscheiden können, was sie spielen.

Kinder lieben Computerspiele, weil dort alles möglich ist. Sie haben das Geschehen in der Hand. Sie können die Buchstaben zum Tanzen bringen oder als Superhelden durch die Lüfte fliegen. Und bei guten Spielen lernen sie dabei auch noch was – ohne es überhaupt zu merken.

Linktips:
www.zappen-klicken-surfen.de
www.eltern.de – Gute Elternseite
www.feibel.de – Empfehlungen zu Computerspielen mit Tests