Konflikte professionell entschärfen

Manchmal können Konflikte nicht mehr von den Konfliktparteien selbst entschärft werden. Hier finden Sie Ideen für die professionelle Konfliktvermittlung, bevor alles den Bach runter geht.
Nach Einschätzung von Experten nimmt die Belastung der Menschen stetig zu. Die Belastungen in der Arbeit, durch Arbeitslosigkeit und den daraus resultierenden Konflikten und Problemen machen die Belastungen nur noch belastender. In bestimmten Konflikten gibt es Hilfe zur Selbsthilfe. Wenn diese nicht mehr ausreicht, gibt es professionelle Helfer, die zur Schlichtung oder zur Lösung beitragen können. Wie ich mir selbst helfen und wie Hilfe von außen aussehen kann und wo sie einzusetzen ist, wollen wir Ihnen in einer Übersicht vorstellen.

Do it  your self

Man glaubt es nicht, aber bestimmte Entspannungsmethoden können helfen die innere Balance für die aufgebrachte Psyche wieder herzustellen. Gerade bei Kindern sind Entspannungsmethoden sehr angenehm, da sie Zuwendung bekommen und lernen vor einem geplanten Konfliktgespräch oder nach einem Streit unter Geschwistern z.B., eigenes Verhalten zu verändern. Eine wohl bekannteste Methode, die dem Körper und dem Geist wohltuende Ruhe und Entspannung bereitet, ist die Progressive Muskelentspannung nach Edmund Jacobsen (1885-1976). Auch Kinder und Schwerkranke können die Übungen erlernen und selbständig anwenden. Sie hilft besonders bei Stress, Schlafstörungen, Angstzuständen,  Schmerzen sowie bei innerer Unruhe. Nur bei zu niedrigem Blutdruck nicht zu empfehlen! Und so geht sie: In einer sitzenden oder liegenden Position werden die Muskeln einer Hand angespannt (z.B. Faust ballen) und gelockert, dann die der anderen Hand, dann beide gleichzeitig. So geht man durch die Muskelgruppen des ganzen Körpers. Während der Übungen, bei der Anspannung und der Entspannung nicht den Atem anhalten. Ruhig aus- und einatmen. Die Anspannung wird jeweils für 7 Sekunden gehalten und die Entspannungsphase dauert etwa 30 Sekunden. In dieser Zeit sollte man ganz bewusst die Muskelentspannung  nachfühlen. Dazu gibt es Literatur und konkrete Anleitungen unter z.B. www.planet-interkom.de.

Sehr hilfreich haben sich auch das Autogene Training, Entspannungsmassagen, Entspannungsmusik, aber auch Spiel, Sport und Spaß zur Vor-und Nachbeugung von Stress, Konflikten usw. bewährt.

Mediation

Eine sinnvolle Möglichkeit, in einer verfahrenen Lage zu einer Lösung zu kommen, ist die Mediation. Hier tritt ein Vermittler von außen an die Situation heran, der mit seiner unvoreingenommenen Herangehensweise hilft, manchen Konflikt zunächst aufzuarbeiten und dann zu klären. Oft sind die Parteien nämlich derart verfeindet, dass z.B. in einem Arbeitsteam weder ein Vorgesetzter noch ein Kollege versuchen sollte, deeskalierend zu wirken. In dem Netz aus Beschuldigungen und Beleidigungen verfängt man sich schnell. Natürlich ist die Mediation kein Allheilmittel, aber wenn man sie bereits bei aufkommenden Konflikten einsetzt, kann sie dazu beitragen, ausartende Schwierigkeiten zu vermeiden. Das Fachzentrum für Pflegefamilien bietet Mediation in allen Konflikten rund um die Pflegefamilie an. Mehr

Elternkurs „Starke Eltern-Starke Kinder®“

Der Deutsche Kinderschutzbund bietet ein präventives Angebot für Eltern unter dem Motto „Starke Eltern-Starke Kinder®“. Unter Einbezug ihrer Kinder werden den Eltern in mehreren Kursen Wege aufgezeigt, wie Konfliktsituationen gewaltfrei gelöst und wie ihre Fähigkeiten als Eltern gestärkt werden können. Die Kurse dürfen nur von ausgebildeten Kursleiter/-innen durchgeführt werden. Wer sich dafür interessiert, kann im Jugendamt oder in Vereinen nachfragen, die sich gemeinnützige und soziale Arbeit auf die Fahnen geschrieben haben.

Vorgerichtliche Streitschlichtung durch Schiedsmänner und Schiedsfrauen

Die Idee, Streitigkeiten durch Schlichtung beizulegen, ohne sogleich einen Richter zu bemühen, ist modern und hat dennoch Tradition. Die Institution der vorgerichtlichen Streitschlichtung durch Schiedsmänner und Schiedsfrauen wird am 13. Oktober 2002 bereits 175 Jahre alt. Heute zählen wir in der Bundesrepublik Deutschland ca. 10.000 Schiedsmänner und Schiedsfrauen. Außer in Bayern, Baden Württemberg, Bremen und Hamburg gibt es in allen Bundesländern diese Schiedspersonen, wie sie geschlechtsneutral genannt werden, als vorgerichtliche Streitschlichtungseinrichtung.

Das Schlichtungsverfahren wird in Strafsachen und in Zivilsachen vor den Schiedsämtern – in den fünf neuen Ländern Schiedsstellen genannt – von Schiedsfrauen und Schiedsmännern durchgeführt.
In Sachsen heißen die Schiedspersonen seit dem 01.01.2000 Friedensrichterinnen und Friedensrichter. Das Amt der Schiedsmänner und Schiedsfrauen ist im übrigen ein Ehrenamt, das heißt, die Schiedspersonen stellen ihre Freizeit für die Führung des Amtes der Gesellschaft praktisch unentgeltlich zur Verfügung, so dass das Schlichtungsverfahren für die Bürgerin und den Bürger vor dem Schiedsamt auch äußerst kostengünstig gestaltet ist. Die Schiedsmänner und Schiedsfrauen führen Schlichtungsverfahren in Straf- und Zivilsachen durch.
Im Streitfall ist immer das Schiedsamt örtlich zuständig, in dessen Bezirk der Antragsgegner wohnt. Dort reicht man als Antragstellerin oder Antragsteller einen Antrag auf Schlichtung ein.
In dem Antrag auf Schlichtung wird der streitige Sachverhalt kurz geschildert und das Schlichtungsbegehren formuliert.
In Höhe der voraussichtlich anfallenden Verfahrenskosten wird von der Schiedsperson ein Vorschuss erhoben. Ist die antragstellende Partei z.B. Arbeitslosenhilfeempfängerin oder Sozialhilfeempfängerin, so kann z.B. regelmäßig auf die Erhebung von Gebühren und Auslagen (Kosten) ganz oder teilweise verzichtet werden. Damit ist sichergestellt, dass auch nicht ausreichend finanzkräftige Antragsteller keine Nachteile erleiden.
Zur Schlichtungsverhandlung werden die Parteien geladen. Sie haben persönlich zu erscheinen. Unentschuldigtes Fernbleiben kann mit einem Ordnungsgeld geahndet werden.
Die Verhandlung wird von der Schiedsperson mit dem Ziel geführt, eine gütliche Einigung der Parteien zu erreichen: unter gegenseitigem Nachgeben soll ein Vergleich geschlossen werden.
Ein abgeschlossener Vergleich beendet den Streit. Die darin übernommenen Verpflichtungen vermögensrechtlicher Art können wie aus einem Urteil dreißig Jahre lang vollstreckt werden (der Vergleich ist damit ein so genannter „vollstreckbarer Titel“ nach § 794 der Zivilprozessordnung). Weil es aber keinen Sieger und Besiegten gibt, ist ein Vergleich oftmals befriedender als ein Urteil.