Anleitung zum Vertragen

Hier finden Sie praktische Tips die Ihnen helfen können, Konflikte konstruktiv zu lösen.
In der Ruhe liegt die Kraft, das mag man sich morgens vornehmen, aber nicht jeder vermag es, den Tag unter diesem Motto zu verbringen. Selbst der Geduldigste und Nachsichtigste wird nicht jeden Tag frei von Unstimmigkeiten bewältigen können. Eigentlich ist das gar nicht wirklich schlimm, denn Konflikte gehören nun einmal in jede zwischenmenschliche Beziehung, egal in welchem Umfeld sie besteht. Schwierig wird es nur, wenn sich kleine Streitigkeiten verschärfen und zu wahren Kämpfen ausarten.

Oftmals geht vor dem Streit eine leise oder auch direkte Kritik voraus. Wer lässt sich schon gern kritisieren? Je nach dem, wie man selbst gelernt hat mit Kritik umzugehen, reagiert man darauf. Der  Eine bleibt ruhig, der Andere verteidigt sich anstrengend und wiederum ein Anderer wird aggressiv. Wenn Kritik nicht besprochen und bearbeitet wird, kann es zu regelrechten Streitkämpfen kommen, die in einer schweren Krise enden.

Um diese Entwicklung zu verhindern, die auf kurz oder lang nicht nur die tatsächlich Betroffenen, sondern auch ihr gesamtes Umfeld belasten wird, lassen sich verschiedene Ansätze verfolgen. Der Weg, der den „Streithähnen“ besonders viel abfordert, ist die Einigung. Um eine Lösung zu erreichen, bei der alle das bekommen, was sie wollen, müssen die Parteien in einem hohen Maß über Einigungsbereitschaft verfügen. Das setzt zunächst voraus, dass der Wille zu einer solchen Lösung vorhanden sein muss. Und natürlich bedarf es auch einer großen Integrationsfähigkeit und des unbedingten Respekts vor den Positionen des jeweils anderen. Dies gilt unabhängig davon, ob ich mich mit meinen Kindern, meinem Partner oder Kolleginnen am Arbeitsplatz streite.

Im Idealfall ergibt sich eine gemeinsame Lösung bzw. Einigung. Realistischer ist allerdings in den meisten Fällen ein Kompromiss, der auch einfacher herzustellen ist. Dabei müssen beide Seiten in manchen Punkten zurückstehen.

Das setzt die Bereitschaft der Beteiligten voraus, sich zur Beilegung des Streits zusammenzusetzen und nicht zu versuchen, einen Streit zu gewinnen. Einen Schuldigen aus der Vergangenheit zu finden sollte genauso vermieden werden, wie zu viele Streitpunkte. Einigen sie sich auf einen konkreten Streitpunkt und versuchen sie dafür eine gemeinsame Zeit zum Streiten zu finden. Dieses Verfahren setzt allerdings voraus, dass sich die Beteiligten an bestimmte Regeln halten, ohne dass ein erfolgreiches Einigen nicht möglich ist. Es ist also viel sinnvoller, sich den Konflikten in möglichst frühem Stadium zu stellen und diese umgehend aus der Welt zu schaffen. Eine Möglichkeit sich zu vertragen, unter bestimmten Regeln, möchten wir Ihnen vorstellen:
1. Äußern Sie direkt ihre Gefühle und Bedürfnisse!
– Ohne Anklage und Werturteil
– Was waren Auslöser aus eigener Sicht?
– Akzeptieren Sie ihre eigenen und vom anderen die Gefühle

2. Helfen Sie Ihrem Streitpartner, seine Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken!
– Teilen Sie mit, dass Sie etwas verstanden oder nicht verstanden haben
– Versuchen Sie sich in die Gefühle des Anderen hineinzuversetzen („Da hast Du dich sicher gekränkt gefühlt…, da warst Du sicher enttäuscht…“

3.Sagen Sie, was die Wünsche des Anderen bei Ihnen auslöst

4. Machen Sie Ihm Vorschläge, unter welchen Bedingungen Sie die Wünsche Ihres Streitpartners erfüllen können!

5. Äußern Sie konkret Ihre Wünsche!
– Teilen Sie Ihre Wünsche mit, auch die unangenehm, aber sehr wichtig sind
– Formulieren Sie Wünsche und keine Forderungen.
– Sagen Sie, wie wichtig der Wunsch ist und überprüfen Sie situative Bedingungen

6. Erörtern Sie mehrere Lösungsmöglichkeiten!

7. Legen Sie ganz genau fest, wie der Streit (Konflikt) gelöst werden soll!

Sicherlich wird es in vielen Fällen schwer oder auch unpassend sein sich an einen konkreten Plan zu halten. Hilfreich ist es schon, wenn man sich die einzelnen Punkte anschaut und sich innerlich vorbereitet, bevor etwas herausplatzt, was man eigentlich nicht sagen wollte. Auch der andere kann davon profitieren, in dem man z. B. sagt: „Ich möchte mich gern mit Ihnen streiten, um zu einer Lösung zu kommen. Das geht aber nur, wenn Sie bereit dazu sind!“ Auch Wünsche mutig äußern, wie „Ich möchte Ihnen gerne zuhören, aber wenn sie mich anschreien, kann ich das nicht, bitte schreien Sie mich nicht an!“ oder „ Hören Sie mir bitte zu!“

Es gibt noch viele andere Arten der Konfliktlösung, zu einer Entschärfung werden die bedingungslose Konfrontation und das Vermeiden einer Bereinigung allerdings nie beitragen. Wichtigste Grundregel hierbei ist, Ruhe bewahren. Wütende Aussetzer würden den Prozess der Befriedung weit zurückwerfen. Der größte Fehler, den es zu vermeiden gilt, ist niemals auf der persönlichen Ebene ausfallend zu werden. Distanzlosigkeit muss auch im Streit nicht sein, weder beruflich noch privat. Wichtig ist weiterhin, geduldig den Ausführungen seines Gegenübers zuzuhören und die eigene Meinung sorgfältig und klar zu formulieren. Wenn beide Parteien den Standpunkt der jeweils anderen kennen, lässt sich viel einfacher eine allgemein verträgliche Lösung erarbeiten. Diese durchzusetzen, erfordert dann zwar auch noch einmal den verstärkten Einsatz der Beteiligten, um des Friedens willen, sollten diese den aber ruhig auf sich nehmen.