Übermäßiges Verwöhnen und Beschützen schadet Kindern

Man tut seinen Kindern keinen Gefallen, wenn man ihnen alle Steine aus dem Weg räumt. Schon von Anfang an sollten Grenzen gezogen werden, d.h. nicht jedem Wunsch kann und darf entsprochen werden. Kinder finden sich im Leben viel besser zurecht, wenn sie gelernt haben, dass auch die Bedürfnisse von anderen eine Rolle spielen. Von: Beate Weymann-Reichardt, Diplom- Sozialpädagogin

Liest man seinen Kindern jeden Wunsch von der Nase ab, werden Prinzen und Prinzessinnen erzogen, und man hat viel dafür getan, lebensuntüchtige und undisziplinierte, realitätsfremde Wesen aufgezogen zu haben. Das Leben wird sie eines Besseren belehren. Und das wird unumstößlich so erfolgen.

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Es sollte nicht der Fehler gemacht werden, aus schlechtem Gewissen heraus (weil man zuwenig Zeit hat, sich nicht genug dem Kind zuwendet oder nur über ein geringes finanzielles Polster verfügt), dem Kind alles und jedes zu kaufen, was es sich wünscht. Es ist zu beobachten, dass in diesem Falle die Ansprüche des Kindes kontinuierlich ansteigen.

Sagen die Eltern dann tatsächlich einmal „Nein“, so ist das Kind erst verwundert (dieses Wort hörte es fast noch nie) und dann beleidigt. „Das kann doch nicht sein, dass ich dieses oder jenes nicht bekomme!“ Mit Enttäuschungen hat es keine Erfahrung. Aus diesem Grunde wird es fortgesetzt meckern, wütend werden und nicht nachlassen. Das Verständnis, dass nicht alles erfüllt werden kann, fehlt gänzlich. Eine angemessene Frustrationstoleranz ist nicht aufgebaut wurden. Frust tauchte ja auch nie auf, aufgrund dessen man gezwungen worden wäre, sich damit zu arrangieren. Teilweise sieht man dann ein total niedergeschlagenes Kind.

Ein verwöhnter Sprössling ist es gewöhnt, immer den Mittelpunkt darzustellen. Alles dreht sich um dieses Kind. Eine Beschäftigung findet nur mit sich selbst statt. Für andere Menschen und ihre Bedürfnisse ist da kein Platz mehr. Solange einem Kind alles in den Schoß fällt, braucht es sich nicht anstrengen. Es hat nie gelernt, mit eigenen Bemühungen sich seine Bedürfnisse zu erfüllen. Ferner ist das Aufschiebenkönnen von Wünschen nicht geübt wurden.

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Überbehütung von Kindern

Die Überbehütung von Kindern ist heutzutage schon sehr häufig anzutreffen. Hierbei passen die Eltern ständig auf die Kinder auf und wollen sie v.a. Möglichem schützen. Motto: Das Kind könnte ja fallen, sich schneiden etc.

Etwas Unrealistisches in diesem Ansatz kann nicht geleugnet werden. Schließlich sind Eltern nicht permanent anwesend und es gehört wohl zum Leben dazu, sich mal weh zu tun, sich zu verletzen und in ein Fettnäpfchen zu treten. Greifen Eltern vorzeitig in brenzlige Situationen ein, so lernen Kinder nicht, mit Gefahren umzugehen. Es ist vorteilhaft, wenn Kinder Konflikte unter sich austragen. Solange nicht mit scharfen Gegenständen wie Messer, Steinen u.ä. dabei hantiert wird, sollte man die Kinder ruhig erst einmal sich selbst überlassen.

Verbietet man ihnen zuviel, so erlernen sie gewisse Fähigkeiten nicht, z.B. sich zu streiten oder sich durchzusetzen. Ist zuviel verboten („du darfst noch nicht ohne Stützräder fahren; du kannst noch nicht Tee kochen, du darfst nicht Fenster putzen, du kannst noch nicht mit dem Computer umgehen“, usw.), dann werden sie u.U. unnötig in ihrer Entwicklung behindert. Es bleibt hier abzuwägen, was schon gewagt werden sollte und was nicht. Natürlich kann man Kindern nicht etwas erlauben, womit sie offensichtlich überfordert wären. Die Tendenz des Überbehütens liegt aber gerade darin, dass Dinge verboten werden, die das Kind im Grunde leisten könnte.

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Zusammenfassung

Man tut seinen Kindern keinen Gefallen, wenn man ihnen alle Steine aus dem Weg räumt. Schon von Anfang an sollten Grenzen gezogen werden, d.h. nicht jedem Wunsch kann und darf entsprochen werden. Kinder finden sich im Leben viel besser zurecht, wenn sie gelernt haben, dass auch die Bedürfnisse von anderen eine Rolle spielen. Es lohnt sich, seinem Nachwuchs vor Augen zu führen, dass weniger (z.B. Spielzeug) mehr ist. Kindern sollte zugetraut werden, kleine Schwierigkeiten und Streitereien selbst lösen zu können. Das alte Motto: Aus Fehlern lernt man, hat noch nicht ausgedient. Aus dem Grunde sei nochmal darauf verwiesen, dass Kinder Fehler machen dürfen (und auch ein Sinn, nämlich u.a. Frustrationen aushalten zu lernen, dahinter steckt).

Literatur

Prof. Dr. Peter Struck: Erziehung für das Leben, Südwest Verlag, München 2001
Knaurs großer Erziehungsratgeber, Weltbild, Augsburg, 2002
Cornelia Nitsch, Cornelia von Schelling: Kindern Grenzen setzen, Mosaik- Verlag, 2001
Margot Käßmann: Erziehen als Herausforderung, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, 2001
Annemarie Pfeifer: Erziehen mit Liebe und Konsequenz, Oncken Verlag, Wuppertal u. Kassel, 2000
Andrea Ernst, Vera Herbst: Kursbuch Kinder, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 1993
Steve Biddulph: Das Geheimnis glücklicher Kinder, Rheda- Wiedenbrück, Bertelsmann Club 1994

Autorin

Beate Weymann-Reichardt, Diplom- Sozialpädagogin
Angestellte des Landes Niedersachsen
Schulstr. 2
37586 Dassel
Deutschland

Quelle: Wir bedanken uns für die Genehmigung der auszugsweisen Veröffenltichung bei der Redaktion des Online-. Familienhandbuches. Diesen, sowie weitere Texte zum Thema Erziehung und Familie finden Sie im Online- Familienhandbuch