Kleine Sammlung elterlicher Zwangstypen

Wer seine Kinder ändern will, muss häufig erst mal sich selbst kritisch unter die Lupe nehmen. Erkennen Sie sich in den nachfolgenden Charakteren wieder? Hoffentlich nicht!

Da sind die „überschwenglichen Lober“. Susanne Kaspar* gehört zu diesem Typus. Ihr dreijähriger Sohn Moritz hat seiner Schwester ein Kuchenstück geklaut. Die Mutter fährt dazwischen, will ihm das Stück entwinden; dann hat sie Bedenken, zu autoritär zu wirken, und lobt ihn rasch dafür, dass er den Kuchen so geschickt geklaut hat, dass dieser nicht einmal heruntergefallen ist. Moritz beißt herzhaft zu, er hat gelernt: Er muss nur raffiniert genug sein, dann kommt er mit vielem durch.

Da sind die „gleichgültig Liebenden“. Sie umarmen ihr Kind, sie streicheln es, sie lieben es über alles – auch wenn es sich völlig daneben benimmt. Solche Eltern sind besonders überrascht, wenn ihr Kind aus dem Ruder läuft; doch die Schwelle für Aufsässigkeit liegt sogar besonders niedrig, weil die Eltern kaum Grenzen setzen: „Das Problem dabei ist nicht ein Übermaß an Liebe“, kommentiert der Erziehungsforscher Gerald Patterson, „sondern die Verstärkung für unrichtiges Verhalten.“

Da sind die „Sphinx-Eltern“. Aus Angst, ihr Kind zu verzärteln, loben oder belohnen sie es so selten wie möglich. Gisela Meinhardt* hat in einem Vertrag detailliert festgelegt, welche Aufgaben ihr „schwieriger“ zehnjähriger Sohn im Haushalt erledigen muss. Erfüllt er alle Pflichten, verkneift sie sich jede Anerkennung, denn: „Regeln sind dazu da, eingehalten zu werden, dafür darf es keine Belohnung geben.“ Sie missachtet das oberste Gebot der Lerntheorie: Man lernt vor allem durch Belohnung, durch positive Verstärkung.

Da sind die „Förderer der Hilflosigkeit“. Sie treten oft im Team auf. Eva Kleine* macht alles für ihren siebenjährigen Sohn Luka. Er kann sich ohne ihre Hilfe morgens nicht anziehen – Luka hat sie durch etliche Wutanfälle erzogen, ihm alles abzunehmen. Die Mutter wiederum hat ihn durch ihr Entgegenkommen auf Hilflosigkeit trainiert. Der Vater rastet regelmäßig aus, wenn er seinen hilflosen Sohn sieht, nennt ihn einen „Versager“ – allmorgendlich liegt der Familienfrieden in Scherben.

Schließlich sind da noch die „eisernen Bestrafer“. Sie glauben, Kinder würden nur durch Bestrafen lernen, manchmal auch nur durch Schmerz. Diese Taktik aber hat einen hohen Preis: Wer straft, wird selber bestraft. Auszählungen von Familienkonflikten ergaben, dass Kinder auf jene Elternteile, die am häufigsten strafen, am häufigsten durch Verweigerung, Aggression oder Wutanfälle reagieren. Mütter, die viel brüllen, haben Kinder, die das Gleiche tun, Väter, die demütigen, werden gedemütigt.

(* Namen geändert; Red.)

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