Herkunftseltern brauchen Hilfe, um ihre Rolle zu akzeptieren

Erfahrungen aus der Arbeit mit leiblichen Eltern hat die Volksstimme aus Halberstadt in einem Artikel über die Arbeit Birgit – Patricia Eilenbergers mit einer Gruppe von „Herkunftseltern“ zusammengefasst.

Für Eltern in besonders schwierigen Situationen reichen Hilfen, die eine stundenweise Betreuung des Kindes anbieten, oft nicht aus and eine kurzzeitige oder länger andauernde Unterbringung außerhalb der Familie wird notwendig, um eine ausreichende Versorgung und Erziehung des Kindes sicherzustellen. Gerade für jüngere Kinder bietet eine Pflegefamilie in solchen Fallen die große Chance, dennoch in einer Familie aufzuwachsen, Vor diesem Hintergrund wird die Gestaltung des Be-zugs von Pflegekindern zu ihren Herkunftseltern häufig kontrovers diskutiert zwi-schen Zustimmung and Ablehnung.

Die Diskussion entzündet sich vor allem an der Fragestellung, wie die Beziehungen so gestaltet werden können, dass sie die gesunde Entwicklung des Pflegekindes positiv beeinflussen können.

Der Pflegekinderdienst im Altlandkreis Halberstadt hat für Kinder, die auf Dauer in einer Pflegefamilie leben, verschiedene Modelle entwickelt, um die spannungsreiche Beziehung zwischen Herkunftseltern und Pflegeeltern so zu gestalten, dass aus einer Konkurrenzsituation eine Kooperation zum Wohle des Kindes wird.

Zur Umsetzung dieser Zielsetzung arbeitet der Pflegekinderdienst eng mit dem Fachzentrum für Pflegefamilien Sachsen – Anhalt zusammen. In Halberstadt ist vor allem die Referentin and Supervisorin Birgit – Patricia Eilenberger tätig. Einmal im Quartal trifft sie sich mit einer Gruppe von Eltern, deren Kinder in Pflegefamilien leben. „Ich komme gern nach Halberstadt“, sagt sie. „Dank unserer jahrelangen Zusammenarbeit hat sich eine vertrauensvolle Beziehung zu den Eltern entwickelt, so dass ich nicht nur mein Wissen weiter-geben, sondern auch selbst lernen kann“.

Die Herkunftseltern müssen Antworten auf viele Fragen finden. Beispielsweise müssen sie lernen, die Entwicklung des Kindes zu akzeptieren und eine neue Rolle im Leben des Kindes finden, wenn das Kind in den Pflegeeltern die Mutter and den Vater sieht.

Viele der Herkunftseltern aus der Halberstädter Gruppe hatten damit ein Problem. Sie wollten nicht als versagende Eltern da stehen and wussten nicht, was sie denn eigentlich für ihr Kind noch bedeuten können.

Die Gespräche mit Menschen in der gleichen Situation und mit der Therapeutin helfen weiter. Und Schritt für Schritt hilft Birgit-Patricia Eilenberger Müttern wie Vätern dabei, immer wieder neu die schmerzliche Tatsache zu akzeptieren, dass die Entscheidung, ihr Kind zu ,,neuen Eltern“ zu geben, eine sehr mutige war and die beste, die sie im Interesse der Entwicklung ihres Kinde geben konnten.

„Für mich ist es wichtig“, sagt Frau Eilenberger, dass sich niemand als Verlierer empfindet“. In diesem Sinne unterstütze ich die Herkunftseltern dabei, dass sie verstehen lernen, dass sie stets eine wichtige Bezugspersonen für ihr Kind bleiben, vor allem dann, wenn es erwachsen wird and nach seinen Wurzeln sucht“.

Wie aber kann man einem Kind, dass bei Pflegeeltern aufwächst verständlich machen, dass es wichtig für seine leiblichen Eltern war? Die Gruppe in Halberstadt hat dafür eine Lösung gefunden. Jeder Einzelne von ihnen hat sich eine ganz private Schatzschatulle geschaffen. Es ist ein Schuhkarton, den jeder mit selbst ausgesuchten Motiven beklebt hat und bei jedem Treffen mit der Gruppe mit neuen Dingen füllt, Fotos, Briefe an das Kind und Erinnerungsstücke werden hier sorgsam aufbewahrt. Aufbewahrt bis zu dem Tag, an dem sie den Karton als einen Beweis für Zusammengehörigkeitsgefühl ihrem Kind geben werden.