Anwendungsgebiete der Bindungstheorie

Im Mittelpunkt des Beitrags stehen Trennungssituationen, wie sie im Bereich der Jugendhilfe und auch der klinischen Praxis eine Rolle spielen. Hierzu zählen die außerfamiliale Tagesbetreuung, Trennung oder Scheidung der Eltern, die Herausnahme eines Kindes aus der Herkunftsfamilie sowie Dauerpflege oder Adoption. Die Verfasserin zeigt, welche Hilfestellungen und Perspektiven sich aus bindungstheoretischen Annahmen sowohl für den individuellen Umgang mit den betroffenen Kindern als auch für die Gestaltung institutioneller Arrangements ergeben. Als weiteres Praxisfeld der Bindungstheorie behandelt sie die präventive Intervention zur Förderung einer sicheren Bindungsbeziehung und die Beratung und Therapie bei Beziehungsproblemen. Abschließend werden Zusammenhänge zwischen Bindungsunsicherheit und psychopathologischen Störungsbildern behandelt. Schlagworte: Bindung;Theorie; psychologische Theorie; Tagesbetreuung; Ehescheidung; Heimunterbringung; Pflegefamilie; Pflegekind; Adoption; Erziehungsberatung; Therapie; Psychopathologie; Theorie-Praxis

Ute Ziegenhain

Anwendungsgebiete der Bindungstheorie

Die Bedeutsamkeit der ethologischen Bindungstheorie für die psychologische und pädagogische Praxis zeigt sich insbesondere im Zusammenhang von Trennungserfahrungen von Kindern und Jugendlichen. Dabei bezieht sich die Trennung nicht nur auf die Erfahrung »körperlicher« Abwesenheit der Bindungsperson, sondern im übertragenen Sinne auch auf die Erfahrung »psychologischer« Abwesenheit, nämlich dann, wenn Bindungspersonen die Bedürfnisse von Kindern nach emotionaler Sicherheit und Zuverlässigkeit nicht oder nur unzureichend erfüllen.

Es werden Trennungssituationen diskutiert, die in der Jugendhilfe oder der klinischen Praxis eine Rolle spielen. Dazu gehören außerfamiliale Tagesbetreuung, Trennung und Scheidung, Herausnahme aus der Herkunftsfamilie sowie Dauerpflege und Adoption.

Entlang dieser Praxisfelder und Lebenssituationen werden jeweils Hinweise aus bindungstheoretischen Annahmen und Befunden für den Umgang mit Kindern abgeleitet, der ihre Perspektive und ihre Bedürfnisse und Verarbeitungsweisen berücksichtigt und einbezieht. Dabei geht es nicht nur um konkretes Verhalten im Umgang mit Kindern, sondern auch um institutionelle Bedingungen oder um Folgen rechtlicher Voraussetzungen, die die psychologische Verarbeitung von Trennung bei Kindern begünstigen oder aber massiv beeinträchtigen beziehungsweise sich schlimmstenfalls auch schädigend auf ihre Entwicklung auswirken können.

Zusammenfassend ist die Berücksichtigung bindungstheoretischer Annahmen eine zentrale Voraussetzung für eine positive sozial-emotionale Entwicklung von Kindern. Dabei lassen sich aber bindungstheoretisch begründete Annahmen nicht unkritisch in die Praxis übertragen. Vielmehr geht es darum, die jeweiligen komplexen Bedingungen in der Jugendhilfe-Praxis an die Bedürfnisse von Kindern anzupassen. Dies erfordert praktische und individuell abgestimmte Lösungswege. Demgegenüber birgt jede schematische Handlungsvorlage und Vorgehensweise die Gefahr, dem Kind und seinen Bedürfnissen nicht gerecht zu werden.

Außerfamiliale Tagesbetreuung

Am Beispiel der außerfamilialen Tagesbetreuung von Kindern und besonders der Krippenbetreuung von Säuglingen und Kleinkindern lässt sich nachvollziehen, dass sich eher die Bedingungen einer Trennungserfahrung als die Trennung selber auf die Befindlichkeit von Kindern auswirken, in diesem Falle auf ihre Bindungssicherheit.

Danach wurde lange Zeit die Frage nach möglichen psychologischen Schäden für die Mutter-Kind-Bindung und die weitere sozial-emotionale Entwicklung von Krippenkindern kontrovers diskutiert. Die Argumentation stützte sich auf die bindungstheoretische Annahme, dass Trennung von der Bindungsperson das Kind verunsichert und ängstigt.

Danach sind Kinder bei Aktivierung des Bindungssystems emotional belastet und physiologisch messbar erregt (Spangler,1992-, Spangler/Grossmann, 1993). Diese innere Erregung klingt erst bei wiederhergestelltem Körperkontakt mit der Bindungsperson wieder ab. Auf die Situation des Krippenbesuchs übertragen heißt das, dass das Bindungssystem bei jedem Krippenbesuch in höchstem Grade aktiviert wird, und das Kind emotional belastet und erregt ist.

Die zwangsläufig mit der Krippenbetreuung verbundene täglich wiederholte Trennung von der Bindungsperson schmälert das Vertrauen des Kindes in ihre emotionale Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit – so die damalige Interpretation (Sroufe, 1988). Es wurde häufig argumentiert, dass diese Trennungserfahrung vom Kind als Zurückweisung erlebt wird. Als Folge wurde für Krippenkinder die Entwicklung unsicherer Bindungsbeziehungen, und dabei unsieher-vermeidender Bindungen befürchtet.

In dieser schlichten Ableitung ließ sich diese bindungstheoretische Annahme aber nicht auf die Praxis übertragen. Vielmehr belegte eine groß angelegte Untersuchung mit über tausend Kleinkindern, die vom Forschungsinstitut des amerikanischen Gesundheitsministeriums durchgeführt wurde, dass frühe Tagesbetreuung für sich alleine genommen die Bindungsqualität nicht negativ beeinflusst (NICHD, 1997). Allerdings begünstigten schlechte Betreuungsqualität und unregelmäßige Betreuungssituationen die Entwicklung unsicher-vermeidender Bindung. Die Wahrscheinlichkeit, dass fremdbetreute Kleinkinder eine unsichere Bindung entwickeln steigt darüberhinaus dann, wenn außerdem das mütterliche Verhalten gegenüber dem Kind wenig feinfühlig ist. Dies konnten wir übrigens auch in einer Untersuchungsgruppe von Berliner Krippenkindern nachweisen.

Wie bedeutsam die Bedingungen der Trennungssituation für die emotionale Befindlichkeit der Kinder sind zeigte sich insbesondere in der Phase des Übergangs von der Familie in die Krippe. Unter einer bindungstheoretischen Perspektive ist dabei die vorübergehende Anwesenheit einer Bindungsperson unabdingbar. Nach Ainsworth dient sie dem Kind als sichere Basis, von der aus es emotional offen und interessiert die neue Situation erkunden und mit ihr vertraut werden kann. Bei Anwesenheit einer Bindungsperson dürfte das Kind also in der neuen Situation erheblich weniger belastet und innerlich erregt und damit weniger gefährdet sein, eine unsichere Bindung zu entwickeln. Tatsächlich wirkt sich die Art der Eingewöhnung bei einjährigen Kindern auf ihre spätere Bindungsqualität mit der Mutter aus.

Wie bedeutsam die Bedingungen der Trennungssituation für die emotionale Befindlichkeit der Kinder sind zeigte sich insbesondere in der Phase des Übergangs von der Familie in die Krippe. Unter einer bindungstheoretischen Perspektive ist dabei die vorübergehende Anwesenheit einer Bindungsperson unabdingbar. Nach Ainsworth dient sie dem Kind als sichere Basis, von der aus es emotional offen und interessiert die neue Situation erkunden und mit ihr vertraut werden kann. Bei Anwesenheit einer Bindungsperson dürfte das Kind also in der neuen Situation erheblich weniger belastet und innerlich erregt und damit weniger gefährdet sein, eine unsichere Bindung zu entwickeln. Tatsächlich wirkt sich die Art der Eingewöhnung bei einjährigen Kindern auf ihre spätere Bindungsqualität mit der Mutter aus.

Dies konnten wir in zwei Untersuchungen nachweisen. Danach hatten die Kinder, die sanft eingewöhnt wurden und deren Mutter mindestens während der ersten Woche mit in der Krippe war, nach sechs Monaten eine sichere Bindung mit ihr. Demgegenüber hatten Kinder, die abrupt eingewöhnt wurden und deren Mutter höchstens drei bis vier Tage und dann höchstens zwei Stunden mit ihnen blieb, nach sechs Monaten häufiger eine unsichere Bindung (Ziegenhain/Wolff, 22000; Ziegenhain/Rauh/Müller, 1998). Trennungserfahrung von der Bindungsperson und damit die Erfahrung emotionaler Zurückweisung beim Kind lässt sich also nicht als Folge der Krippenerfahrung per se interpretieren, sondern als Folge unterschiedlicher Arten der Gestaltung des Übergangs in eine neue Umgebung.

Im Übrigen spielen auch folgende Trennungssituationen im Verlauf der Fremdbetreuung beziehungsweise die Gestaltung von Übergängen eine Rolle für die Befindlichkeit der Kinder. Mit zunehmender Vertrautheit binden sich die Kinder auch an ihre Erzieherin und knüpfen Freundschaftsbeziehungen mit den anderen Kindern der Gruppe. Daher sind Gruppenwechsel gewöhnlich belastend für die betroffenen Kinder. Insofern sind hier auch institutionelle Bedingungen der Tagesbetreuung berührt. Diese erstrecken sich sogar auch auf institutionell übergreifende Bereiche, nämlich beim Übergang von der Kindertagesstätte in die Schule. Dieser Wechsel lässt sich sanfter gestalten, wenn beispielsweise Kinder gemeinsam mit den anderen Kindern ihrer Gruppe eingeschult werden und/oder, wenn die Einschulung nicht gleichzeitig mit einem Betreuungswechsel innerhalb der Kindertagesstätte oder sogar in eine andere Tagesstätte verbunden ist.

Während der Bereich der außerfamilialen Tagesbetreung bindungstheoretisch relativ gut erforscht ist, wurde bisher in anderen bindungstheoretisch relevanten Praxisfeldern relativ wenig empirisch geforscht. Daher beziehen sich die folgenden Überlegungen häufiger auf Ableitungen des Bindungskonzeptes als auf gesicherte Forschungsbefunde.

Trennung und Scheidung

Diese Ableitungen bezogen sich auch im Falle der Situation bei Trennung und Scheidung zunächst darauf, die Trennung beziehungsweise den Verlust eines Elternteils als zentrales Risiko für die kindliche Entwicklung einzuschätzen. Entwicklungsrisiken im Zusammenhang mit Trennung der Eltern zeigten sich besonders bei jüngeren Kindern (< 5) in erhöhten psychiatrischen Auffälligkeiten, und zwar emotionalen Störungen und Störungen des Sozialverhaltens (Fergusson/Horwood/Linsky, 1994). Bei älteren Scheidungskindern zwischen zehn und 15 Jahren wurde erhöhter Drogenkonsum gefunden (Fergusson/ Horwood/Linskey, 1994; NeherlShort,1998, vgl. die Übersicht von Huss/Lehmkuhl, 1999). Allerdings ließen andere Befunde Zweifel an dieser vereinfachten bindungstheoretischen Annahme aufkommen. Diese zeigten nämlich, dass der Tod eines Elternteils weit weniger Entwicklungsrisiken nach sich zog (Rutter, 1971; Emery, 1988), ebenso wie Befunde, nach denen Konflikte zwischen den Eltern bereits vor der Scheidung sich negativ auf die kindliche Entwicklung auswirkten (BlockfBlock/Gjerde,1986; Amato/Keith, 1991), Zweifel an dieser vereinfachten bindungstheoretischen Annahme aufkommen. Ähnlich wie im Falle außerfamilialer Tagesbetreuung setzte sich zunehmend die Auffassung durch, dass es die Begleiterscheinungen von Trennung und Scheidung sind, die sich nachteilig auf die Entwicklung der Kinder auswirken können. Diese berühren bindungsrelevante Aspekte, aber ebenso Konflikte zwischen den Eltern beziehungsweise die Zusammenhänge zwischen Eltern-Kind- und Partner-Beziehung (Engfer, 1988; Rutter/O’Conner, 1999). Sie berühren aber auch Risiken, die häufig in der Folge von Trennung und Scheidung auftreten, nämlich die stärkere finanzielle Belastung der Einelternfamilie nach der Scheidung. Psychosoziale Belastungen und Leistungsbeeinträchtigungen von Scheidungskindern lassen sich wesentlich auf die größeren finanziellen Einschränkungen zurückführen, denen die Kinder nach der Scheidung ausgesetzt sind (Fegert, 2000; Walper/Gerhard/SchwarzlGödde, im Druck). Aktuelle emotionale Belastetheit der Kinder und Entwicklungsrisiken dürften also im Ausmaß und der der Kumulation von unterschiedlichen Risikofaktoren begründet sein und nur bei einer Minderheit von Kindern zu schwerwiegenden Problemen führen (Suess/Scheuerer-Englisch/Grossmann,1999). Dennoch ist die Situation von Trennung und Scheidung ein zentrales bindungstheoretisches Thema.

Unter einer bindungstheoretischen Perspektive, also aus der Perspektive des Kindes, ist es wichtig, die Bindungsbeziehung zu beiden Eltern aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln. Das Kind ist an beide Eltern gebunden und erlebt den Weggang oder Auszug eines Elternteils als emotionale Ablehnung. Insbesondere jüngere Kinder neigen dazu, den Auszug des Elternteils auf sich zu beziehen und sich die Schuld daran zu geben. Dennoch gilt die Aufrechterhaltung der Beziehung zu beiden Eltern keinesfalls absolut. Aus der Risikound Schutzfaktorenforschung ebenso wie aus der Misshandlungsforschung ist bekannt, dass eine Trennung auch eine notwendige und verantwortliche Reaktion auf unhaltbare familiäre Zustände sein kann (Fegert, 2000). Dann aber hilft es dem Kind, wenn es um die verlorene Bindungsperson trauern darf (Grossmann, 2000). Dieser Trauerprozess ist auch dann wichtig, wenn die verlorene Bindungsperson das Kind zurückwies oder misshandelte. Daneben hilft es dem Kind, informiert und beteiligt zu werden. Dazu gehört, offen mit ihm über seine Befürchtungen zu reden, die Eltern zu verlieren, und ihm Verständnis für seine Gefühle zu signalisieren, ohne aber die Realität, also die Situation der elterlichen Beziehung oder aber mögliche Trennungsüberlegungen, zu beschönigen. Dies ist feinfühliges Verhalten nach bindungstheoretischer Vorstellung. Ausdruck feinfühligen Verhaltens ist es auch, in welchem Ausmaß ein Elternteil das Kind über den Partnerkonflikt informiert. In Abhängigkeit von dessen Entwicklungsalter kann eine mehr oder weniger umfassende Information grenzüberschreitend sein bzw. die Rollen von Eltern und Kind umkehren und damit emotional genauso überfordernd für das Kind sein wie umgekehrt mangelnde Beteiligung und die damit einhergehende emotionale Verunsicherung.

Entsprechend der Kindschaftsrechtsreform sind Trennungs- und Scheidungsprozesse mit Hinweisen auf Beratungsangebote der Jugendhilfe verknüpft (§ 17 KJHG). Nicht zuletzt in Folge der Reform wurden gerade in der Erziehungsberatung bindungstheoretisch begründete Modelle der Konfliktberatung entwickelt (Suess/Scheuerer-Englisch/Grossmann, 1999; Suess, 1993). Im Zuge der Konfliktminimierung sind dabei nicht nur die Etablierung klarer, entwicklungsangemessener und verlässlicher Umgangsregeln bedeutsam, sondern auch die Erkenntnis, dass bei hohem Konfliktpotenzial eher solche Regelungen im Interesse des Kindes sind, die möglichst wenig Kooperation und Kontakt der beteiligten Eltern voraussetzen (Suess, persönliche Mitteilung).

Wie komplex die Gestaltungsanforderungen und -aufgaben während und nach Trennungsprozessen sind, und wie notwendig es ist, die Perspektive des Kindes sehr differenziert zu berücksichtigen, verdeutlicht eine neuere Untersuchung zur Umgangsregelung aus den USA. Danach waren Kleinkinder, die im Wochenwechsel bei der Mutter beziehungsweise dem Vater lebten und übernachteten deutlich häufiger hochunsicher gebunden. Sie unterschieden sich damit von Kleinkindern, die ständig bei einem Elternteil lebten und den anderen Elternteil nur tagsüber besuchten (Solomon/George, 1999). Neben der entwicklungsabhängigen Überforderung, immer wieder längerdauernde Trennungen vom jeweils anderen Elternteil zu erleben, dürften auch die schwelenden Konflikte zwischen den Eltern zu dieser hohen emotionalen Verunsicherung der Kinder beigetragen haben.

Hier wird auch deutlich, dass die Umsetzung rechtlicher Voraussetzungen, wie die der gemeinsamen elterlichen Sorge, im Sinne des Kindeswohls unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kindern und ihren jeweiligen Entwicklungskompetenzen und Verarbeitungsweisen erfolgen muss. Das Wohl des Kindes ist gesetzlich bewusst unbestimmt beziehungsweise prinzipiell umfassend formuliert und verlangt in jeder fachlichen Fragestellung eine praktische und individuell abgestimmte Konkretisierung (Fegert, 2000). Jede schematische Handlungsvorlage und Vorgehensweise birgt demgegenüber die Gefahr, dem Kind und seinen Bedürfnissen nicht gerecht zu werden.

Herausnahme aus der Herkunftsfamilie

Eine solche Forderung ist aber in der Praxis nicht immer leicht zu verwirklichen. Dies wird spätestens dann deutlich, wenn Trennungen von den Eltern stattfinden müssen, weil andernfalls das Wohl des Kindes massiv gefährdet wäre. In dieser Situation befinden sich viele Kinder, die in Pflegefamilien oder Heimen untergebracht werden.

Tatsächlich war es die Situation von Kindern in Heimen, auf die Bowlby aus bindungstheoretischer Perspektive zu Beginn der 50er Jahre in seiner Stellungnahme für die Welt-Gesundheits-Organisation aufmerksam machte (Bowlby, 1951). Er löste damit eine Diskussion aus, in deren Folge die Bedingungen institutioneller Unterbringung von Kindern nachhaltig verändert wurden (Rutter, 1999). Danach sah er insbesondere im Fehlen persönlicher und dauerhafter Bindungsbeziehungen die Ursachen für die gleichermaßen aktuelle emotionale Belastetheit dieser Kinder als auch der längerfristigen schädigenden Auswirkungen für ihre sozial-emotionale Entwicklung (Bowlby, 1951). Die inzwischen überall bekannten Filme des Ehepaares Robertson über die ergreifenden Verhaltensreaktionen von Kleinkindern, die vorübergehend im Kinderheim untergebracht wurden beziehungsweise stationär im Krankenhaus aufgenommen wurden, belegten Bowlbys Behauptungen in eindrücklicher Weise. Die Kinder demonstrierten nämlich die von ihm aufgezeigte Abfolge von Trennungs- und Trauerreaktionen, nach denen sie zunächst protestierten, dann zunehmend verzweifelter und unglücklicher reagierten, um schließlich apathisch und lustlos zu werden. Demgegenüber konnten die Robertsons deutlich abgemildertere Trennungsreaktionen und positives Bewältigungsverhalten bei Kindern beobachten, denen Joyce Robertson für die Zeit der Trennung von den Eltern eine liebevolle und verlässliche Ersatz-Bezugsperson war.

Die Diskussion um diese ersten bindungstheoretischen Forderungen nach einer kindgerechten Gestaltung von Trennungssituationen führte zu der heute selbstverständlichen Praxis, dass Eltern ihre Kinder bei einem Krankenhausaufenthalt regelmäßig und gewöhnlich unbegrenzt besuchen können oder sogar in Krankenhaus übernachten. Die Diskussion führte außerdem dazu, dass Kleinkinder, deren Eltern nicht mehr oder nicht adäquat für sie sorgen konnten, verstärkt in Pflegefamilien und seltener in Heimen oder Waisenhäusern untergebracht wurden.

Allerdings erwies sich auch hier, dass die eher unkritische Umsetzung bindungstheoretischer Annahmen zumindest den komplexen Bedingungen in der Jugendhilfe-Praxis nicht genügte. Untersuchungen in England in den 60er Jahren belegten erschreckend viel Abbrüche von Pflegebeziehungen (Wolkind/ Rushton, 1994). Abbrüche von Pflegebeziehungen finden auch heute noch statt und viele Kinder erleben Wechsel in ihren Pflegebeziehungen anstatt dauerhafte und verlässliche Beziehungen. Unabhängig davon gibt es Hinweise, dass Kinder in Pflegefamilien häufiger verhaltensauffällig sind und emotionale Störungen zeigen als Kinder mit ähnlich schwierigem Hintergrund, die aber in ihrer Herkunftsfamilie aufwachsen (Shealy, 1995; Rutter/O’Conner, 1999).

Allein das Angebot einer stabilen und dauerhaften Bindungsbeziehung scheint also eine negative Entwicklung von Pflegekindern nicht immer zu verhindern. Bisher fehlen systematische Untersuchungen über die Bedeutung von sicheren und stabilen Bindungsbeziehungen bei Pflegekindern (Rutter, 1999). In der Praxis sind »ideale« Lösungen selten. Bindungstheoretisch betrachtet ist dies in dem unlösbaren Konflikt zwischen Bindungsbedürfnissen des Kindes und der Gefährdung des Kindeswohls begründet. Danach sind Kinder starken, aber widerstreitenden Bedürfnissen ausgesetzt. Sie sind durch die faktische Trennung von den Eltern belastet und wünschen sich, wieder bei ihnen zu sein. Gleichzeitig aber fürchten sie deren vernachlässigendes oder misshandelndes Verhalten.

Daher sind aus bindungstheoretischer Sicht wesentliche Bedürfnisse von Kindern nicht immer erfüllbar. Dennoch können auch Kinder mit unvereinbaren Bindungsbedürfnissen im Umgang mit der Trennungssituation unterstützt werden. Dabei sind gerade bei Kindern mit vielfältigen emotionalen Belastungen und Entwicklungsrisiken unterschiedliche und aufeinander abgestimmte Hilfen notwendig und damit eine gut koordinierte Hilfeplanung wesentlich.

Unter einer bindungstheoretischen Perspektive ist ein sanfter Übergang von der Herkunftsfamilie in die Pflegefamilie wichtig. Insbesondere bei Kindern, die im Rahmen einer Inobhutnahme (§ 42 KJHG) aus ihrer Herkunftsfamilie herausgenommen werden, dürfte dies nicht immer möglich sein. Aber selbst ein Minimum an elterlicher Begleitung oder »Übergabe« hilft dem Kind. Unzner (1999) beschreibt beispielsweise wie bei der Notaufnahme eines Kleinkindes wegen der Festnahme der Mutter, die zuständigen Beamten zu einer Art »Kurz-Eingewöhnung« überredet werden konnten. Die Mutter konnte immerhin noch kurze Zeit mit dem Kind spielen, ihm sein Bett zeigen, und ihm vor allen Dingen versichern, dass sie einverstanden sei, dass es vorerst dort bliebe.

Eine andere bindungstheoretisch zentrale Forderung ist die nach einer stabilen und dauerhaften Bindungsbeziehung. In der Praxis lässt sich diese Forderung allein schon durch die Institution der Kurzzeit- beziehungsweise Bereitschaftspflege nicht systematisch einhalten. Hier kollidiert die Perspektive des Kindes mit faktischer und organisatorischer Notwendigkeit. Kurzzeitpflege ist ein unentbehrliches Hilfsangebot und kann dem Kind entweder die vorübergehende Trennung von den Eltern erleichtern (siehe Robertsons) oder aber seinen Übergang in eine neue Beziehung mit Pflegeeltern vorbereiten. Dies aber setzt eine kindgemäße Gestaltung der Kurzzeitpflege voraus. Dazu gehört eine sorgfältige Vorbereitung, Begleitung und Unterstützung der Pflegeeltern ebenso wie eine schnelle und flexible Hilfeplanung und interdisziplinäre Absprache zwischen Jugendhilfe und Familiengericht.

Dabei ist allerdings eine Kurzzeitpflegestelle nicht immer die geeignete Unterbringungsform. Es gibt auch psychologische Gründe dafür, dass manche traumatisierte Kinder zunächst Zuwendung in einem nicht familiär strukturierten Umfeld benötigen beziehungsweise nach einer gründlichen Diagnostik auch therapeutische Hilfen (Unzner, 1999). Damit ist die Frage nach der Heimbetreuung gestellt. Unter einer bindungstheoretischen Perspektive dürften Kinder eher in einer Familie oder einer familienähnlichen Betreuungssituation die besten Chancen haben, neue exklusive und dauerhafte Bindungsbeziehungen aufzubauen als im Heim. Dennoch belegen klinische Erfahrungen, dass viele traumatisierte und verhaltensauffällige ältere Kinder und Jugendliche sich nicht oder nur sehr schwer in einer Pflegefamilie einleben und eine Heimunterbringung daher eine günstige Alternative darstellt (Rutter/O’Conner, 1999).

Dauerpflege und Adoption

Den meisten Kindern aber dürfte eine Pflegefamilie oder Adoptivfamilie die besten Entwicklungschancen bieten. Dabei wird die Überforderung und Belastung der neuen Eltern häufig unterschätzt beziehungsweise viel zu wenig systematisch abgepuffert. Die Vorbereitung von Pflegeeltern und mehr noch ihre systematische Begleitung über die Übergangs- und Anfangszeit der Beziehungsaufnahme hinaus, etwa in Form loser Supervision und individueller Beratung beziehungsweise enger Betreuung bei akuten Krisen, ist nicht als regelhafte Hilfe etabliert.

Pflege- oder Adoptiveltern sind häufig nicht darauf vorbereitet mit emotional verunsicherten Kindern beziehungsweise bindungsunsicheren Kindern umzugehen, die zudem noch heftig unter der Trennung von den Eltern oder der vorherigen Pflegemutter oder Erzieherin leiden.

Dazu gehört beispielsweise, dass zunächst (vordergründig) offenes Verhalten bei unsicher gebundenen Kindern häufig über tief greifendes emotionales Misstrauen hinwegtäuscht. Die Kinder verhalten sich eher angepasst, weil sie »befürchten«, zurückgestoßen zu werden, wenn sie eigene Bedürfnisse äußern, »Fehler« machen oder »ungezogen« sind. Die Kinder verhalten sich aber gewöhnlich unerwartet aufsässig und unkooperativ, wenn sie beginnen, ihre neue Beziehung auf emotionale Belastbarkeit zu testen. Darauf müssen Eltern vorbereitet sein, um nicht allzu enttäuscht oder gekränkt zu reagieren, und dieses Verhalten als beginnendes Vertrauen und Beziehungsbeginn zu verstehen. Außerdem hilft es, mit den Eltern über die Diskrepanz zu arbeiten, die möglicherweise zwischen einer eher idealisierten Vorstellung vom Kind und dem realistischen Kind besteht. Dieser letztgenannte Aspekt dürfte übrigens insbesondere bei Adoptiveltern eine gewichtige Rolle spielen.

Belastung und Überforderung wird deutlich verstärkt, wenn Geschwister in eine Pflege- oder Adoptivfamilie vermittelt werden. Auch Geschwisterbindungen sind enge Bindungen und Geschwister leiden, wenn sie voneinander getrennt werden. Die Qualität ihrer Beziehung aber wird stark durch die Qualität der Beziehung mit den Eltern beeinflusst. Daher bringen Geschwister ihre gewöhnlich rivalisierende, eifersüchtige und wenig einfühlsame Beziehungsdynamik mit in die neue Beziehung. Spätestens hier wird also auch die Gefahr eines Beziehungsabbruches deutlich. Damit aber ist die weitere Selbst- und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder gefährdet, zumal jede weitere gescheiterte Beziehungserfahrung eine schwere Hypothek für zukünftige Beziehungen darstellt. Die bindungstheoretische Forderung nach Aufrechterhaltung der Bindungsbeziehung mit den Herkunftseltern ist für Pflegeeltern eine andere, nicht unerhebliche Belastung, und zwar gleichermaßen emotional als auch in der Organisation der Kontakte. Hier geht es um Ängste, das Kind vielleicht wieder abgeben zu müssen und um Ärger beispielsweise über nicht eingehaltene Termine.

Dabei ist es für viele Pflegeeltern nicht leicht auszuhalten, dass das Kind die leiblichen Eltern idealisiert und, wenn ein Kontakt stattgefunden hat, die folgenden Tage aufsässig oder unruhig ist. Auch hier dürfte systematische Unterstützung helfen beziehungsweise entwicklungspsychologische Beratung Verständnis für das Verhalten des Kindes wecken. Lassen sich Kontakte mit den Herkunftseltern nicht aufrechterhalten, ist es für das Kind wichtig zu trauern (Grossmann, im Druck). Wie bereits im Zusammenhang mit Trennung und Scheidung ausgeführt hilft es auch Kindern in Pflege- oder Adoptivfamilien bei der Bewältigung von Trennung, Zurückweisung und beim Aufbau eines positiven Selbstwertgefühls, wenn sie informiert und beteiligt werden. Dabei sind gerade Kinder mit schwierigen Beziehungsvorerfahrungen benachteiligt, da sie bisher wenig soziale Kompetenzen erworben haben, emotional wenig offen sind und wenig Zugang zu den eigenen Gefühlen haben. Sie erwecken häufig den Eindruck, weder traurig noch belastet zu sein und auch nicht über ihre Gefühle sprechen zu wollen. Für die neuen Bezugspersonen bedeutet dies, aktiv und ausdauernd Gesprächs- und Beziehungsangebote zu machen, auch dann, wenn diese anfangs zurückgewiesen werden. Partizipation ist gerade für die Kinder wichtig, die sie selber nicht einfordern können.

Präventive Intervention/Beratung/Therapie

Bindungstheorie und Bindungsforschung haben schließlich noch ein anderes Praxisfeld erschlossen, nämlich das der präventiven Intervention zur Förderung einer sicheren Bindungsbeziehung beziehungsweise Beratung und Therapie bei Beziehungsproblemen und Störungen.

Die Ausgangsüberlegungen beziehen sich auf Befunde, die einen Zusammenhang zwischen Störungen in der frühen Eltern-Kind-Beziehung und späteren Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsstörungen beim Kind belegen. Dabei sind frühe Bindungsstörungen beziehungsweise (hoch-)unsichere Bindung kein eigenständiger Risikofaktor, sie erhöhen aber das Risiko späterer Verhaltensprobleme, und zwar dann, wenn sie in Kumulation und in Wechselwirkung mit anderen Risikofaktoren auftreten. Umgekehrt gilt sichere Bindung als zentraler Schutzfaktor (Rutter, 1990). Sichere Bindung wird als wichtiger Vorläufer späterer flexibler und kompetenter Bewältigungsstrategien und positiver Selbstentwicklung angesehen (Troy/Sroufe, 1987; Cassidy, 1990; SuesslGrossmann/Sroufe, 1992). Sie wirkt also der Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsstörungen entgegen. Die Förderung feinfühligen elterlichen Verhaltens ist daher ein Weg, die Entwicklung sicherer Bindung zu unterstützen.

Tatsächlich unterliegen eine Reihe von bindungstheoretisch begründeten Interventionsprogrammen dieser Annahme. Das bekannteste Interventionsprogramm ist sicher das von Dymph van den Boom. Sie trainierte feinfühliges Verhalten von Müttern im Umgang mit ihren hoch irritierbaren Babys. Ergebnis war, dass 2/3 der Säuglinge mit einem Jahr sicher gebunden waren und sich damit statistisch bedeutsam von den Babys aus Familien ohne Intervention unterschieden. Diese Unterschiede bestanden auch noch, als die Kinder 3’/2 Jahre alt waren (van den Boom, 1994).

Auch in einer eigenen Untersuchung mit jugendlichen Müttern, hei denen der Beziehungsaufbau mit ihrem neugeborenen Säugling aufgrund vielfältiger Risikofaktoren gefährdet war, gingen die jugendlichen Mütter nach einer dreimonatigen Beratung deutlich feinfühliger mit ihrem Baby um als diejenigen Mütter, die keine Beratung erhielten (Ziegenhain/WijnrokslDerksen/Dreisörner,1999; Ziegenhain/Dreisörner/Derksen, 1999).

Ähnlich bindungsorientiert arbeiten beispielsweise Renate Barth oder Gerhard Suess, beide in Hamburg. Dabei sind die Übergänge zur Therapie fließend. Therapeutische Zugänge vor bindungstheoretischem Hintergrund beziehen sich auf Veränderungen von Bindungsrepräsentationen der Eltern und gehen auf die von Selma Fraiberg begründete Eltern-Säuglings-Therapie zurück (Fraiberg, 1980). Empirische Belege für diesen Zugang finden sich in den Ergebnissen zur transgenerationalen Vermittlung von Bindungssicherheit beziehungsweise -unsicherheit. Danach finden sich hohe Zusammenhänge zwischen den Bindungsrepräsentationen der Eltern und der Qualität ihrer Bindungsbeziehung mit ihrem Kind.

Andere bindungstheoretisch orientierte Interventionsansätze haben das primäre Ziel, die soziale Unterstützung der Eltern zu verbessern (Egeland, 2000). In der Schutz- und Risikoforschung gilt soziale Unterstützung neben Bindungssicherheit als ein weiterer wesentlicher Schutzfaktor. Diese Ansätze dürften insbesondere in der Arbeit mit Familien wichtig sein, die vielen Risikofaktoren ausgesetzt sind. Der Interventionsansatz bezieht die Förderung elterlicher Feinfühligkeit, die Veränderung elterlicher Repräsentation sowie die Förderung sozialer Unterstützung ein und wurde insbesondere für Familien mit Hochrisikokonstellationen entwickelt (Egeland,1999).

Ein gemeinsamer Aspekt aller bindungstheoretisch orientierter Ansätze liegt in der Betonung der Beziehung zwischen Eltern und Beratern oder Therapeuten. In Analogie zum Konzept der »sicheren Basis« in der Eltern-Kind-Beziehung gilt eine vertrauensvolle Beziehung zwischen den Erwachsenen als wesentliches Kriterium erfolgreicher Intervention, Beratung oder Therapie (ZiegenhainlWijnroks/Derksen/Dreisörner, 1999: Dornes, 2000).

Zusammenfassend hat sich die frühe Beziehungsförderung bisher bewährt. Allerdings steht die Forschung noch am Anfang. Nach Stern (1995) wirkt frühe und präventive Intervention überraschend schnell, und zwar unabhängig vom jeweiligen konzeptuellen Vorgehen. Ungeklärt sind jedoch beispielsweise die Langzeitwirkungen früher Intervention. Hier fehlen systematische Folgeuntersuchungen.

Bindung und Psychopathologie

Abschließend noch eine kurze Anmerkung zum Thema Bindung und Psychopathologie. Bowlby hatte sich schon früh mit möglichen Zusammenhängen zwischen Bindungsunsicherheit und psychopathologischen Störungsbildern beschäftigt (Bowlby, 1976). Er interpretierte beispielsweise Schulphobie als Ausdruck von Trennungsangst bei Kindern. Dieses Thema wurde in den letzten Jahren erneut verstärkt diskutiert. Anlass waren nicht zuletzt die zunehmenden Befunde, nach denen Störungen in der frühen Eltern-Kind-Beziehung, und dabei insbesondere hochunsichere Bindung, im Zusammenhang mit späteren Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsstörungen beim Kind stehen. Tatsächlich wird hochunsichere Bindung klinisch mit einer Bindungsstörung gleichgesetzt (Zeanah, 1996). Dabei ermöglichen die Ergebnisse bindungstheoretischer Forschung mittlerweile einen differenzierteren Zugang als die kinderpsychiatrische Klassifikation nach ICD-10. Diese unterscheidet lediglich eine »reaktive Bindungsstörung im Kindesalter« von einer »Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung«. Diese Störungen umfassen zum einen Kinder, die entweder ihren Bindungspersonen gegenüber ambivalent oder furchtsam reagieren (F94.1) oder enthemmt und distanzlos gegenüber verschiedensten Bezugspersonen (F94.2).

Brisch (1999) formuliert eine erweiterte Typologie von Bindungsstörungen, die interaktionelle und bindungsrelevante Kriterien integriert. Anhand von Fallbeispielen illustriert er die Wirksamkeit eines bindungsorientierten therapeutischen Vorgehens. Allerdings lässt sich dieses eher als Ergänzung, denn als Ersatz für andere Therapieformen beschreiben.

Damit ist ein zentraler Vorteil der Bindungstheorie für die Praxis der Jugendhilfe beziehungsweise die klinische Praxis angesprochen: Die Bindungstheorie ist kein in sich geschlossener Beratungs- oder Therapieansatz. Sie stellt vielmehr Annahmen und Befunde über Bedürfnisse, sowie Erlebens- und Verarbeitungsweisen von Kindern bereit. Dadurch erst wird eine flexible und unmittelbare Umsetzung in die Praxis möglich. Zudem verbindet sich damit die Chance, bindungstheoretische Annahmen mit anderen Beratungs- und Therapieansätzen zu integrieren (vgl. Suess/Pfeifer, 1999).

Literatur

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Verf.: Dr. Ute Ziegenhain, Universitätsklinikum Ulm, Steinhövelstr. 5, 89075 Ulm

aus: Neue Praxis 5/2001, S. 480-490