Trauma – Umgang mit traumatischen Kindern/Schritte und Hilfen

Trauma

o Verletzung der Seele und des Körpers
o ist eine extreme Lebenserfahrung
o man befand sich in Lebensgefahr
o man hatte ein tiefgreifendes schockierendes Erlebnis (Angst, Ekel, Schock)
o wurde Opfer eines Gewaltverbrechens

Traumatisierungen entstehen auch durch intensive Furcht, Entsetzen und vor allen Dingen durch Hilflosigkeit (z.B.  sexueller Missbrauch in der eigenen Familie, das schützende Umfeld ist nicht mehr vorhanden- Vernachlässigung)

Was kann ich tun bei einem Kind mit solchen Schädigungen?

Macht es überhaupt einen Sinn, etwas zu tun? Wenn man nichts tut, macht man es nur noch schlimmer.
o Geben sie dem Kind das Gefühl, dass es eigene Kompetenzen besitzt, dass es sich selbst als Problemlöser erfahren kann. Dies muss dem Kind gemäß abgestimmt werden.
o Geben sie dem Kind Rituale, Märchen, Vorbilder, Geschichten – was höher ist, als es selbst, das aber greifbar in der Nähe ist.
o Das Kind, welches ein positives inneres Bild hat,  hat eine unglaubliche Kraft. Es wird seine Kräfte daraus ziehen.

Hilfreiche und sinnvolle Grenzen setzen
Botschaft an das Kind „Wir sind die Eltern und du bist das Kind. Wir erwarten von dir, dass du dich an die Regeln hältst.“
Ohne diesen Rahmen denkt das Kind: „Wie soll ich mich auf jemanden verlassen können, wenn ich ihn durch mein Verhalten doch dahin bekomme, dass ich meinen Willen durchsetze. Wie soll der mich beschützen können, wenn er noch nicht mal meinen Widerstand aushält?“

Pflegeeltern müssen vorhersehbar, konsequent und wiederholend sein:
o feste Bettzeiten
o feste Pausenzeiten
o feste Essenszeiten
o Freizeitaktivitäten
Das hilft langfristig den Kindern einen Zusammenhang zwischen ihrem Verhalten und den Reaktionen der Umwelt herzustellen.

Ich-Funktionen des Kindes stärken
o während des Traumas sind die Ich-Funktionen des Kindes zusammengebrochen
o man muss das Kind dort abholen, wo es steht (seelische Entwicklung – „Ich akzeptiere dich so, wie du bist.“)
o Bereiche, die Freude bereiten, wie Sport und Freizeit (auch wenn sie des Öfteren wechseln)
o mehr mit Lob und Anerkennung arbeiten, als mit Mängeln und Tadel
o dem Kind zuhören/mit ihm sprechen und dabei an das seelische Entwicklungsalter denken (oft unterentwickelt, denn sie durften nie Kind sein)
o auf das Kind eingehen und hören, womit es sich beschäftigen möchte
o die Kinder müssen spüren, dass sie für sie da sind und wie sehr sie das Kind mögen
o das ist dann die Chance an das Kind ranzukommen und es zu beeinflussen

Worte für das Geschehene finden
Dabei ist die Würde des Kindes zu beachten. Das Leben innerhalb der Pflegefamilie sollte geplant sein und auch eingehalten werden. Bei einem Fehlverhalten des Kindes sollte man bedacht handeln. Wichtig ist das direkte Benennen des Gesehenen („Du hast das genommen, ich habe es gesehen.“) und eine korrekte Wortwahl ohne Beleidigungen („Mir ist aufgefallen …“ oder „Ich habe beobachtet…“)

Gefühle in Worte fassen
Den Kindern muss geholfen werden ihre eigenen Gefühle zu erkennen oder wiederzuerkennen. (wenn ich weine, muss ich weinen, Wut ist wichtig rauszulassen, auch Trauer). Häufig hilft einfach nur ruhiges Zuhören und Sprechen und mit einem Kind gemeinsam zu entspannen. Dabei bestimmte Themen behandeln wie:
o Alle Gefühle sind in Ordnung?
o Wie kann ich mich verhalten, wenn ich wütend, ängstlich oder traurig bin?
o Wie kann ich herausfinden, was andere Menschen fühlen?
o Wie kann ich Worte finden für meine eigenen Gefühle?
Dabei wird es für den Erwachsenen wichtig sein, realistische Erwartungen auf die Kinder zu richten. Daher hilft oft, früh herauszufinden, auf welchen Gebieten ein Kind Begabungen hat und auf welchen seine Fortschritte eher langsam sein werden.
Geduld ist sicher eine wesentliche Voraussetzung der Arbeit mit misshandelten Kindern. Diese Geduld wird immer wieder überfordert werden, das ist ganz normal. Supervision ist daher häufig unerlässlich, manchmal sogar eine eigene (weitere) Psychotherapie, um mit den unbewältigten Problemen fertig zu werden, die das Kind im Erwachsenen anstößt.

Umgang mit traumatisierten Kindern/ Schritte und Hilfen

Kinder, die in Pflegefamilien kommen, haben schwierige, teils sehr schlimme Erfahrungen in ihrem Leben gemacht (z.B. Gewalt, Trennungen, Vernachlässigungen in den schlimmsten Formen, Misshandlungen, sexueller Missbrauch).
Wie kann ich es schaffen, das Vertrauen des Kindes zu gewinnen, das eigentlich für sich beschlossen hat, niemandem mehr zu vertrauen und sich nur noch auf sich selbst verlassen will?
Je charakteristischer die eigene Welt des Kindes ist, umso mehr braucht es einen geordneten stabilen Rahmen. Damit es heilen kann, müssen die Kinder eine Chance bekommen, ungestört in ihrer Umgebung aufwachsen zu können, in der ihnen Verlässlichkeit, Wertschätzung, Geborgenheit und Halt gegeben wird. Das Eingehen einer sicheren Bindung ist grundlegend dafür, dass Kinder lernen mit Gefühlen wie Trauer, Wut und Enttäuschung umgehen zu können.
o „Du kannst dich immer auf mich verlassen. Ich lasse dich nicht im Stich.“
o „Wenn ich es dir verspreche, halte ich es auch ein.“
o „Ich werde dich vor allem beschützen, du bist hier in Sicherheit.“
o „Du bist für mich sehr wichtig. Ich habe dich gern.“

Hilfreiche und sinnvolle Grenzen
Handeln statt Reden! (wie bei einem Kleinkind ist es wenig hilfreich, dem Kind bekannte Regeln im Konfliktfall immer wieder neu zu erklären)
Die leiblichen Eltern waren nicht in der Lage, das Kind zu versorgen. Es gab keine Regeln und keine Rituale, nichts, was für ein Kind vertraut geworden wäre z.B. Gute-Nacht-Geschichten, Gespräche über Ablauf des Tages. Die Kinder entwickeln kein Vertrauen zu Erwachsenen. Die Kinder wachsen nicht mit einem Urvertrauen auf, sondern mit Umgangsgefühlen.
Grundfragen des Pflegekindes an die Pflegeeltern:
o Kann ich mich auf dich verlassen?
o Tust du auch, was du sagst?
o Kannst du mich beschützen?
o Bin ich dir wichtig?

Das Urvertrauen des Kindes ist zerstört
..sodass es trotz seines leidenschaftlichen Wunsches nach Befriedigung der drängenden Grundbedürfnisse von Pflegeeltern nicht unbedingt Gutes erwartet, sondern möglicherweise sogar mit dem schlimmsten rechnet.

Unterstützung bei der Affektregulierung
Affektregulierung – wenn das Kind auf eine Auseinandersetzung hinsteuert:
o Nicht hochschaukeln!
o Den Fluchtweg des Kindes nicht versperren – Tür offen lassen!
o Selbst einmal den Raum verlassen!
o Sagen sie. „Wir sprechen später darüber, hier ist es gerade nicht so gut. Wir reden im Wohnzimmer darüber.“!
o Gehen sie selber zur Toilette!
Haben sie Geduld! Niemand kann all die Überlegungen immer und jederzeit umsetzen.
Achten sie auf sich selbst! Wenn sie erschöpft sind, deprimiert, wütend, überfordert oder überempfindlich, sorgen sie für Unterstützung und Ruhe und nutzen sie Hilfe von Freunden und Bekannten.
Viele Pflegeeltern fühlen sich unzulänglich, da all die Liebe, Zeit und Bemühungen, sie sie ihrem Kind widmen, keine Wirkung zu haben scheinen – Aber sie haben Wirkung!

Eine positive Zukunftsperspektive aufzeigen
Dem Kind sagen, dass es die Erlebnisse überwinden kann und dass es mit der Zeit immer besser damit zurechtkommen kann. Mit dem Kind den Tagesablauf besprechen (Gefühl für Zeitabläufe – jetzt, heute, vorige Woche). Dabei das Positive, alles was gut war hervorheben. Zukunftsorientiert sprechen und das Gefühl geben, dass Krisen zu bewältigen sind. (Hilfe bei Berufsfindung/Vorstellungsgespräche)