Trauma – Definitionen, Ursachen und Erscheinungsbilder

Trauma bei Pflegekindern

Trauma ist die Bedrohung des Lebens, der körperlichen Versehrtheit. Es ist das Innen und Außen des Menschen gestört. (Hildegard Niestroy)

Psychotrauma

Psychotrauma ist eine seelische Wunde, die auf einzelne oder mehrere Ereignisse zurückgeht, bei denen im Zustand von extremer Angst und Hilflosigkeit die Verarbeitungsmöglichkeiten des Individuums überfordert werden.

…vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit den Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt. (Definition aus dem Lehrbuch Fischer und Riedner)

Ursachen

Gesunde Kinder haben die Möglichkeit, Außenreize aufzunehmen und sie zu verarbeiten. Bei Reizunterschreitung sucht das Kind nach diesen, bei Überschreitung weicht es der Stimulation aus. Wird dem Kind bei einer gesunden Entwicklung geholfen, ist es fähig, mit den äußeren Stimulationen fertig zu werden. Die mütterliche Sorge hilft als Reizschutz bei der Angstbewältigung. Wird die Reizschranke durchbrochen, erzeugt sie Stress = Angst, Hilflosigkeit, Wut, die zum Beispiel mit Weinen zum Ausdruck gebracht wird.

Wenn nun diese Schranke durchbrochen wird und das Kind Schäden an Leib und Seele erfährt, wie
o Anschreien, Schläge, Fußtritte, Verbrennungen, sexueller Missbrauch
o stundenlanges Einsperren in einem Zimmer
o Hunger, Durst, Verlust von Wärme, Nähe, Streicheleinheiten,
weil es Eltern hat, die
o rauschgiftsüchtig und/oder alkoholkrank
o oder selbst traumageschädigt sind und als Folge sich so verhalten.
Bleibt es diesen Erfahrungen permanent ausgeliefert, wird sein Vertrauen in die Eltern, das Urgefühl der Geborgenheit dadurch unwiederbringlich zerstört, sodass es sich in seiner Gegenwart nicht mehr sicher fühlen kann. Das Kind ist je nach Erfahrung schwerst bzw. mehrfach traumatisiert. Sein Selbst- und Weltverständnis ist dauerhaft erschüttert, was zu schweren Entwicklungs-, Bindungs- und Persönlichkeitsstörungen führt. (posttraumatische Belastungsstörung)

Posttraumatische Belastungsstörung

Diagnostische Kriterien:
Intruisionen – Einbrüche von Trauma-Material in den Alltag
– noch nach Jahrzehnten extrem unangenehme Wiedererinnerungen
– alles läuft wie in einem Film ab (Flashback)
– Träume können das Erlebte wieder hervorrufen/ heimsuchen

Avoidance – Vermeidung bewusst oder unbewusst, von Personen, Dinge, Situationen, je Gefühle,
die das Trauma erinnern könnten

Hyperarousal – psychovegetative Übererregung wie starke Angst, Beklemmung und Schreckhaftigkeit verbunden mit körperlichen Symptomen

Erscheinungsbilder:
Da schwer misshandelte Kinder niemanden hatten, die sie vor überwältigenden Erfahrungen, vor schweren Angstüberflutungen geschützt hat, haben sie es aufgegeben, mit Wut, Empörung, Hass oder Ablehnung zu reagieren. Sie haben es verlernt bzw. erst gar nicht gelernt. Viel mehr gehen sie, vom gesunden Menschenverstand nicht begreifbar, eine Angstbindung mit ihrem Peiniger ein. Um zu überleben, schaltet das Kind ab, kann sogar gedanklich aus dem Körper fliehen. (Ich habe oben auf dem Schrank gesessen und zugeguckt.)

Das Selbstschutzsystem ist außer Kraft gesetzt, Handeln wie Widerstand oder Flucht sind unmöglich. Das Kind ist zu schwach, aus der Gefahr zu fliehen. Letzte Möglichkeit ist die Flucht nach innen. Die beängstigenden Erfahrungen werden verdrängt, die misshandelnden oder vernachlässigenden Personen (Mutter/Vater etc.) werden idealisiert, das Kind identifiziert sich mit ihnen als Aggressor. Es kann, um die Situation auszuhalten, das Böse von der Situation, dem Peiniger abspalten, um das Gute zu erhalten, nur um selbst psychisch überleben zu können.

Diese Art von Abwehrmechanismus hilft dem Kind zwar kurzfristig, aber der Preis dafür ist hoch. Die eigene Kontrolle für Recht und Unrecht wird teilweise außer Kraft gesetzt. Stattdessen wird ein falsches gefügiges eigenes Selbst eingesetzt hinter dem es seine Realität versteckt.

Quellen: http//: www.moses-online.de/web/235/366