Trauma – Bedeutung innerpsychischer Vorgänge für das Verstehen von Verhaltensphänomenen

Angstbindung

o innerhalb der familialen Bindung, schwertraumatisiertes Kind
o Kinder haften außerordentlich intensiv an ihren Eltern
o Angstüberschwemmungen sind unerträglich
o die normalen Anpassungsstrategien sind völlig überfordert
o Selbstschutzsystem ist außer Kraft gesetzt
o Widerstand und Flucht funktionieren nicht mehr (Kind ist zu schwach)
o es bleibt nur die Flucht nach innen (verdrängt die belastenden Erfahrungen)
o das Kind idealisiert die misshandelnden oder vernachlässigenden Eltern und identifiziert sich mit ihnen als Aggressor (Leugnung, Spaltung und Formen der Dissoziation -> psychologische Notfallmaßnahmen helfen dem Kind kurzfristig)
o Realitätskontrolle wird teilweise außer Funktion gesetzt und das Kind entwickelt eine gefügiges falsches Selbst
o innere Katastrophe (Schutz und Hilfe ist durch die Eltern nicht mehr da)

Bindung

o gestörter Nachtschlaf/ Ernährungsstörung/ schwerste Ängste
o glücklicher Weise ist ein geschädigtes Kind in aller Regel in der Lage sich von schmerzlichen Erfahrungen der früheren Bindung zu distanzieren (-> neue Eltern-Kind-Beziehung einzugehen)
o eine neue Eltern-Kind-Beziehung muss sich deutlich von der Herkunftsfamilie unterscheiden
o das Kind benötigt liebevolle Menschen, die mit ihm durch dick und dünn gehen
o das Kind braucht eine positive Beziehungserfahrung, denn diese kann helfen die Vergangenheit und das Hier und Jetzt zu unterscheiden
o die Pflegeeltern müssen genau informiert sein, über das, was das Kind erlebt hat, um richtig handeln zu können
o das Kind braucht eine solidarische Haltung, um sich von den früheren Bindungspersonen lösen zu können
o versäumte Grunderfahrungen müssen nachgeholt werden, hierzu benötigt das Kind unbedingtes Wohlwollen mit einer durchaus einseitigen Rücksichtnahme auf seine Schwächen und Verletzlichkeit
o Verzicht auf Gegenseitigkeit ist notwendig bis eine Basis für ein Miteinander geschaffen ist – das kann Jahre dauern
o um sich ablösen zu können, braucht es sichere Distanz zur Vergangenheit – Umgangskontakte!!!

Übertragungsneigung/ Gegenübertragungsneigung

o frühere Beziehungserfahrungen prägen auch die Beziehungen zu den neuen Eltern
o Pflegeeltern sollten gefasst darauf sein, dass das Kind sie zeitweilig als rücksichtslos, grausam und höchst beängstigend erlebt
o bringen Misstrauen, Wut, bis Hass entgegen
o Wegen der starken Gegenübertragungen ist es wichtig, dass Pflegeeltern lernen, mit dem eigenen Ärger, der Wut und der Frustration aktiv umzugehen!