Sexualität in der Pflegefamilie – Umgang mit Pflegekindern und leiblichen Kindern

Kinderrechte im Umgang mit der Sexualität

  • Ich habe das Recht über meinen Körper zu bestimmen – wer mich anfassen darf – wer nicht.
  • Ich darf alle Zärtlichkeiten und Berührungen ablehnen, die ich nicht mag.
  • Ich darf Erwachsenen widersprechen.
  • Ich habe das Recht Notlügen und Ausreden zu gebrauchen, um einer Gefahr zu entgehen.
  • Ich darf Geschenke ablehnen.
  • Ich habe das Recht auch unfreundlich und abwesend zu sein.
  • Ich darf Hilfsdienste, Auskünfte und Antworten verweigern, wenn ich Angst habe oder Gefahr wittere.
  • Ich habe das Recht Hilfe zu rufen.
  • Ich habe das Recht meinen Gefühlen mehr zu vertrauen, als den Behauptungen und Versprechen Erwachsener.

Der Umgang mit Sexualität (Intimität) bei leiblichen Kindern im Vergleich mit Pflegekindern

Die leiblichen Kinder wachsen mit diesem Thema ganz normal auf. Dinge, wie sie mit in das elterliche Bett zu nehmen, oder gemeinsam zu baden sind selbstverständlich. Auch die Aufklärung der leiblichen Kinder stellt kein Problem dar. Mit der Monatshygiene läuft alles normal.

Anders stellt es sich in dieser Hinsicht mit Pflegekindern in der Familie dar. Das Alter der Kinder, ihre bisherigen Erfahrungen und ihre geistige Entwicklung und Reife müssen berücksichtigt werden. Häufig ist es so, dass die Pflegekinder körperlich bereits sehr weit entwickelt sind, allerdings geistig noch lange nicht ihrer körperlichen Reife entsprechend. Dementsprechend gibt es Schwierigkeiten mit der Monatshygiene und eine Aufklärung fällt den Pflegeeltern oft schwer. Es kann auch zu Situationen kommen, in denen es den  Pflegekindern schwer fällt die persönlichen Grenzen Anderer zu erkennen und zu wahren. Dort müssen die Pflegeeltern konsequent reagieren, um die eigenen Kinder vor Grenzüberschreitungen zu beschützen. Das Erleben bei der Herkunftsfamilie spielt auch eine wesentliche Rolle. Als Pflegeeltern ist man immer auch in die soziale Realität eingebunden. Das Kind braucht aber auch einen Ort, wo es mit seiner inneren Realität, mit seiner Sicht der Dinge ohne wenn und aber angenommen wird. Einen Ort, wo es im Zentrum steht und seine Sicht der Dinge maßgebend ist und seine Gefühle erlaubt sind.

Man muss dem Kind Freiraum lassen, die Möglichkeiten ungestört zu baden oder zu duschen, die Toilette zu benutzen etc.

Ein Beispiel, was mich sehr schockierte…

Zu dem Zeitpunkt war Franzi 9 Jahre und Florian 7 Jahre alt. Florian leidet unter dem Fetalen Alkoholsyndrom (FAS). Er befriedigte sich häufig, so oft er die Gelegenheit dazu hatte. Bei Franzi hatte ich es erst zweimal beobachtet. Wir waren gemeinsam auf dem Campingplatz und es war Mittagsruhe. Ich betrat den Wohnwagen und wollte die Kinder wecken, als ich dachte, ich traue meinen Augen nicht. Florian lag dort auf dem Rücken und Franzi kniete zwischen seinen Beinen und befriedigte ihn. Ich wunderte mich über mich selbst, als ich sagte, dass schönes Wetter sei und sie rausgehen und spielen sollen. Zu diesem Zeitpunkt war es sicherlich das Beste kein Spektakel darum zu machen. Hätte ich geschimpft, wäre es für die Zukunft vielleicht ein Anreiz für die Kinder gewesen etwas Verbotenes zu machen. (Namen geändert)