Sexualität in der Pflegefamilie – Besonderheiten bei missbrauchten Kindern

Die Einstellung der Pflegekinder zu Sexualität und dem anderen  Geschlecht sind oft sehr schockierend und stark durch die Erfahrungen in der Herkunftsfamilie geprägt. So kommt es vor, dass Pflegekinder sexuelle Handlungen nachahmen oder beispielsweise abwertende Haltungen zeigen. Die leiblichen Kinder sind davor zu schützen.

Um über einen vorangegangenen Missbrauch mit den Pflegeeltern sprechen zu können, braucht es meist eine lange Zeit, da sie das Geschehene auch häufig nicht klar artikulieren können. Man sollte also auch auf kleine Signale achten. Vertraut sich das Kind den Pflegeeltern an, sollten sie ihm das Gefühl geben ihm zu glauben, den Aussagen des Kindes Glauben schenken und sich von ihm an die Hand nehmen lassen. In diesem Falle sollten sich die Eltern selbst auch Hilfe oder einen Ansprechpartner zu suchen. Bevor man den Missbrauch anzeigt, sollte man jedoch genau überlegen, denn solch ein Prozess kann über Jahre andauern und bedeutet für das Kind eine erneute Konfrontation mit dem Missbrauch. Eine solche Anzeige wird in jedem Fall bearbeitet und kann nicht zurückgenommen werden. Auf Hilfe oder Verständnis Dritter hofft man häufig vergebens. Priorität hat demnach während eines solchen Prozesses der Schutz des Kindes. Erschwerend hinzu kommt, dass das Kind als Zeuge in dem Prozess keinen Anspruch auf anwaltliche Unterstützung hat.
Gerade für Jungen findet man schwer professionelle Hilfe, die ihnen hilft, das Erlebte zu verarbeiten. Die Kinder gehen oft den Weg allein und sind ihr Leben lang damit behaftet, da sie kein normales Verständnis von Sexualität entwickeln konnten, aggressives Verhalten zeigen und häufig in die Kriminalität abrutschen.

Pflegeeltern sollten sich in jedem Fall professionelle Hilfe suchen und verschiedene Fachliteratur zu Rate ziehen.

Was tun, wenn bei Pflegekindern der Verdacht besteht, es könne ein Missbrauch vorliegen?

  • Ruhe bewahren!!!!!!
  • Nicht kopflos regieren!!!
  • Eigene Wut, Gerechtigkeitsempfinden, Schrei nach Verurteilung hinten anstellen!!!

Zuerst!!!!!!! Nachdenken, Rat holen von Experten und selbst ruhig werden!!!!

Was nutzt es dem Kind???

  • Was macht ein Prozess mit dem Kind???
  • Kann ich das alles dem Kind zumuten?
  • Welche Aussichten auf Erfolg bestehen?

(Das wichtigste ist, dem Kind zu glauben, es nicht zu bedrängen und „sich an die Hand nehmen lassen“)

Nichts ist schlimmer, als dass das Kind durch die Mühlen der Justiz gezerrt wird und man ihm am Ende nicht das Gefühl vermittelt, ihm geglaubt zu haben z.B.

  • weil es einfach nicht in der Lage war vor Gericht auszusagen.
  • weil es nicht in der Lage war zu sagen, wann, wie, wie oft.
  • weil es den Fragen des gegnerischen Verteidigers nicht gewachsen war.
  • weil es aus Scham nicht immer und immer wieder darüber sprechen kann.

Woran erkennt man den vorausgegangenen Missbrauch?

Leider gibt es keinen eindeutigen Leitfaden, da alle Kinder damit anders umgehen, weil jeder die Situation anders empfunden hat, ein anderes Schamgefühl besitzt und es anders verarbeitet.

Beispiel: Junge (1. Beispiel) und Mädchen (2. Beispiel) aus unserer Familie. Beide gehen völlig verschieden mit dem Thema um und auch die sichtbaren Folgen und die psychischen Folgen sind völlig verschieden.

  1. Beispiel
    o kein Selbstwertgefühl
    o massive Essstörungen
    o Wechsel zwischen völliger Zurückgezogenheit, Normalität und Wutausbrüchen
    o Probleme im Umgang mit Mädchen
    o keine Gespräche in Richtung Sexualität
    o Diebstähle, um Essstörung zu bedienen
    o permanente Flucht vor Problemen
    o völlig gestörtes Ich-Verhalten
  2. Beispiel
    o Anbaggern von Jungen auf offener Strasse als sie kleiner war
    o willenloses Opfer für Jeden
    o kein Selbstwertgefühl
    o häufige Selbstbefriedigung als sie kleiner war
    o sprach ganz oft darüber, aber immer andere Darstellungsteile

Beispiel 1:
o wollte Weg vor Gericht
o gingen nach unzähligen Beratungen und Gesprächen mit ihm diesen Weg
o 2 Jahre von Erstattung der Anzeige bis zum Gerichtstermin
o Stress pur für alles
o Verurteilung des Täters auf Bewährung
o War für ihn nicht wirklich ein Schritt, der ihn weiterbrachte und halft seine Seele zu heilen, da er bis heute jede Form von Therapie ablehnt.

Vertrauen ist hier die allerwichtigste Voraussetzung

Jeden Schritt mit den Kindern absprechen, fragen, wem man es erzählen darf und warum es mir wichtig erscheint, das diese Person es weiß. (z.B. Lehrer, da sexuelle Aufklärung auf dem Stundenplan steht – hier mit der Schule und dem Kind nach Wegen suchen, die es ihm erträglich machen unauffällig aus der Situation herauszukommen.) Die Kinder fühlen sich oft schlecht und meinen, man sieht es ihnen an. Vertrauen sie ihrem Herzen und denken sie sich versuchsweise in die Situation der Kinder hinein.

Begleiten sie das Kind, gehen sie mit dem Kind ohne es zu bedrängen!!!!!!

Schutz des Kindes sollte erst einmal vor der Verurteilung des Täters stehen!!!!

Wie lebe ich mit dem Kind?????

  • Haben sie das Kind lieb!
  • Wenn es körperliche Nähe ablehnt – akzeptieren!
  • Wenn es in den Arm genommen werden möchte – tun!
  • Lassen sie es nicht spüren, dass es anders behandelt wird, als die anderen Kinder der Familie, es zerstört in dem Kind den Rest!
  • Grenzen setzen, wenn es andere anbaggert!
  • Alles unterbinden, was sie ihrem eigenen Kind auch nicht erlauben würden (Männer anbaggern oder an Stellen greifen, die passé sind und immer erklären, erklären, erklären!
  • Diese Kinder haben kein Urvertrauen mehr, dies herzustellen ist fast unmöglich, aber diese Kinder haben ein wahnsinniges Gespür dafür, zu merken, wenn sie anders behandelt werden.

Aber auch viel Vorsicht!!!! Nicht selten kann es zu Übertragungen kommen, oder die schlimmsten Ereignisse der Vergangenheit werden ins Heute projiziert – unbewusst. Suchen sie ein vertrauliches Gespräch mit dem Jugendamt. Im Hilfeplan sollte dies aber nicht immer wieder thematisiert werden. Wenn das Kind nicht möchte, dass andere davon erfahren, weil es sich schlecht fühlt dabei, versuchen sie die Notwendigkeit zu erklären oder finden sie mit dem Jugendamt andere Wege.