Schulformen – Neues Schulgesetz

Was geschieht in der Schuleingangsphase?

Der Übergang in die Grundschule muss von allen, d.h. von den Eltern, dem Kindergarten und der Schule gut vorbereitet werden, denn für das Kind ist der Eintritt in die Schule ein völlig neuer Lebensabschnitt. Als Schule für alle Kinder ist die Grundschule ein Ort gemeinsamer Erfahrungen. Die Kinder lernen Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und ihr eigenes Handeln und dessen Folgen zu bedenken und zu werten.

Wie lernen die Kinder im Anfangsunterricht?

Seit der Einführung neuer Lehrpläne im Schuljahr 2004/2005 bilden die Klassen 1 und 2 eine Einheit. So wird den unterschiedlichen Ausgangsbedingungen der Kinder Rechnung getragen. Die Lehrer beobachten die Kinder genau, um die jeweiligen Grundlagen und Voraussetzungen für das weitere Lernen zu erfassen. Daraus leiten sich die individuellen Fördermaßnahmen für jedes einzelne Kind ab. Der Unterricht wird so gestaltet, dass jedes Kind Lernangebote entsprechend seinen Lernvoraussetzungen erhält. Formen des offenen Unterrichts wie Werkstattangebote, Tages- und Wochenpläne oder die Arbeit in Lerngruppen sind Grundlage der Unterrichtsplanung.

Wo erhalten Kinder sonderpädagogische Förderung?

Nach der Anmeldung des Kindes veranlasst die/der Schulleiter/in die Prüfung des sonderpädagogischen Förderbedarfes. Ist dieser an der Grundschule zu gewährleisten, kann das Kind integrativ an dieser Schule lernen.

Was sind wichtige Voraussetzungen für den Schulstart?

  • sozial-emotionale Fähigkeiten und Fertigkeiten (Freunde finden, anderen helfen, miteinander teilen, mit anderen  mitfühlen)
  • lernmethodische und kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten (Mengenvorstellungen entwickeln, Freude am Entdecken, mit Fehlern umgehen lernen)
  • sprachlich-kommunikative Fähigkeiten und Fertigkeiten (klare und verständliche Sprache, Fragen stellen, Zuhören und Erzählen können)
  • körperlich-motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten (Balancieren, Schneiden, An- und Ausziehen)
  • alltags-themenorientierte Grundkenntnisse (Wissen über Natur, Technik und elementare Fragen des Lebens)
  • musisch-künstlerische Fähigkeiten

Nachwirkungen der PISA-Studie

Die Ergebnisse der PISA-Studie haben der frühen und individuellen Förderung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Daher beschloss die Kultusministerkonferenz unter anderem Maßnahmen zur besseren Verzahnung von vorschulischem Bereich und Grundschule. Angestrebt werden dabei zum Beispiel eine frühere Einschulung der Kinder, die mit einer Verbesserung der Sprachkompetenz der Schüler einhergeht, denn die Basis für Sprachgefühl und -verständnis entwickelt sich schon früh und kann so gezielt gefördert werden.

Maßnahmen, wie eine optimale Nutzung der Lernzeiten, flexible Einschulungstermine und Eingangsstufen erlauben im Grundschulbereich eine optimale Förderung. Lernstandsdiagnosen und Förderpläne ermöglichen hierbei eine Förderung von hochbegabten bis zu lernschwachen Schülern. Der Schulalltag wird von kindgemäßeren Rhythmen geprägt und erleichtert integratives Lernen. Wichtig dabei ist eine verstärkte Zusammenarbeit von Eltern, Schule, Kindergarten und Umfeld.

Pobieren statt studieren

Während für Sachsen-Anhalt die Umstrukturierung der Grundschule noch neu ist, gibt es in anderen Bundesländern schon erste Erfahrungen mit den Veränderungen in der Schuleingangsphase. Die SchulleiterInnen berichten von guten Erfahrungen mit einer flexiblen Schuleingangsphase, da die älteren Schüler auch davon profitieren. Sie lernen, indem sie den jüngeren den Lernstoff erklären und erhalten hierdurch eine Steigerung in ihrem Selbstwertgefühl. Allerdings seien Fortbildungen für Lehrer sowie Gelder für geeignete Lernmaterialien erforderlich.

Ziele der veränderten Schuleingangsphase

  • möglichst alle schulpflichtigen Kinder sollen in die wohnortnahe Grundschule aufgenommen werden
  • zurückgestellte Kinder sollen zum Einzelfall werden
  • kindgerechtes und leistungsorientiertes Lernen soll zugleich erfolgen
  • der Heterogenität (Verschiedenartigkeit) soll sich mit zieldifferenzierter Förderung gestellt werden
  • es wird sich auf variable Verweildauer der Kinder in der Schuleingangsphase von 1 bis 3 Jahren eingestellt (das 3. Schuljahr wird in der Schulpflicht nicht anerkannt)

Die Umsetzung – eine komplizierte Aufgabe

  • Abschaffung des 45-Minuten-Taktes und des Klingelzeichens (Zeit-, Lern- und Arbeitstakt werden an den Bedürfnissen der Kinder orientiert)
  • Abwechslung von Lernen, Bewegung und Freizeit
  • Vielfalt der Lernformen wird angestrebt
  • Abwechslung von freier gelenkter Arbeit und frei gestalteter und angeleiteter Unterrichtszeit
  • Tagesablauf: Beginn mit Gleitzeit und offenem Anfang, Morgenkreis, Lernzeit in Blöcken, gemeinsames Frühstück, aktive Spielpause, offene Hortarbeit und offener Schluss
  • aktive Einbindung der Eltern
  • Dokumentation  der Leistungsentwicklung der Kinder und regelmäßige gemeinsame Auswertung dieser mit ltern und Kind.

Abschluss

Die Grundvoraussetzung für das Gelingen der neuen Schuleingangsphase ist die Bereitschaft, den Prozess der Planung und Gestaltung des Unterrichts aktiver und engagiert mitzutragen. Die Lehrkräfte und SozialpädagogInnen nehmen die Rolle einer Lernbegleitung für die Schüler ein.