Schulformen – Integration behinderter Kinder

Allgemein – Das deutsche Schulwesen

Das Grundgesetz in Deutschland ermöglicht jedem Bundesland sein eigenes Schulwesen zu gestalten und die Schul-, Bildungs- und Kulturminister der einzelnen Länder machen davon, oft zum Leidwesen der Eltern und Lehrer, reichlich Gebrauch.

So kann zum Beispiel eine Einigung über die Länge der gemeinsamen Grundschulzeit, die Einführung einer Orientierungsstufe oder nach welcher Klasse das Abitur erzielt werden soll, nicht erreicht werden. Es gibt also keinen Konsens darüber, wie eine zeitgemäße Schule gestaltet sein muss.

Der größte Nachteil dieses Schulwesens wird sichtbar, wenn eine Familie in ein anderes Bundesland umzieht, was gerade in Sachsen-Anhalt aufgrund der schlechten Arbeitsmarktsituation sehr häufig geschieht. Die Wiederholung einer Klassenstufe ist vielfach unvermeidbar. Als Vorteil der großen Vielfalt kann die Möglichkeit gesehen werden, allen unterschiedlichen Elternerwartungen und kindlichen Begabungen und Interessen entsprechend für jeden Schüler eine passende Schule zu finden.

Früher hatten die Kinder nach Abschluss der Grundschule im Wesentlichen drei Schularten zur Auswahl:

  • für den „wissenschaftlichen Typ“ das Gymnasium
  • für den „technisch begabten Typ“ die Realschule
  • für den „praktisch begabten Typ“ die Hauptschule.

Heute gibt es eine große Anzahl unterschiedlicher Schulprofile, um den Anforderungen und der Verschiedenartigkeit der Schüler gerecht zu werden.

Im völligen Gegensatz dazu steht die integrative Pädagogik. Integrieren bedeutet etwas zusammen zu führen, was zuvor getrennt war, die Wiederherstellung eines Ganzen.

Was sind Integrationsschulen bzw. Integrationsklassen:

  • hier lernen auch behinderte Schüler z.B. körperbehinderte, geistig behinderte oder mehrfachbehinderte
  • Frequenz der Klassen auf 15-18 Schüler begrenzt
  • KlassenlehrerIn wird durch eine Erzieherin und für 2 bis 4 Klassen durch ein(e) SonderschullehrerIn unterstützt
  • max. 2-4 behinderte Schüler pro Klasse
  • gute Ausstattung der Räumlichkeiten.
  • Verzicht auf Benotung, sondern schriftliche Beurteilung über die Anstrengungen und Erfolge der Kinder
  • offener Unterricht

In der Integrationsschule werden behinderte Schüler nicht lebensfern ausgegrenzt, sondern erleben Normalität und werden von den nichtbehinderten Kindern in ihrer Leistungsentwicklung mitgerissen. Auch die nichtbehinderten Schüler werden in ihrer Sozialkompetenz gestärkt durch den alltäglichen Umgang mit den behinderten Kindern.

Leider stehen bei weitem nicht so viele Plätze in Integrationsklassen zur Verfügung, wie benötigt werden. Auch existiert der große Wunsch nach der Weiterführung ab der 5. Klasse bei vielen Eltern.

Wann Sonderschule?

Mein Kind

  • benötigt noch den Schonraum in der kleinen Gruppe
  • geht gern in die Sonderschule
  • hat Angst vor anderen Kindern (scheut Blicke und Fragen anderer)
  • erhält in der Sonderschule die notwendigen Therapien, die terminlich am Nachmittag nicht machbar sind

Wann Regelschule?

Mein Kind

  • hat keine Angst vor größeren Gruppen normaler Kinder
  • fragt des Öfteren, warum es nicht auf dieselbe Schule geht, wie die anderen Kinder
  • hat keine Angst vor anderen Kindern und hat einen Weg gefunden mit Fragen und Blicken anderer umzugehen
  • kann die eventuell notwendigen Therapien auch außerhalb der Schule wahrnehmen

In diesem Zusammenhang werden Kinder als „Kinder mit Behinderungen“ bezeichnet, die

  • bisher die Sonderschule besuchen würden
  • von der Aussonderung  in eine solche Schule bedroht sind
  • bisher auf einer Regelschule verblieben, aber hier keine entsprechende Förderung erhalten.

Auch Kinder mit großen Lern- und Verhaltensschwierigkeiten werden als „Kinder mit besonderem Förderbedarf“ bezeichnet.

Wann sollte mit der Integration begonnen werden?

Eine Vorbereitung auf die Integration durch den vorherigen Besuch an einer Sonderschule ist nicht notwendig. Die Kinder sollten den normalen Kindergarten in Wohnortnähe besuchen und dann mit ihrer Gruppe gemeinsam in die Schule eintreten.

Offener Unterricht – Was ist das?

  • die Kinder werden in ihren Lernbedürfnissen unterstützt (kein starrer Lehrplan)
  • die Kinder haben die Möglichkeit eigene Ziele zu entwickeln und erhalten durch den Lehrer Hinweise und Ratschläge
  • der Lehrer bietet verschiedene Methoden und Lerninhalte an
  • die Kinder können eigene Ressourcen, aber auch Grenzen erkennen (eigenes Lerntempo kennen lernen)
  • die Kinder verlieren das Bewusstsein als einzigste „besonders“ zu sein, sondern lernen zu akzeptieren, dass jeder Mensch unterschiedlich ist
  • alle Kinder sollen schließlich die selben Lernziele erreichen

Schlussgedanken

Eine Absonderung von behinderten Menschen hat in unserer Gesellschaft eine lange Tradition. Schon mit der Diagnose der Behinderung beginnen Überlegungen über einen besonderen Kindergarten oder andere spezielle Formen. Menschen sollten nicht nur auf ihre Behinderung reduziert werden!

Ohne eine Aussonderung wäre eine Integration nicht notwendig!

Quellen

Brammen, Cornelia und Struck, Peter: Für jedes Kind die richtige Schule.1998
Schöler, Jutta: Integrative Schule – Integrativer Unterricht.1993