Recht – Umgangsrecht und seine Grenzen

Was ist Umgangsrecht?

…ist Teil der Personensorge und umfasst drei Aspekte
1. persönliche Besuche
2. telefonischer Umgang
3. Briefwechsel
Es ist vordergründig ein Recht ein Kindes (§1684 I BGB), beide Eltern sind dazu verpflichtet.
Die Eltern haben auch ein Recht auf Umgang mit dem Kind. Dies kann nur ausgeschlossen werden, wenn das Kindeswohl durch den Umgang gefährdet wird.

Festlegung der Umstände des Umgangsrechts: Über den Ort, die Dauer und  den Zeitraum des
Umganges müssen sich Pflegeeltern und leibliche  Eltern verständigen und dies im Hilfeplan konkre
tisieren nach §36 KJHG. Auch kurzfristige Absprachen sind möglich. Bei Unstimmigkeiten
ist das Jugendamt verpflichtet zu vermitteln (§38 KJHG).

Festlegung von:
o Ort des Umganges (bei Pflegeeltern, im Jugendamt, …)
o Begleitung des Umganges (falls notwendig)
o Zeitpunkt des Umganges (Termin, Dauer, Rhythmus)
o Inhalte des Umganges (z.B. nach Krankheit, Stress o.ä. kein anstrengendes Wochenprogramm)
Wünsche, Bedürfnisse, Stimmungen der Eltern und des Kindes sind dabei zu beachten.

Die Pflegeeltern müssen das Kind auf die Besuchskontakte vorbereiten. Es ist alles zu unterlassen, was das Verhältnis zum Kind beeinträchtigen kann.

Was ist bei Konflikten zu beachten?

Konflikte, die sich wiederholen und nicht allein lösen lassen, sollten über das Jugendamt oder eine Erziehungsberatungsstelle vermittelt werden. Vermittlung ohne ein positives Ergebnis muss über das Gericht geregelt werden. Zum Beispiel ein  gerichtliches Verfahren nach §1666 BGB wegen Gefährdung des Kindeswohls. Das Umgangsrecht wird dann entweder entzogen oder eingeschränkt (begeleiteter Kontakt).
Es  muss dazu gehört werden:
o das Jugendamt (§50 I Nr. 7 & 8 FGG)
o die Eltern (§50a FGG)
o die Pflegeeltern (§50c FGG) (Tagebuchaufzeichnungen wann, wie, wo warum)
o Verfahrenspfleger für das Kind muss gestellt werden (§50 FGG)

Welche Rechte haben Eltern nach Ausschluss des Umgangsrechtes?

Den leiblichen Eltern stehen als Ausgleich Auskünfte zu (§1886 BGB). Bei einem Ausschluss aus Gründen der Gefährdung des Kindes müssen die Auskünfte gesammelt und in größeren Abständen den Eltern mitgeteilt werden.

Beispiele:

Die Geschwister Maria, Sabine und Inka
Die Familie hatte insgesamt fünf Kinder, die Eltern waren verheiratet. Der Vater ist türkischer Herkunft, hatte eine Dönerbude und kümmerte sich kaum um die Kinder, während sie Mutter, deutscher Herkunft zu Hause war und ihr Bestes gab.
Als die Mutter sich einer Notfall-Operation unterziehen musste wurden die Kinder der Bereitschaftspflegemutter innerhalb einer Stunde übergeben, denn die zwei größeren Geschwister hatten selbst Probleme. Das Umgangsrecht gestaltete sich hier unkompliziert. Die Mutter übergab dem Jugendamt alle Vollmachten, da sie sich erst von der OP erholen musste. Der Vater wünschte keinen Umgang, da ohnehin nicht alle Kinder seine leiblichen Kinder waren. Wir fuhren mit den Kindern in den Urlaub, während die Kinder mit der Mutter per Post und Telefon Kontakt hielten. Danach gab es zweimal wöchentlich mit der Mutter Kontakt, darüber war die Mutter sehr glücklich. Die Kinder wollten nicht schon zurück, somit wurde der Aufenthalt auf eine Woche verlängert. Nach der Übergabe an die Mutter gibt es heute noch Kontakt zu den Kindern.

Stefanie – 7 Jahre alt
Stefanies Mutter ist ledig, geistig behindert und kann weder lesen noch schreiben, ihr Vater wurde erstochen, woran sich das Kind sogar erinnern kann.
Stefanie war Schülerin der 1. Klasse und wohnte mit Mutter und Opa zusammen, der beide missbrauchte. Wegen Gefährdung des Kindeswohls kam Stefanie in eine Pflegefamilie. Eine mögliche Rückführung sollte über das Gericht entschieden werden mit einer Erteilung von Auflagen. Es wurde ein 14-tägiger Umgang geregelt bei der AWO. Psychologische Gutachten belegten die Erziehungsunfähigkeit der Mutter und die Hörigkeit zu Männern. Der Opa kam wegen Missbrauchs in ein Heim, wurde aber wegen seines Alters nicht belangt, sondern weggesperrt. Die Mutter konnte das Sorgerecht behalten und wurde von einer Familienhilfe betreut. Sie lernte einen Lebenspartner kennen, kann aber zwischen Gut und Böse nicht unterscheiden – sexuelle Neigung oder Missbrauch sind für sie nicht definierbar. Das Familiengericht entschied neu:
o Umgang mit der Tochter nur ohne Partner und mit Pflegemutter -> sonst Sorgerechtsentzug
o Stefanie verbleibt bis zum 18. Lebensjahr in Dauerpflege
o sie ist inzwischen 12 Jahre alt, die psychologische Betreuung  des Kindes hat zu spät eingesetzt und die muss ins Kinderheim

Lukas – Umgang äußerst kompliziert
Nach seiner Geburt wurde Lukas sofort von seiner Mutter getrennt, da er auf die Intensivstation musste und seiner Mutter wegen ihrer schweren Lungenkrankheit in ein anderes Krankenhaus musste. Alle anderen Familienmitglieder waren ebenfalls schwer erkrankt ohne ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Eltern hatten keinen Kontakt zu ihrem Kind wegen der großen Ansteckungsgefahr. Nur zur Mutter des Vaters bestand Kontakt (§1685 BGB dient dem Kindeswohl). Ein Amtsvormund wurde eingesetzt. Lukas wurde nach 5 Wochen Intensivbetreuung in die Pflegefamilie-Bereitschaft übergeben und musste auch weiterhin ein Vierteljahr therapiert werden, auch nachts. Das Umgangsrecht gestaltete sich schwierig, durch die Ansteckungsgefahr waren nur Post und die Sendung von Fotos möglich. Zu der Mutter des Vaters hatten die leiblichen Eltern keinen Kontakt, da diese Anzeige wegen Gefährdung des Kindeswohls stellte, weil der Vater als Tyrann, Schläger und Säufer galt. Nach Entlassung der Eltern aus dem Krankenhaus nach 3 Monaten wurde für beide ein begleitetes Umgangsrecht im Jugendamt  zweimal wöchentlich festgelegt. Die Mutter liebte ihr Kind abgöttisch, war aber nicht in der Lage dieses zu versorgen. Ihrem Mann war sie geradezu hörig. Dieser hatte kein Interesse an einem Umgang. Sie reichten bei Gericht Klage ein und wollten beide Kinder zurück. Das Gericht unterstützte diesen Antrag mit best. Auflagen:
o tägliche medizinische Versorgung der Eltern unter Aufsicht ein Jahr lang
o Mutter und Pflegemutter erledigen gemeinsam die Behördengänge und Arztbesuche
o Pflegemutter gibt Lebenshilfe
o Vater soll Umgang mit dem Kind haben, da es um die gemeinsame Sorge geht
o Vater soll sich in Alkoholtherapie begeben.
Der Vater schaffte die Auflagen nicht, es ging nicht vorwärts. Psychologische Gutachten mussten neu erstellt werden. Bei der U4 wurde bei Lukas eine Hörschädigung festgestellt. Daraus ergaben sich neue Probleme, der Vater spielte verrückt und schlug im betrunkenen Zustand wild um sich. ASD, Jugendamt und Amtsvormund waren betroffen. Da die Mutter überfordert ist, kann das Kind ihr nur mit doppelter Aufsicht das Kind übergeben werden. Lukas wurde in eine Dauerpflege übergeben, damit alle Maßnahmen wegen der Hörschädigung beibehalten werden konnten. Eine Einverständniserklärung der Mutter lag vor. Trotzdem wurde eine neue Klage vor dem Landesgericht eingereicht und der Fall neu überprüft. Trotz der Unfähigkeit der Eltern trat keine Ruhe ein. Der Vater hatte während der folgenden zwei Jahre zweimal Kontakt zu dem Kind, alle Betroffenen wurden regelmäßig von ihm tyrannisiert. Schließlich kommt es im Jahr 2005 zur Verhandlung. Durch die zweijährige Betreuung innerhalb der Pflegefamilie kommt es zu einer Verbleibendanordnung  für Lukas.
Inzwischen ist Lukas 21/2 Jahre alt und ein quicklebendiger Junge. Seine frühere schwere Krankheit ist ihm nicht anzumerken. Er wird kein Hörgerät benötigen, da die Förderung im Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte früh ansetzte und noch andauert.

Umgang mit ausländischen Kindern
Ist der schwierigste Umgang für Pflegeeltern nach unsere Erfahrung mit zwei Flüchtlingskindern aus Vietnam.

Alle Namen sind geändert