Pubertät – Identität und Geschlechterrolle

Die Pubertät gilt als eine der schwierigsten Entwicklungsphasen und ist für die ganze Familie anstrengend. Diese Zeit erfordert eine Menge Verständnis, Toleranz und Vertrauen gegenüber den Kindern. Zwischen dem Festhalten und dem Loslassen das richtige Maß zu finden, kann für uns zu einer Gradwanderung werden.
Andererseits gibt es auch in dieser Phase der Entwicklung unserer Kinder schöne Augenblicke. Kinder reifen zu Erwachsenen heran, auf die wir stolz sein können.

Doch auch für die Kinder bedeutet diese Phase eine Zeit voll Unsicherheit und einen großen Sprung von der Kindheit in das Erwachsenenalter. Sie stellen sich Fragen, wie: „Wer bin ich?“, „Welchen Sinn hat das Leben?“ und „Wo ist mein Platz?“.

Die körperlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau erkennen Kinder schon sehr früh. Dazu müssen sie sich nur selbst und uns, die Eltern ansehen. Da Kinder ihre Umwelt neugierig erforschen und ausgezeichnete Beobachter sind, spüren sie auch an Kleinigkeiten im Verhalten der Eltern, welche Unterschiede zwischen Mann und Frau  bestehen.
Die Eltern sind das große Vorbild. Jungen amen ihren Vater nach, Mädchen die Mutter. Denn Mädchen wissen, dass sie einmal eine Frau „wie Mama“ und Jungen ein Mann „wie Papa“ werden.

Wichtig ist der Spielraum, den man den Kindern gibt, um sich zu entwickeln und zu orientieren. Denn sie haben eigene Bedürfnisse und Fähigkeiten, was sich in der Pubertät wesentlich und deutlicher zeigt.

Der innere Prozess der Findung der Identität und der Ablösung berührt bei uns Eltern sowie den Kindern oder Jugendlichen sensible Gefühlspunkte. Auch die doppelte Elternschaft, Adoptiv- und Pflegefamilie bringt oft Unruhe, Unsicherheiten und Verletzungen in dieser Zeit mit sich. Auseinandersetzungen über Kleidung, Rauchen, Schminken, evtl. Alkohol, laute Musik, Hilfe im Haushalt oder der Umgang mit „neuen Freunden“ (Freundeskreis) sind an der Tagesordnung.

Unsere Pflegekinder haben ein geringes Selbstwertgefühl, das heißt sie haben wenig Empfindungen zu sich selbst und leiden an Schuldgefühlen.

Die Entwicklung der Identität ist doppelt erschwert: Einmal, weil die meisten schwerwiegende Verletzungen erlitten haben, z.B. durch Vernachlässigung und sexuelle Ausbeutung, durch Schläge und emotionale Gewalt. Dies sind Faktoren, die die Bildung des eigenen „Ichs“ der Identität erschweren.

Pflegekinder sind neben der normalen Auseinandersetzung innerhalb der Pubertät auf der Suche nach ihrer Herkunft und setzen sich besonders mit ihrer Herkunftsfamilie auseinander.

Biographiearbeit ist nötig. (Fotos oder evtl. ein Video oder andere Dinge)

Konfrontationen mit den Pflegeeltern fallen nicht selten heftig aus, denn die Fragen von Zugehörigkeit und Identität sind für Pflegekinder nicht einfach zu beantworten. Manchmal zeigen die Verhaltensweisen, von denen „früher“ nichts zu spüren war.

Nicht selten kommen psychische Belastungen zum Vorschein, von denen niemand etwas ahnte. Oftmals kommen erlittene Misshandlungen zur Sprache und stellen scheinbar bisherige Entwicklungserfolge in Frage. Das Pflegekind plötzlich überwältigende Erfahrungen können den Alltag in der Pflegefamilie maßgeblich beeinflussen.

Auch wenn es nicht einfach und immer mit Geduld zu ertragen ist, finde ich, dass man gerade in dieser Zeit sehr viel Zuneigung und Einfühlungsvermögen zeigen sollte und vielleicht auch über die eigenen Erinnerungen, sei es positiv oder auch nicht, erzählen sollte, um somit evtl. zusätzliches Vertrauen und das Verhältnis ein wenig zu entspannen und zu stärken.