Pubertät – Identität, Sozialrollendefinition, Konflikte in der Familie

Als eine der schwierigsten Entwicklungsphasen gilt die Pubertät. Hat man ein Kind im Alter von 11 und 15 Jahren und erwähnt das vor anderen, kann man sich des Mitleids seiner Mitmenschen sicher sein. Kommentare wie „Na dann mach dich auf was gefasst!“ oder auch „Viel Spaß dann!“ sind dann nicht selten zu hören.

In dem Buch „Und plötzlich sind die dreizehn oder: Die Kunst einen Kaktus zu umarmen“ fand ich folgende Aussage (und ich fand meinen Sohn (15) darin): „Die Pubertät ist eine Phase, in der Kinder mit niemandem in der Familie etwas zu tun haben wollen, in einem Chaos hausen, das sie „mein Zimmer“ nennen, und nur dreimal am Tag auftauchen, um etwas Essbares hinunterzuschlingen und die Familie anzuknurren.“ Und weiter „Jugendliche zwischen 13 und 16 sind in der Regel so ausgeglichen wie ein Jojo und so zugänglich wie ein Wüstenkaktus.“ (Arp, Claudia, 2004)

In der Tat kann die Pubertät unserer Kinder für die ganze Familie anstrengend werden. Die meisten Eltern erleben Zeiten der Ermüdung, der Entmutigung, der Verzweiflung. Wohl keine Zeit im Kinderleben wird von Pflege- und Adoptiveltern so sehr gefürchtet, wie die Pubertät.

Häufig kommt nach einer harmonischeren und ruhigeren Phase in der Familie mit dem Kind plötzlich oder schleichend der Umschwung. Das Verhalten der Kinder wird trotziger, die Stimmung schwankt extrem. Sie erzählen kaum oder gar nicht mehr, was sie außerhalb der Familie erleben. Sie scheinen ihre Individualität zu verlieren, passen sich dem Modetrend an und die Meinung der Altergenossen wird immer wichtiger. Eltern sind in dieser Zeit eigentlich nur peinlich.

Wie Kleinkinder brauchen Jugendliche mehr Schlaf als Erwachsene. Eine verzögerte Bildung des Hormons Melantonin verhindert aber, dass sie rechtzeitig müde werden. So gehen viele Jugendliche erst nach Mitternacht ins Bett und können trotzdem noch nicht schlafen.

Doch es gibt eine Hoffnung für gestresste Eltern: Wenn der hirnorganische Umbauprozess erfolgreich verlaufen ist, ist die notwendige Struktur für diesen Gedankengang entwickelt:

ERST HAUSAUFGABEN MACHEN;
DANN DEN MÜLL RUNTERBRINGEN;
DANN DIE FREUNDE TREFFEN.

Die Phase der Pubertät ist nicht nur für die Eltern, sondern auch für das Kind schwierig. Denn es erlebt sie als eine Zeit der Unsicherheit, eine Zeit der großen Sprünge von der Kindheit in das Erwachsenenalter. Es bewegt sich vor und zurück, mit einer Plötzlichkeit, die das Kind selbst nicht begreift.

Innere und äußere Veränderungen stürzen es in Unruhe, die es nicht nur anzunehmen lernen muss. Aus ihnen erwachsen auch die Fragen „Wer bin ich?“, Welchen Sinn hat das Leben?“, „Wo ist mein Platz in dieser Gesellschaft?“. Die Suche nach einer Antwort bildet die Grundlage des Jugendlichen auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

Bei unseren Pflege- und Adoptivkindern fallen die Probleme, die eine Pubertät mit sich bringt noch stärker ins Gewicht, wenn die Fragen auftauchen: Wo komme ich her? Wem sehe ich ähnlich? Wessen Fähigkeiten habe ich geerbt?

Während dieser Zeit werden unsere Nerven wirklich auf eine Zerreißprobe gestellt. Welcher Pflegemutter gelingt es schon, zum Beispiel beim Anblick ihres betrunkenen halbstarken Pflegesohnes, sein Verhalten als eine Form der Identitätssuche, als Suche nach den Wurzeln zu verstehen, die in seinem leiblichen Vater liegen? Wie soll sie sich in den Jungen sanft, ohne Wut und Enttäuschung einfühlen? Regt sich daneben nicht auch der Selbstvorwurf, nicht genug aufgepasst zu haben? Fragen werden brennend, wie zum Beispiel: Hat der Junge von uns als Pflegeeltern nicht in all den Jahren zur Genüge gesagt und vorgelebt bekommen, was recht ist und wo die Grenzen liegen?

Sieht man sich einmal an, welche Probleme die Kinder zu bewältigen haben, muss man sich nicht wundern, dass damit gleichzeitig Probleme in der Familie vorprogrammiert sind:

  • den eigenen Körper mit all seinen Schönheitsfehlern annehmen lernen (dieses Problem kann nicht mal so manch ein Erwachsener bewältigen)
  • sich der Geschlechterrolle bewusster werden
  • mit der Sexualitätsentwicklung, Scham, Erregung und Unsicherheit klarkommen (bei sexuell missbrauchten Kindern!!!)
  • sich darstellen und sich behaupten müssen (gegenüber dem anderen Geschlecht, gegenüber Erwachsenen, gegenüber der Clique, …)
  • sich abgrenzen durch Auffälligsein (äußeres Aussehen, verbal – besonders gegenüber Erwachsenen…)
  • Ausprobieren wie und wer man alles sein könnte (durch Nachahmung – auch in Bezug auf die leiblichen Eltern, Idole, Clique,…)
  • Abgrenzung und Eigendefinition: in Bezug auf Pflegeeltern und Herkunft, auf Erwachsene allgemein, auf gesellschaftliche Werte, Normen, Kontrolle und Fremdbestimmung
  • eine eigene Meinung haben wollen, einen eigenen Standpunkt suchen und dabei vielen Einflüssen gegenüber offen und zugleich von ihnen auch beeinflussbar zu sein und gleichzeitig überkritisch gegen sich und gegen Einflussnahmen sein
  • Orientierung (-slosigkeit) gegenüber der Welt, dem Konsum, der Berufswelt, dem Geld, …
  • auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

In der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ergeben sich die nächsten Schwierigkeiten. Nicht verarbeitete Traumata treten wieder zutage. Unsere Kinder kann ein Gefühl der Minderwertigkeit überkommen: Warum wollten meine Eltern mich nicht? Was bin ich wert? Werde ich genauso schlecht wie meine Eltern? Meine Eltern liebten mich nicht und wollten mich nicht.
HILFREICHE BEMERKUNGEN

o Keine Machtkämpfe zulassen!
o Dem Kind Widerstand bieten, an dem es wachsen kann!
o Das Kind achten! Es will seine Fehler selbst machen! Diese Fehler nicht vorhalten!
o Weiterhin für das Kind Vorbild sein!
o Weiterhin Grenzen und Regeln setzen!
o Statt Führung jetzt anteilnehmende Zurückhaltung!
o Trotz aller Differenzen Ansprechpartner bleiben! Neugierig sein ist erlaubt! Interesse an allem zeigen!
o Nicht dem Kind sagen, dass sein Freund/ Freundin eine Niete sei! Das Kind selbst herausfinden lassen, ob diese Partnerschaft gut ist!
o Dem Kind zeigen, dass Kontakt und Nähe zu ihm wichtig sind!

Alles was kommt, geht auch wieder!
Irgendwann ist auch die Zeit der Pubertät vorbei.

FANGT GLEICH HEUTE DAMIT AN EIN STÜCKCHEN DER NEUEN FREIHEIT FÜR EUCH SELB ST ZU NUTZEN!