FAS – Hauptsymptome und Merkmale

In Deutschland werden jährlich etwa 3000 Kinder mit körperlichen Missbildungen und geistigen Behinderungen geboren. Die Zahl der Kinder, die weniger die stigmatisierenden Gesichtsmerkmale und physischen Fehlbildungen aufweisen, dafür aber mit neurologischen Auffälligkeiten, Entwicklungsverzögerungen und/oder intellektuellen Störungen zur Welt kommen, wird offiziell sogar auf 10 000 bis 15 000 Kinder pro Jahr geschätzt!

Viele alkoholkranke Mütter sind selbst schon Kinder von alkoholabhängigen Frauen und haben FAS oder FAE.
Die Auswirkungen reichen von äußeren sichtbaren Fehlbildungen z.B. Kleinköpfigkeit, Genitalfehlbildungen bis zu Gesichtsveränderungen, wie

  • eine etwas vorgewölbte Stirn
  • flaches Mittelgesicht mit verkürztem Nasenrücken
  • Hautfalte in den mittleren Augenwinkeln
  • hängende Oberlider
  • enge Lidspalte -> schmale Augenlider
  • zur Seite fallende Lidachse -> leichtes Schielen
  • vorstehende Nasenflügel, nach außen gewölbt
  • fliehendes Kinn
  • Haarausstrich im Nacken
  • tiefansetzende, nach hinten rotierte Ohren
  • fehlende Ausrundung am Oberrand des Lippenrots -> schmales Lippenrot
  • unterentwickelte Ausbildung der Rinne zwischen Nase und Unterlippe

Zu den sichtbaren Fehlbildungen gehören auch der Minderwuchs und das Untergewicht, d.h. die Kinder sind zu klein, wenn sie geboren werden. Sehr häufig ist das schwer zu dokumentieren, weil die Frauen nicht wissen, wann sie schwanger geworden sind. Es wird dann leicht kaschiert als eine Frühgeburt. Im Gegensatz zu einem frühgeborenen Kind bleiben die Wachstumsstörungen bestehen.

Des Weiteren haben diese Kinder oft Fehlbildungen an ihren Organen z.B. Herzfehler oder Nierenfehlbildungen.
Säuglinge leiden unter Ess- und Schluckstörungen, neigen zu Krampfanfällen und haben häufig eine Muskelhypotonie.

Die Kinder sind häufig wenig intelligent, sind auffällig in ihrem sozialen Verhalten, leiden unter Konzentrationsstörungen, sind hyperaktiv, haben ein schlechtes Gedächtnis, Defizite im Sprachbereich, haben Koordinationsstörungen, leiden unter Stimmungsschwankungen und können ihre Impulsivität schlecht kontrollieren.

Die Kinder und Jugendlichen haben Störungen in ihrer Informationsverarbeitung d.h. Störungen der Sinnesorgane. Ein Mensch nimmt über seine Sinnesorgane Reize aus der Umwelt auf, die dann im Gehirn weiterverarbeitet werden. Die aufgenommenen Reize und Informationen werden im Gehirn mit schon bekanntem Wissen verknüpft und in Beziehung gesetzt und zum Teil gespeichert. Anschließend erfolgt eine Antwort an die Umwelt. Bei Kindern und Jugendlichen mit FAS können auf jeden dieser Schritte der Informationsverarbeitung Störungen stattfinden. Die Informationsaufnahme kann durch die möglichen rein funktionalen Einschränkungen oder Erkrankungen eines Kindes oder Jugendlichen mit FAS erschwert werden, z.B. haben viele Kinder verschiedenen Anomalien des Sehapparates, Hörstörungen oder auditive Störungen. Aber auch die anderen Sinne (Tastsinn, Bewegungs-, Kraft- und Stellungssinn, Gleichgewichtssinn, Geruchssinn und der Geschmackssinn) können durch Fehlbildungen in ihrer Funktion derart beeinträchtigt sein, dass eine „normale“ Reizaufnahme nicht möglich ist.

Die Informationsverarbeitung kann durch eingeschränkte Speicher- und Abrufmöglichkeiten von Gelerntem beeinträchtigt sein. Es ist vielfach nicht möglich neue Reize in Beziehung zu dem Gelernten zu setzen oder Gelerntes zum richtigen Zeitpunkt abzurufen. Dann ist folglich auch keine erwartungsgemäße, normgerechte Antwort an die Umwelt möglich. Mögliche Auswirkungen der beschriebenen Schwierigkeiten beim Prozess der Informationsverarbeitung können sein:

  1. Schwierigkeiten zu verallgemeinern – ein Kind kann sich zum Beispiel gut an das Verbot mit dem Fahrrad auf der Strasse zu fahren, auf der das Verbot konkret ausgesprochen wurde, halten. Es versteht aber nicht, dass dieses Verbot auch für umliegende Strassen gilt.
  2. Schwierigkeiten Ursache und Wirkung zu erkennen – versteht nicht, dass jedes Handeln auch Konsequenzen hat, sie können aus Fehlern nicht lernen
  3. Schwierigkeiten Gleiches und Unterschiedliches zu erkennen – es fällt schwer Gemeinsamkeiten und Unterschiede einer Situation zu erkennen. Sie erkennen die Unterschiede im Umgang mit verschiedenen Personengruppen nicht (z.B. Verwandte, Lehrer oder Gleichaltrige)
  4. Schwierigkeiten, Gelerntes zu behalten oder wieder abzurufen – es bestehen Speicherschwierigkeiten oder Probleme das Gelernte zum richtigen Zeitpunkt abzurufen
  5. Schwierigkeiten, Handlungsabfolgen zu benennen – es gelingt häufig nicht Geschehen vorauszusehen und regelmäßige Tagesabläufe zu verinnerlichen, bzw. Änderungen und deren Auswirkungen in einer gewohnten Routine zu akzeptieren.
  6. geringes Verhältnis für Zeit und Geld – Probleme mit „größer als und kleiner als“, Geld zu sparen, Umgang mit Zeitangaben und generell mit der Uhr.
  7. eingeschränktes Nachvollziehen von sozialen Zusammenhängen – sie durchschauen unausgesprochene Regeln im sozialen Miteinander nicht. Sie können sich nicht in andere Personen hineinversetzen und deren Gefühle und Empfindungen nachvollziehen.

FAS-Kinder und Jugendliche können ihr Leben nicht selbst planen und gestalten, sind oftmals leichtgläubig und verleitbar. Fremde Absichten können sie meist nicht erkennen. Sie neigen zu Angststörungen und Depressionen und fühlen sich ausgegrenzt. Anhand äußerer Fehlbildungen kann die Diagnose meist schon kurz nach der Geburt gestellt werden.

Anders bei FAE – die fetalen Alkoholeffekte. Das Kind weist nur zwei von drei folgenden FAS-Kriterien auf:

  • vor- und nachgeburtliche Wachstumsstörung
  • Störungen im zentralen Nervensystem
  • charakteristische Gesichtsmerkmale

FAS können wir sehen – FAE häufig nicht!

Man sollte nicht den Fehler begehen und denken, dass ein Kind mit einer FAE-Diagnose weniger schwer betroffen sei. Das Gegenteil ist oft der Fall. Von FAE-Kindern wird ein normales Verhalten abverlangt, was sie aber häufig nicht erbringen können. Patienten mit der Diagnose FAE entwickeln sich oft ungünstiger gegenüber FAS-Patienten, weil die körperlich sichtbare Ausprägung des Syndroms diagnostiziert wird und nicht die Effekte. Das Ausmaß der geistigen Beeinträchtigungen bleibt zumeist über viele Jahre konstant. Die meisten FAS- bzw. FAE-Patienten sind unfähig die Anforderungen des täglichen Lebens allein zu bewältigen. Die betroffenen Kinder brauchen eine besonders intensive Zuwendung. Therapieformen wie Ergotherapie, Motopädie, Kranken- und Heilgymnastik oder Logopädie sollten begleitend eingesetzt werden. Diese unterstützen die Eltern und das Kind im täglichen Leben. Die Behandlungen können ein Entwicklungsdefizit jedoch nicht ausgleichen.

Ist FAS heilbar?

Nein, FAS heilt nicht im Laufe der Zeit aus. Die Kinder bleiben auf ihrem Stand der Intelligenz. Es ist oft das große Problem von uns Pflegeeltern, dass wir uns sagen: „Wenn ich nur richtig übe, dann schafft das Kind auch die Schule“ oder uns wird eine mangelnde Erziehung und Förderung vorgeworfen. Die Kinder bleiben aber eigentlich genau dort, wo sie sind – auf dem gleichen Intelligenzniveau. FAS ist keine Schädigung aufgrund mangelnder Förderung. Es gibt nur einen geringen Grad intellektueller Besserung. Zitat von Dr. med. H. L. Spohr aus Berlin: „Es gibt keine biologische Nachreifung – jedenfalls keine, die an der Schulleistung erkennbar wäre.“.

Kinder, die im Mutterleib Alkohol ausgesetzt werden und einen Alkoholschaden davontragen, werden zu 90% nicht das aufholen, was ihnen fehlt. Diese Kinder haben bleibende Hirnschäden, die durch noch so viel Liebe und Förderung nicht wegzubekommen sind. Das bedeutet eine lebenslange Beeinträchtigung der Intelligenz bzw. des Verhaltens des Kindes.

Am Beispiel eines jungen 18-jährigen Mannes kann man das zu erwartende Verhalten bei FAS-Patienten gut veranschaulichen:
Sprachbegabung wie ein 20-jähriger
Verständnis wie ein 6-jähriger
körperliche Reife wie ein 18-jähriger
Verständnis für Geld/Zeit/Mathe wie ein 8-jähriger
seelische Reife wie ein 6-jähriger
Fähigkeiten beim Lesen wie ein 16-jähriger
soziale Fähigkeiten wie ein 7-jähriger
Fähigkeiten für das tägliche Leben wie ein 11-jähriger

Sekundäre Folgen erwachsener FAS-Patienten können sein:

  • Psychomentale Gesundheitsprobleme
  • kein Schulabschluss
  • Konflikte mit dem Gesetz
  • Haft bzw. psychiatrische Unterbringung
  • unangemessenes Sexualverhalten
  • Alkohol- und/oder Drogenprobleme
  • unselbstständiges Leben (brauchen Unterstützung in der Lebensführung)
  • Arbeitslosigkeit