Sonderpädagogischer Förderbedarf, gemeinsamer Unterricht – von Frau Krömer

1. Definition „Sonderpädagogischer Förderbedarf“

Sonderpädagogischer Förderbedarf liegt vor, wenn ein Kind in seinen Entwicklungs- und Bildungsmöglichkeiten so stark beeinträchtigt oder behindert ist,  dass es ohne zusätzliche sonderpädagogische Förderung in der allgemeinen Schule nicht oder nicht mehr gefördert werden kann.

2. Förderschulen in Sachsen-Anhalt  und deren Ziele

Förderschulen für Lernbehinderte
§ Sie umfassen die Schuljahrgänge 1 bis 9 und schließt in der Regel mit dem Abschluss der Förderschule für Lernbehinderte ab.
§ Jugendliche mit sehr guten Leistungen können den Besuch einer freiwilligen 10. Klasse beantragen um den Hauptschulabschluss zu erwerben.

Förderschulen für Geistigbehinderte
§ Diese Schüler bedürfen einer sehr umfangreichen personellen Zuwendung.
§ Der Schulbesuch endet im Regelfall nach 12 Schulbesuchsjahren mit der Vollendung des 18. Lebensjahres.

Förderschulen für Sprachentwicklung und Förderschulen mit Ausgleichsklassen
§ Diese beiden Schulen sind für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Sprache bzw. in der emotionalen und sozialen Entwicklung vorgesehen.
§ Die Lehrpläne sind angelehnt an die Grund- bzw. Sekundarschulen.
§ Beide Schulen sind Durchgangsschulen mit geplanter Rückführung in die allgemeine Schule.

Förderschulen für Körperbehinderte
§ Für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der körperlichen und motorischen Entwicklung.

Förderschulen für Gehörlose und Hörgeschädigte
§ Schule setzt festgestellten Förderbedarf im Hören voraus.

Förderschulen  für Blinde und Sehgeschädigte
à Schule mit einem Förderbedarf im Sehen.
Alle drei letztgenannten Schulen arbeiten nach Lehrplänen der Grund- bzw. Sekundarschule. Je nach können des einzelnen Schülers werden die Schuljahrgänge von 1 bis 10 vorgehalten.
Ein Abitur kann erworben werden in Form des gemeinsamen Unterrichtes.

Sonderpädagogische Förderung im gemeinsamen Unterricht

Sonderpädagogische Förderung über Förderzentren

3. Sonderpädagogische Förderung im gemeinsamen Unterricht

Schülerinnen und Schüler mit einem festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf können mit Schülerinnen und Schülern ohne sonderpädagogischen Förderbedarf gemeinsam unterrichtet werden, wenn am Lernort der allgemeinen Schule die erforderlichen Bedingungen vorgehalten werden können. Gemeinsamer Unterricht bedeutet:
§ dass eine sonderpädagogische Begleitung durch Lehrkräfte aus Förderschulen zwingend zu organisieren  ist. Durch die sonderpädagogische Begleitung sollen individuelle Förderung, Beratung und Unterstützung am Lernort abgestimmt und gesichert werden.
§ Voraussetzung für den gemeinsamen Unterricht ist die Antragstellung seitens der Erziehungsberechtigten  und eine Entscheidungsempfehlung durch eine Fachkommission, um die individuellen Voraussetzungen  und die objektiven Möglichkeiten genau abzuklären.
Für Schülerinnen und Schüler mit einem festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf im Lernen oder in der geistigen Entwicklung gelten auch im gemeinsamen Unterricht die Festlegungen der entsprechenden Förderschulform.

Gesetzliche Regelung:
Verordnung über die sonderpädagogische Förderung vom 2. August 2005

Abschnitt 6, Gemeinsamer Unterricht

  • 16, Allgemeines
    (1) Die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im gemeinsamen Unterricht ist Aufgabe der allgemeinen Schule.
    (2) Klassen an allgemeinen Schulen, in denen Schulerinnen und Schüler mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet werden, sind Klassen mit gemeinsamem Unterricht. Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in diesen Klassen wird unter Berücksichtigung der sonderpädagogischen Förderung festgelegt.
  • 17, Formen des gemeinsamen Unterrichts
    (1) Gemeinsamer Unterricht kann organisiert sein als zielgleiche oder zieldifferente Unterrichtung einzelner oder mehrerer Schülerinnen oder Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in einer Klasse der allgemeinen Schule.
    (2) Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf nehmen zielgleich am Unterricht der allgemeinen Schule teil, wenn die Inhalte der Rahmenrichtlinien der besuchten Schulform durch sie erfüllt werden können. Es gelten hier die Vorschriften der entsprechenden Schulform.
    (3) Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf nehmen zieldifferent am Unterricht der allgemeinen Schule teil, wenn die Rahmenrichtlinien der Förderschule für Lernbehinderte oder der Förderschule für Geistigbehinderte die Grundlage bilden.
  • 18, Personelle,  räumliche und sächliche Voraussetzungen für gemeinsamen Unterricht
    (1) Schülerinnen und Schüler mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf sollen gemeinsam unterrichtet werden, wenn die Erziehungsberechtigten der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf dies beantragen, die personellen, sächlichen und organisatorischen Möglichkeiten vorhanden sind oder nach Maßgabe der Haushalte geschaffen werden können und mit der gemeinsamen Beschulung und Erziehung dem individuellen Förderbedarf entsprochen werden kann.
    (2) Zu den personellen Voraussetzungen gehören je nach Bedarf die Lehrkräfte zur sonderpädagogischen Begleitung des gemeinsamen Unterrichts, gegebenenfalls pädagogische Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter. Bei Bedarf ist Eingliederungshilfe nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch – Sozialhilfe – vom 27. Dezember 2003 (BGBl. I S. 3022, 3023), zuletzt geändert durch Artikel 10 und Artikel 27 des Gesetzes vom 21. März 2005 (BGBl. I S. 818, 829, 835), in Anspruch zu nehmen. Zu den sächlichen Voraussetzungen gehören je nach Bedarf Lehr- und Lernmittel, angepasstes Mobiliar, apparative Hilfen und anderes. Zu den organisatorischen Voraussetzungen zählen unter anderem der Schülertransport, bauliche Gegebenheiten, Aspekte des schulorganisatorischen Ablaufes, Bedingungen des individuellen Tagesrhythmus, erforderliche Pflegeleistungen oder Ähnliches.
    (3) Die Schulbehörde legt die Schulen fest, an denen gemeinsamer Unterricht stattfinden soll. Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf können zum gemeinsamen Unterricht einer Schule derselben Schulform zugewiesen werden, wenn dadurch eine bessere Auslastung der personellen und materiellen Ressourcen erreicht werden kann.
    (4) Das Landesverwaltungsamt hat bei seiner Entscheidung über den gemeinsamen Unterricht im Einzelnen genau festzulegen, in welchem Umfang von Lehrerwochenstunden eine sonderpädagogische Begleitung erfolgt. Es bestimmt gegebenenfalls den zeitlichen Umfang des Einsatzes von pädagogischen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern.
    (5) Stehen sonderpädagogisch qualifizierte Lehrkräfte nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung, kann im Einzelfall für eine notwendige gemeinsame Arbeit im Klassenunterricht eine Lehrkraft der allgemeinen Schule eingesetzt werden, die sich hierfür besonders qualifiziert hat.
    (6) Lehrkräfte, die in Klassen mit gemeinsamem Unterricht tätig sind, sollen regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen, um die sonderpädagogische Kompetenz zu sichern und die Kooperation der Lehrkräfte zu stärken.