Posttraumatische Belastungsstörung – von Frau Schmidt

Eine Posttraumatische Belastungsstörung ist die Reaktion auf ein Ereignis, dass außerhalb unseres normalen Erlebens liegt. Solche unnormalen Erlebnisse können Unfälle und Gewalterfahrungen wie Überfälle, Naturkatastrophen, Vergewaltigung, Entführung, Misshandlung, Vernachlässigung, etc. sein.
Diese Erlebnisse sind so ungewöhnlich und belastend, dass der Betroffene damit völlig überfordert ist. Körperliche und psychische Funktionen sind aus dem Gleichgewicht gebracht.

Es ist durchaus möglich, dass die Auswirkungen dieser Posttraumatischen Erlebnisse erst zu einem späteren Zeitpunkt erkennbar sind.
Um diese Auswirkungen zu „sehen“, ist es notwendig, dass insbesondere Pflegeeltern sich mit dieser Thematik beschäftigen und auseinander setzen. Denn nichts erfordert so viel Kraft, wie die Ab- und Bearbeitung posttraumatischer Belastungsstörungen eines uns anvertrauten Pflegekindes. Erst das Erkennen der Kriterien kann dann deren Bearbeitung nach sich ziehen.

Zitat des Himforschers Gerald Hüther: „Langanhaltende frühe psychosoziale Belastungen bewirken eine verstärkte Ausschüttung von Stresshormonen und können die Gehirnentwicklung eines Kindes schädigen. Angst, Stress, Überreizung und Überforderung behindern die Herausformung komplexer Verschaltungen im kindlichen Gehirn. Es bilden sich biologische Narben.“
Deshalb möchte ich in meinem Vortrag hauptsächlich auf die posttraumatischen Belastungsstörungen bei Kindern bzw. Kleinkindern eingehen, da ich als Pflegemutter in diesem Bereich Beispiele benennen kann.

Denn gerade bei Kindern bzw. Kleinkindern wirken sich diese Posttraumatischen Belastungsstörungen auf ihre ganze Entwicklung und ihr Verhalten aus.
Der weiteren werde ich meine ganz persönlichen Erfahrungen im Umgang mit traumatisierten Kindern in meinen Vortrag mit einfließen lassen.

Die wichtigsten Kriterien um eine posttraumatische Belastungsstörung zu erkennen, sind aus meiner Sicht:
1. Entwicklungsverzögerung
2. Verhaltensauffälligkeiten
3. Essstörungen
4. Ängste
5. Schlafstörungen

Nun möchte ich die einzelnen Punkte etwas ausführlicher darstellen:

1. Entwicklungsverzögerung
Kommt es zu frühkindlichen posttraumatischen Belastungsstörungen, durch z.B. Vernachlässigung erfolgt meistens eine Entwicklungsverzögerung in allen Bereichen des täglichen Lebens, wie z.B. spätes Sprechen, spätes Sauber sein, etc. .  Meist leiden diese Kinder unter mangelnder Gesundheitsvorsorge und an Verhinderung notwendiger Heilmaßnahmen. Gerade die ersten drei Lebensjahre eines Menschen sind die wichtigsten in seinem ganzen späteren Leben. Hier werden die Weichen für das soziale Verhalten gestellt. Nie wieder muss ein Mensch so viel Erlernen, wie in den ersten 36 Lebensmonaten. Oftmals kann man diese Entwicklungsverzögerungen nur mit speziell geschulten Therapeuten (Logopäden, Ergotherapeuten, etc.) in den Griff bekommen.

2. Verhaltensauffälligkeiten
Die betroffenen Kinder handeln oftmals so, als seien sie noch ständig von der Gefahr bedroht und dies wirkt sich dann auf ihr Verhalten aus.
Kinder mit posttraumatischen Belastungsstörungen haben Konzentrations- und Lernschwierigkeiten.
Außerdem haben Sie häufig ein jähzorniges Verhalten und Wutanfälle bis hin zum Umfallen, Blau anlaufen und Erbrechen.
Des Weiteren sind diese Kinder in der Gruppe nicht anpassungsfähig, sie sind oftmals Einzelgängertypen. Sie können sich nicht allein beschäftigen.
Die Kinder sind beeinträchtigt im Spielen und haben wenig Kontakt mit Gleichaltrigen.
Auch versuchen sie öfters durch auffälliges Verhalten, wie z.B. „Rumkaspem“ auf sich aufmerksam zu machen.
Oftmals leben die Personen so, als ob sie ständig auf der Hut sein müssen.
Solche Belastungsstörungen kann man aber auch an emotionaler Abstumpfung erkennen.

3. Essstörungen
Kinder mit posttraumatischen Belastungsstörungen haben oftmals auch Essstörungen. Diese können z.B. Essen bis zum Erbrechen, Heißhungerattacken auf Süßes, alles Essbare in den Mund stecken oder kein Sättigungsgefühl haben, sein.

4. Ängste
Kinder die an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden, haben oftmals auch übertriebene Schreckreaktionen, Angst vorm Alleinsein und haben überhaupt Beziehungsängste. Bauen dann aber zu einer Bezugsperson so eine starke, intensive und tiefgreifende Bindung auf. Außerdem ist oftmals Angst vor körperlicher Nähe vorhanden. Eine weitere Angst konnte ich auch beobachten. Sie äußerte sich so, dass das Kind ständig denkt, es könnte zu kurz kommen.

5. Schlafstörungen
Kinder mit posttraumatischen Belastungsstörungen leiden oftmals unter Alpträumen und haben somit akute Schlafstörungen, wie Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass diese genannten Kriterien nicht alle gemeinsam auftreten müssen. Aber in den meisten Fällen sind sie alle erkennbar.
Die Kinder mit dieser Erkrankung brauchen ganz viel Zeit und die Unterstützung des persönlichen Umfeldes, um die schrecklichen Erfahrungen und Erlebnisse verarbeiten zu können.