Definitionen, Ursachen und Erscheinungsbilder psychischer Störungen – von Angelika Raitzsch

Eine kurze Zusammenfassung  aus „Buch der Seelen“ von Varda Hasselmann
Psyche ist u. a. ein nicht-materielles Verdauungsorgan des Menschen, das Angst bewältigt und Realität spiegelt. Psyche kann unterschiedlich komplex sein und kann in dieser Hinsicht verglichen werden mit einer Spiegelkugel, die aus mehr oder weniger vielen Spiegelflächen besteht. Eine Kugel mit wenigen Spiegeln liefert ein sehr einfaches Bild der Realität, eine Kugel mit vielen Flächen, ein hochkomplexes Bild der Realität. Einsichtig ist, dass eine hochkomplexe Psyche Realität differenzierter darstellt, andererseits aber eher anfällig ist, verzerrte Abbilder von Realität zu bilden. Eine starke Verzerrung der Realität kann dazu führen, dass die Grundfunktion von Psyche zeitweise außer Kraft gesetzt wird, und Angst nicht mehr richtig verdaut wird.
Eine krankhaft arbeitende Psyche wird nicht nur Verzerrungen der Realität aufrechterhalten, sondern diese auch noch verstärken, so dass äußere Hilfe nötig wird, um Psyche zu ermöglichen, Angst wieder gesund verdauen zu können. Als Folge dieser Hilfe kann Verzerrung von Realität (die immer von Angst ausgelöst wird) dann auch wieder schrittweise abgebaut werden.

Mythologie und Geschichte

In der griechischen Mythologie bedeutet der Begriff der Psyche= Seele, Hauch, Atem, Schmetterling und als veralteter deutscher Gebrauch = Gemüt.
Im altgriechischen wird das Gemüt mit Thymus bezeichnet. Der Thymus bezeichnet das „Sterbliche“ und die Psyche als das „Unsterbliche“ im Menschen.
In der Medizin wird der Thymus im Gehirn auch als der Sitz des Gemütes betrachtet, der sich nach einsetzten der Pubertät extrem zurückbildet und beim Erwachsenen nur noch ein Fettrestkörper überbleibt.
(Es wäre einmal eine spätere Überlegung wert, was es bedeutet, dass die Entwicklung des Gemütes mit Rückgang des Thymus in der Pubertät abgeschlossen ist und welch große Bedeutung der Seelenpflege in der Kinder- und Jugendzeit zu kommen muss.)
Psychische Besonderheiten zu definieren ist schwierig, da die Definitionen selbst wieder Fragen aufwerfen und die Definitionen abhängig davon sind, in welchem Kontext sie aufgestellt wurden.

Der Psychiater Szasz hält die Begrifflichkeiten der Psychologie für einen Mythos, die die Patienten in der Gesellschaft abstempeln. „Abweichungen“ stellen für ihn Lebensprobleme da, die der Gesellschaft dienen, solche die die  „Gesellschaftssordnung“ bedrohen, zu kontrollieren oder gar wegzusperren.

Hippokrates glaubte, das Störung des inneren Gleichgewichtes der vier Säfte (gelbe Galle, schwarze Galle, Blut und Schleim) verantwortlich für das gestörte Verhalten sei.

Schon im Jahre 50-130 hielt man den Glauben Hippokrates für etwas eingeschränkt und warf die Theorie auf, das wohl doch emotionale Probleme ein gestörtes Verhalten verursachen können.

130-200 unterschied man emotionale Angst von physischen Ursachen.

Im Mittelalter brachte man psychische Störungen mit Dämonen in Verbindung.

Der deutsche Arzt Weyer (1515-1588) begründete schließlich die moderne Psychopathologie mit deiner These, „Der Geist kann genauso von Krankheiten befallen sein, wie der Körper“.

Philippe Pinel (1745-1826) vertrat die These, „Patienten sind kranke Menschen und psychische Störungen sind mit Unterstützung und Freundlichkeit zu behandeln, statt mit Schlägen und Bestrafungen. Sie sind Ausdruck dafür, dass psychische Funktionen unter einer übermäßigen psychischen Last zusammengebrochen sind.

I. Schwangerschaft,  Geburt und 1. Lebensjahr

Schon während der Schwangerschaft erlebt der Embryo seelische Befindlichkeiten. Es spürt ob es angenommen wird, ob es geliebt wird, wie mit ihm und seiner „Außenhülle“ umgegangen wird.
Gesellschaftlich akzeptiert wird alles, was dem Wohl des Kindes und der Mutter dient. Das bedeutet, die Familie bereitet sich freudig auf die Ankunft des Kindes vor. Die künftige Mutter pflegt sich, sie ernährt sich gesund, sie bemüht sich um eine entspannte Atmosphäre und versucht jeglichen Ärger und Stress von sich zu halten. Als Dank dafür wünschen wir ihr ein gesundes, psychisch intaktes Baby, eben eine rundum glänzende strahlende Spiegelkugel mit vielen abwechslungsreichen Fassetten, die Befindlichkeiten des Kindes spiegeln sich nach außen wieder und die Liebe, Zuneigung und Herzlichkeit der Bezugspersonen reflektiert sich in der „Spiegelkugel“ und durchdringt diese bis in den Säugling hinein. Das Baby wird geboren mit dem Gefühl des Ur-Vertrauens, als ein „Gefühl des Sich-Verlassen-Dürfens“ Hierzu ist das Kind angewiesen auf die Verlässlichkeit der Bezugspersonen, auf die „Erfahrung eines freundlichen anderen, wie auch auf die eigene  Zuverlässigkeit.
Das Gefühl, seine primäre Bezugsperson zum Geben veranlassen zu können, ist ausschlaggebend für den Eindruck, sich auf sich selbst verlassen zu können. In erster Linie geht es in diesem Punkt also um die Bedürfnisbefriedigung des Kindes durch seine Bezugspersonen, die ihm in einem gesunden Umfeld auch gewährt werden.

Erlebt der Embryo schon im Mutterleib, dass er nicht erwünscht ist, die schwangere Frau ihren Zustand negiert, sich mit Abbruchabsichten trägt, Suchtmittel einnimmt oder auch körperliche Gewalt erfährt, nimmt der Embryo schon seelischen und physischen Schaden im Mutterleib. Das bedeutet, seine kleine „Spiegelkugel“ bekommt erste kleine dunkle Flecken.

Definition FAS:
Wird ein Embryo (bis zur 9. Schwangerschaftswoche) oder Fetus (ab der 9. Schwangerschaftswoche) während seiner Entwicklung Alkohol und Alkoholabbauprodukten ausgesetzt, so wird er nicht nur in seiner Entwicklung gehemmt, sondern erfährt in Abhängigkeit von Reifestadium, Alkoholmenge und individueller Disposition weitere körperliche Entwicklungsschädigungen. Diese nachgeburtlich diagnostizierbaren Schäden in ihrem Gesamtbild fasst man unter den Begriffen fetale Alkoholeffekte (bei minderschweren Fällen) bzw. fetales Alkoholsyndrom (beim Vollbild) zusammen.

Ursache:
Alkohol gehört zu den (Gift-)Stoffen, welche die Plazentaschranke (eine die Kreisläufe von Mutter und Kind trennende Membran) durchdringen können. Da ein Embryo keine und ein Fetus nur geringe eigene Möglichkeiten zum Abbau von Alkohol hat, ist er diesem Zellgift in besonderem Maße ausgesetzt.
Hinsichtlich eines tolerablen Alkoholkonsums der Mutter während der Schwangerschaft gibt es keine gesicherten Aussagen. Neben Studien, die einen geringen Alkoholkonsum als nicht signifikant schädigend bewerten gibt es Feststellungen, nach denen selbst bei nur einmaligem größerem Alkoholkonsum bereits Fehlgeburten auftraten. Es muss zurzeit davon ausgegangen werden, dass jeder Alkoholkonsum ein grundsätzliches Risiko darstellt und keine Grenze benannt werden kann, unter der Alkoholkonsum in der Schwangerschaft mit Sicherheit keine Schädigung des Kindes nach sich zieht.

Erscheinungsbild:
Kinder mit FAS weisen häufig mehrere Fehlbildungen aus einer Liste möglicher korrespondierender Fehlbildungen auf. Dies sind:
Körperlich:
§ Minderwuchs und/oder Untergewicht
§ mangelndes Unterhautfettgewebe
§ kleiner Kopfumfang (Mikrozephalie)
§ schrägstehende Augenöffnungen
§ eine kurze, flache Nase
§ schmale Oberlippe
§ fehlendes oder schwach ausgebildetes Philtrum (Rinne zwischen Nase und Oberlippe)
§ Fehlbildungen der inneren Organe (Herz, Nieren, etc.)
§ Steißbeingrübchen
§ Fehlbildung der Genitalien und Extremitäten
Kognitiv
§ allgemeine Entwicklungsretardierung bis zur Unselbstständigkeit
§ Koordinationsschwierigkeiten
§ Konzentrationsschwierigkeiten
§ schlechtes Gedächtnis
§ Hyperaktivität / Schlafstörungen
§ Schwierigkeiten bei der Reizverarbeitung
§ gestörtes Sozialverhalten
§ fehlendes Hungergefühl

II. 2.- 3. Lebensjahr

Dieser Lebensabschnitt  ist entscheidend für das Verhältnis zwischen Liebe und Hass, Bereitwilligkeit und Trotz, freier Selbstäußerung und Gedrücktheit. Wichtig wird die zunehmende Autonomieentwicklung des Kindes und ihre Bedeutung für die Manifestierung eines positiven Selbstkonzeptes/Identität. Die Bedingung für Autonomie wurzelt in einem festen Vertrauen in die Bezugspersonen und sich selbst, setzt also die Bewältigung der Phase „Vertrauen kontra Misstrauen“ voraus. Sie ist abhängig von der Ausgewogenheit der Polaritäten „Nähe und Distanz“/„Festhalten und Loslassen“, manifestiert sich also innerhalb der Eltern-Kind-Interaktion. Das Kind muss das Gefühl haben, Explorieren oder seinen Willen durchsetzen zu dürfen ohne das dadurch der erworbene „Schatz“ des Vertrauen-Könnens und Geborgen-Seins in Gefahr gerät. In diesem Alter spielt die Emotion Scham eine wichtige Rolle durch weitgehende oder permanente Einschränkung der erforschenden Verhaltensweisen des Kindes. Es gibt „eine Grenze … , bis zu welcher ein Kind wie auch ein Erwachsener es ertragen kann, sich selbst, seinen Körper, seine Bedürfnisse und Wünsche als schlecht und schmutzig zu betrachten und an die Unfehlbarkeit jener zu glauben, die diese Urteil fällen“. Was sich beim Kind etabliert ist schließlich Scham und der Zweifel an der Richtigkeit der eigenen Wünsche und Bedürfnisse.

Werden dem Kind dann Forderungen nach körperlicher Nähe, Sicherheit, Geborgenheit, Nahrung etc. verweigert, wird es zurückgestoßen, oder bei der Erforschung seines Körpers sogar körperlich gezüchtigt, entwickelt es Bedrohungsgefühle und Ängste, da eine weitgehende Erfüllung dieser Bedürfnisse lebenswichtig ist, folgende Störungen resultieren aus dem ursächlichen Verlust:

Definition Bindungsunfähigkeit
Mit dem Begriff der Bindungsunfähigkeit wird die Unfähigkeit eines Menschen bezeichnet, längere und festere Bindungen zu seinen Mitmenschen einzugehen. Sie ist meist auf Beziehungen zweier Lebensgefährten bezogen. Aber auch die generelle Unfähigkeit engere Beziehungen und somit in Abhängigkeiten zu anderen Menschen zu treten wird unter dem Begriff verstanden. Diese Form der Bindungsunfähigkeit tritt vor allem im Kindesalter auf, wenn Kinder, enttäuscht durch ihre primären Bezugspartner (meist die Eltern), zu denen es eine lebensnotwendige Abhängigkeit gab, nicht mehr in der Lage sind, sich auf neue Bezugspartner (z.B. Pflegeeltern) einzulassen und keinerlei Bindung zu ihnen entwickeln. Da aber im täglichen Zusammenleben automatisch Abhängigkeiten entstehen, bedeutet dies, dass Betroffene in anderen Situationen versuchen ihre „Unabhängigkeit“ und „Eigenständigkeit“ vgl. Autonomie zu beweisen, was sich mitunter in einer erhöhten Aggressivität und anderem dissozialen Verhalten ausdrückt.

Definition Distanzlosigkeit
Die Distanzlosigkeit oder Abstandslosigkeit bezeichnet eine Charakteristik eines spezifisch sozialen Kontaktverhaltens, das im Einzelnen durch folgende Merkmale gekennzeichnet ist:
§ Kontaktsuche ohne kritische Beurteilung von sozialer Erwünschtheit, sozialer Nähe und sozialen Strukturen
§ Einsatz von Kommunikationsformen, die der eigenen sozialen Stellung zum Partner nicht angemessen sind
§ Erzwingen von sozialen Interaktionen trotz Zurückweisungen
§ Verletzen der Intimsphäre des anderen

Definition Entwicklungsstörungen:
Eine tiefgreifende Entwicklungsstörung ist eine Entwicklungsstörung, bei der eine schwere Beeinträchtigung mehrer Entwicklungsbereiche vorliegt, die in allen Situationen als wesentliches Funktionsmerkmal des betroffenen Menschen auftritt.
Die zusammengefassten Störungen haben folgende Gemeinsamkeiten:
a. Beginn ausnahmslos im Kleinkindalter oder in der Kindheit;
b. eine Entwicklungseinschränkung oder -verzögerung von Funktionen, die eng mit der biologischen Reifung des Zentralnervensystems verknüpft sind;
c. stetiger Verlauf ohne Remissionen und Rezidive.
Erscheinungsbilder:
In den meisten Fällen sind unter anderem die Sprache, die visuellräumlichen Fertigkeiten und die Bewegungskoordination betroffen. In der Regel bestand die Verzögerung oder Schwäche vom frühestmöglichen Erkennungszeitpunkt an. Mit dem Älterwerden der Kinder vermindern sich die Störungen zunehmend, wenn auch geringere Defizite oft im Erwachsenenalter zurückbleiben.
Definition: Trauma
Als Trauma (Plural: Traumata) oder Psychotrauma bezeichnet man in der Klinischen Psychologie eine von außen einwirkende Läsion der seelisch-psychischen Integrität. Der Begriff bezeichnet also nicht, wie häufig gemeint wird, das gefährliche, bedrohliche Ereignis, welches die psychischen Verarbeitungskapazitäten fast jedes Menschen übersteigt und intensive Furcht, Hilflosigkeit oder Entsetzen auslöst. Sondern er beschreibt die durch ein solches Ereignis ausgelöste Verletzung der Seele, der Psyche.

Ursachen:
Vernachlässigung oder äußere Gewalteinflüsse wirken sich dabei negativ auf die weitere seelisch-psychische Entwicklung aus und können zu einer akuten Belastungsreaktion, posttraumatischen Belastungsstörung, Anpassungsstörung oder zur Entwicklung von neurotischen Erkrankungen (Neurosen) führen.
Seelische Verletzungen treten u.a. auch durch äußere Ereignisse auf. Beispiele hierfür sind: Flucht, Krieg, Folter, Unfälle, Katastrophen, Kindesmisshandlung, Vernachlässigung, sexueller Missbrauch, Mobbing, Verschüttungen bei Bergarbeitern, Miterleben der genannten Ereignisse usw. Maßgeblich für die Folgewirkungen des Traumas ist jedoch nicht die äußere Intensität des erlebten Ereignisses, sondern die subjektive Intensität des eigenen Erlebens.

Erscheinungsbilder:
Die Auswirkungen von Traumata beeinflussen oft in starkem Maß das Leben der Betroffenen. Traumatisierte Menschen wechseln häufig zwischen dem Vermeiden von Erinnerungen an die seelische Verletzung und ihre Folgen (bis hin zu Trance-ähnlichen zuständen) auf der einen und dem plötzlichen „Überfallenwerden“ durch Erinnerungen auf der anderen Seite. Diese treten oft in Form einzelner Bilder, Gefühle, Gerüche in das Bewusstsein oder bestimmte auslösende, an das Trauma erinnernde Faktoren („Trigger“) lösen Gefühle und Angstreaktionen aus, ohne dass der oder die Betroffene dies auf das Trauma zurückzuführen vermag.
Das kann sogar dazu führen, dass anderen Menschen z.B. medizinisch notwendige Hilfe verweigert wird, weil die Trauma-Betroffenen dies als Störfall in ihrem geregelten Ablauf empfinden und die Situation schlicht ignorieren, sie als nicht existent betrachten, um sich Normalität zu suggerieren. Dieses Verhalten wird vom Unterbewusstsein gesteuert. So versuchen sie, erneute Traumata zu vermeiden.

III., 4. bis 5. Lebensjahr

Bedeutsam ist der Aspekt der „Gewissensentwicklung“ in dieser Phase. Hier geht es in erster Linie um eine gesunde Meisterung der kindlichen Moralentwicklung. Die Grundlage für die Entwicklung des Gewissens ist gelegt, das Kind fühlt sich unabhängig vom Entdeckt werden seiner „Missetaten“ beschämt und unwohl. „Aber vom Standpunkt der seelischen Gesundheit müssen wir darauf hinweisen, dass diese große Errungenschaft nicht von übereifrigen Erwachsenen überlastet werden darf; dies könnte sich sowohl für den Geist wie für die Moral selbst übel auswirken.

Denn das Gewissen des Kindes kann primitiv, grausam und starr werden, wie sich gerade am Beispiel von Kindern beobachten lässt, die sich mit einer Abschnürung ihrer Triebe durch Verbote abfinden mussten, oder von solchen Kindern, die einen über das von den Eltern gewünschte Maß hinausgehenden Buchstabengehorsam entwickeln, oder schließlich von Kindern, die tiefe Regressionen und einen dauernden Groll entwickeln, weil die Eltern selbst nicht nach den strengen Gewissenspflichten leben, die sie im Kind erweckt haben. Das Kind lernt dadurch nichts darüber, was „richtig“ und „gut“ sei, es etabliert sich bei ihm vielmehr das Gefühl, es gehe dabei um „Willkür“ und „Macht“. Gegebenenfalls verinnerlicht das Kind die Überzeugung, dass es selbst und seine Bedürfnisse dem Wesen nach schlecht seien
Findet das Kind dann mit vier oder fünf Jahren zu einer bleibenden Lösung seiner Autonomieprobleme, steht es bereits vor der nächsten Krise. Er legt hier seinen Fokus stark auf die Bewältigung oder Nichtbewältigung des „Ödipuskomplexes“. Die symbiotische Beziehung zwischen Mutter und Kind öffnet sich und das Kind realisiert die Bedeutung anderer Personen im Leben der Mutter. Insbesondere die Beziehung zwischen Mutter und Vater ist von Bedeutung, da sie eine (sexuelle) Komponente enthält, welche das Kind realisiert, aber nicht bedienen kann und soll. Hier können Eifersucht und Rivalität des Kindes mit dem jeweils gleichgeschlechtlichen Elternteil entstehen.

Definition psychogener Stupor:
Unter einem Stupor versteht man ein Symptom einer meist schweren psychischen Erkrankung.
Der Stupor ist ein Starrezustand des ganzen Körpers bei wachem Bewusstsein, Bewegungen werden nicht oder nur sehr langsam ausgeführt. Nahrung und Flüssigkeit werden nicht oder bestenfalls unter intensiver pflegerischer Hilfe aufgenommen.

Ursache:
Ein psychogener Stupor entsteht aufgrund einer heftigen emotionalen Reaktion, oft auf extreme Ereignisse (gewissermaßen „starr vor Schreck“).

Erscheinungsbilder:
Es sind keine körperlichen oder psychischen Aktivitäten erkennbar, obwohl der betroffene Mensch Umweltreize wahrnimmt und verarbeitet. Trotz Wachheit reagiert er nicht auf Kommunikationsversuche (Mutismus– psychogenes Schweigen); er wirkt starr und ausdruckslos bei extremer innerer Gespanntheit. Häufig kommt es zu Rigor, Fieber und vegetativen Symptomen. Bei depressivem Stupor können stark verlangsamte Reaktionen vorhanden sein.

Definition Sexueller Missbrauch
Sexueller Missbrauch von Kindern bezeichnet willentliche sexuelle Handlungen mit, an oder vor Kindern. Typischerweise spielt dabei ein Macht- oder Wissensgefälle zwischen dem Täter und seinem kindlichen Opfer eine zentrale Rolle. Als Kind werden nach deutschem Strafrecht Personen definiert, die das vierzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet haben.
Für den sexuellen Missbrauch von Kindern als Begriff ist der Missbrauch zentral. Sexueller Missbrauch von Kindern ist stets eine Verletzung der von vorzeitigen sexuellen Erlebnissen ungestörten Gesamtentwicklung des Kindes und damit seiner Möglichkeit zur Entwicklung sexueller Selbstbestimmungsfähigkeit. Im deutschen Recht wird die Einwilligungsfähigkeit des Kindes in sexuelle Handlungen, mithin die sexuelle Autonomie des Kindes generell verneint

Folgen sexuellen Missbrauchs
Die unmittelbaren Auswirkungen sexuellen Missbrauchs auf ein Kind sind sehr unterschiedlich. Etwa die Hälfte der betroffenen Kinder scheint keine negativen Auswirkungen zu haben (Kuehnle, 1998). Die übrigen können Angststörungen, Depressionen, ein geringes Selbstwertgefühl sowie Verhaltensstörungen entwickeln. Wenn die unmittelbare Krise vorüber ist, brauchen viele Kinder weiterhin professionelle Hilfe. Besonders bei schweren Missbrauchshandlungen entwickelt sich häufig eine posttraumatische Belastungsstörung. Untersuchungen lassen einen statistischen Zusammenhang zwischen der Erfahrung sexuellen Missbrauchs und dem Auftreten dissoziativer Identitätsstörungen, Essstörungen und Borderline-Persönlichkeitsstörungen erkennen (Davison u. Neale 2002).

Als Folgen sexuellen Kindesmissbrauchs gelten außerdem die folgenden:
Integrationsstörung: Jeder Mensch ist darauf angewiesen das, was ihm widerfährt, irgendwie gedanklich einzuordnen und zu verarbeiten. Einem sexuell unreifen Kind sind die Handlungen des Erwachsenen beim sexuellen Übergriff unverständlich: Es versteht, kurz gesagt, die Welt nicht mehr und kann das Geschehen in seine Welt und seine Geschichte nicht integrieren.

Vertrauensbruch: Ein Kind lebt gewissermaßen davon, dass es seinen Eltern Vertrauen entgegenbringt. Dieses Vertrauen ist für das Kind die einzige Quelle von Sicherheit in einer ansonsten durchaus unsicheren und gefährlichen Welt. Wird dieses Vertrauen von den Eltern durch Handeln, Hinnehmen oder Ignorieren verraten, so zerbricht für das Kind die Basis jeglicher Sicherheit.

Unausweichbarkeit: Ein Erwachsener kann sich, auch wenn die Situation noch so schrecklich ist, zumindest emotional distanzieren („das bin nicht ich“, „das ist nicht meine Welt“). Ein Kind kann das nicht. Es kennt nur die eine Welt, die seiner Familie. In dieser Welt wurde es verraten und missbraucht und hat keine Ausweichmöglichkeit außer den Welten, die schon Produkt psychischer Störungen sind.

Als Konsequenz ergibt sich, dass das Geschehen partiell vergessen wird, es aber aufgrund seiner einschneidenden Bedeutung nicht vollständig vergessen werden kann. Spätfolgen daraus resultierender Traumata sind daher häufig Amnesien und tiefsitzende, schlecht diagnostizierbare Persönlichkeitsstörungen

IV., 6. – 13. Lebensjahr

Kinder in diesem Alter wollen zuschauen und mitmachen, beobachten und teilnehmen; wollen, dass man ihnen zeigt, wie sie sich mit etwas beschäftigen und mit anderen zusammen arbeiten können. Als Werksinn wird das Bedürfnis des Kindes bezeichnet, etwas Nützliches und Gutes zu machen. Kinder wollen nicht mehr „so tun als ob“ – jetzt spielt das Gefühl an der Welt der Erwachsenen teilnehmen zu können, eine große Rolle.

Demgegenüber steht in dieser Phase die Entwicklung eines Gefühls der Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit. Dieses Gefühl kann sich immer dann etablieren, wenn der Werksinn des Kindes überstrapaziert wird. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Eltern und Lehrer dem Kind Leistung und Erfolge abtrotzen, ohne auf Pausen, Abwechslung und das kindliche Tempo zu achten. Auch Kinder, die mit Leistungsansprüchen der Erwachsenen überfordert werden und sich schließlich selbst überfordern, scheitern häufig in dieser Entwicklungsphase. Kinder fühlen sich aus anderen Gründen minderwertig und unzulänglich, wenn ihr Bedürfnis etwas zu tun „wie die Großen“ ständig unterbunden wird- aus Sorge oder weil es Aufmerksamkeit für das kindliche Tun erfordert: Sie haben den Eindruck, „nur“ ein unfähiges Kind zu sein, das an der Welt der Großen nicht teilhaben kann, weil es zu klein, zu schwach und zu unbegabt ist.
Zur Bewältigung der Krise wird es erforderlich sein, dass sich die Umwelt, das konkrete Umfeld, pädagogisch auf diese Herausforderung einlässt. Nicht nur, dass die Eltern ‚das gemalte Pferd‘ als ein Pferd akzeptieren, sondern auch im Angebot von Materialien zum Beispiel in Kindertagesstätten oder Grundschulen. „Gelegentlich spricht man von müden 6-jährigen Kindern in Kindertagesstätten, die sich langweilen, sie haben ihre ‚Kindergartenkarriere‘ abgeschlossen. Nicht selten fällt dann auf, dass es den Kindern an Herausforderungen fehlt, die zum „Werksinn“ herausfordern, zur Lust, etwas zu tun, und die herausfordern, Produkte herzustellen. Feingliedrige Konstruktionsspielmaterialien mit hohem Motivationsgrad werden in Einrichtungen im alltäglichen Prozess vermieden; zu sogenannten pädagogischen Feiertagssituationen werden sie zu selten herausgeholt.“ So Feststellungen von Schülerinnen in der Erzieherausbildung.
Definition ADHS
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) (auch als Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom oder Hyperkinetische Störung bezeichnet) ist eine bereits im Kindesalter beginnende psychische Störung, die sich primär durch leichte Ablenkbarkeit und geringes Durchhaltevermögen, sowie ein leicht aufbrausendes Wesen mit der Neigung zum Handeln ohne nachzudenken, häufig auch in Kombination mit Hyperaktivität (ADHS), auszeichnet.

Etwa 3-10% aller Kinder zeigen Symptome im Sinne einer ADHS. Jungen werden dreimal häufiger diagnostiziert als Mädchen, neuere Forschungen gehen aber von einem eher ausgewogenen Verhältnis aus. Der Schweregrad der Störung ist individuell sehr unterschiedlich. Bei bis zu 70% der betroffenen Kinder können die Symptome mit unterschiedlicher Ausprägung bis in das Erwachsenenalter hinein fortbestehen.

Ursache:
Ursächlich hierfür ist einerseits die weiter fortschreitende Vernetzung der Gesellschaft und die damit einhergehende Reizüberflutung durch ein Überangebot an Informationen, Kommunikation und medialen Reizen wie Fernsehen, Computer und Mobiltelefon und andererseits die deutlich erhöhten Anforderungen an jeden Einzelnen durch die immer schneller zunehmende Komplexität im privaten und beruflichen Leben sowie die immer häufiger vorzufindende Strukturlosigkeit in Familie, Schule und Gesellschaft. Aufgrund dieser Gegebenheiten sehen sich ADHS-Betroffene im Allgemeinen einer größeren Herausforderung gegenüber, ihr Leben zu gestalten.

In den letzten 30 Jahren wurden zumeist Erziehungsfehler, Elternproblematik, Vernachlässigung und frühkindliche Traumata für die Ursachen von ADHS gehalten und die Störungen grundsätzlich als soziales und pädagogisches Problem angesehen. Diese Ansichten werden von neueren Untersuchungen jedoch ausgeschlossen.

Erscheinungsbilder:
Sechs (oder mehr) der folgenden Symptome von Unaufmerksamkeit sind während der letzten sechs Monate in einem mit dem Entwicklungsstand des Kindes nicht zu vereinbarenden und unangemessen Ausmaß vorhanden gewesen:
§ beachtet häufig Einzelheiten nicht oder macht Flüchtigkeitsfehler bei den Schularbeiten, bei der Arbeit oder bei anderen Tätigkeiten
§ hat oft Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder beim Spielen aufrechtzuerhalten
§ scheint häufig nicht zuzuhören, wenn andere ihn/sie ansprechen
§ führt häufig Anweisungen anderer nicht vollständig durch und kann Schularbeiten, andere Arbeiten oder Pflichten am Arbeitsplatz nicht zu Ende bringen (nicht aufgrund oppositionellen Verhaltens oder Verständigungsschwierigkeiten)
§ hat häufig Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren
§ vermeidet häufig oder hat eine Abneigung gegen oder beschäftigt sich häufig nur widerwillig mit Aufgaben, die länger dauernde geistige Anstrengungen erfordern (wie Mitarbeit im Unterricht oder Hausaufgaben)
§ verliert häufig Gegenstände, die für Aufgaben oder Aktivitäten benötigt werden (z.B. Spielsachen, Hausaufgabenhefte, Stifte, Bücher oder Werkzeug)
§ lässt sich oft durch äußere Reize leicht ablenken
§ ist bei Alltagstätigkeiten häufig vergesslich

Definition Pseudodebilität
Pseudodebilität ist die Entwicklungshemmung bei Kindern und Jugendlichen (manchmal auch bei Erwachsenen) aufgrund äußerer Einflüsse (z.B. Krieg, Mangel an Zuwendung und Liebe, ungenügender Unterricht, Vernachlässigung).
Es handelt sich nicht um eine geistige Behinderung, sondern um eine vorübergehende Störung bzw. Verzögerung der Entwicklung, die durch genügend Anregung und geeigneten Unterricht wieder aufgehoben werden kann.

Ursachen:
Die Ursachen einer Pseudodebilität sind vielfältig, beispielsweise Mangel an Zuwendung und Liebe, fehlende Anregung, ungenügender Unterricht, Vernachlässigung, Verwahrlosung, Krieg oder Bürgerkrieg, Unterdrückung, extreme soziale Not, Depressionen, Angstzustände, subjektiv empfundene Überforderung und affektive Ablehnung.

Erscheinungsbilder:
Die Anzeichen von Pseudodebilität sind beispielsweise ein (angebliches) Nichtwissen und Nichtkönnen; zum Beispiel werden einfachste Fragen falsch beantwortet. Beispielsweise „3+5=40“ oder „Wie ist die Farbe des Himmels? = Rot!“
Auch das Gedächtnis, die motorische Geschicklichkeit, das Sozialverhalten und das Anpassungsvermögen können vermindert sein.
Teilweise bestehen alle Anzeichen einer „echten“ Debilität, so dass sich die beiden Krankheitsbilder zum Verwechseln ähnlich sehen.

Folgen und Komplikationen:
Eine seit der Kindheit bestehende Pseudodebilität kann dazu führen, dass das Kind als „geistig behindert“ in eine Förderschule eingeschult wird. Möglich sind auch schulische, berufliche und soziale Probleme wie etwa Isolation und Mobbing im Berufsleben sowie ein Versagen selbst bei den einfachsten Alltagstätigkeiten.
Im fortgeschrittenen Alter kann eine Pseudodebilität leicht mit einer Demenz verwechselt werden, so dass es möglicherweise zu einer Einweisung in ein Altersheim kommt.

Definition Persönlichkeitsentwicklungsstörung
Als Persönlichkeitsentwicklungsstörung bezeichnet man eine Vorform oder Risikokonstellation von einer Persönlichkeitsstörung des Erwachsenenalters. Genau wie bei Erwachsenen geht es dabei um verschiedene überdauernde Erlebens- und Verhaltensmuster, die von einem flexiblen, situationsangemessenen („normalen“) Erleben und Verhalten in jeweils charakteristischer Weise abweichen. Sie sind durch relativ starre mentale Reaktionen und Verhaltensformen gekennzeichnet, vor allem in Situationen, die für die jeweilige Person konflikthaft sind. Die persönliche und soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit ist beeinträchtigt.
Eine Persönlichkeitsentwicklungsstörung besteht dann
§ Wenn sich beim Kind oder Jugendlichen Merkmalskonstellationen finden lassen, die starke Ähnlichkeiten zu Persönlichkeitsstörungen haben
§ Wenn sich Problemverhaltensweisen bereits über einen längeren Zeitraum (mindestens ein Jahr) verfestigt und eingeschliffen haben, diese nicht auf eine Entwicklungsphase begrenzt sind und sich eine Chronifizierung deutlich abzeichnet
§ Wenn diese Problemverhaltensweisen zu erheblichen Beeinträchtigungen in mehreren Lebensbereichen führen oder schon geführt haben
§ Wenn diese nur sehr schwer sowohl therapeutisch wie pädagogisch beeinflussbar sind
§ Wenn beim Kind/Jugendlichen ein eher geringes Problembewusstsein und/oder Leidensgefühl zu erkennen ist, dafür aber das Umfeld gravierend unter den Fehlverhaltensweisen leidet
§ Wenn sich dysfunktionale Interaktionsstile ausgebildet und die Oberhand gewonnen haben und zu ständigen sozialen Kollisionen führen
§ Wenn durch die Problemverhaltensmuster die Entwicklung der Persönlichkeit des jungen Menschen in dem Sinne bedroht ist, dass ihm zunächst die soziale Integration in Familie und Schule und dann voraussichtlich im Erwachsenenalter in Beruf und Gesellschaft misslingt und damit auch die Gefahr der seelischen Behinderung (gem. §§ 39, 40, § 3 VO zu § 47 BSHG, § 35a SGB VIII und SGB IX) offensichtlich wird“ (zitiert nach Adam & Peters, 2003, Kapitel 3)

Ursachen
Die Ursachen sind ebenso vielfältig, wie die einer Persönlichkeitsstörung. Wichtig ist, die Störungsursachen mehrperspektivisch zu betrachten. Dabei sind häufig biologisch-neurologische Ursachen ebenso zu berücksichtigen, wie psychosoziale Faktoren. Eine eindimensionale Betrachtungsweise greift hier zu kurz, weil die vorhandenen Störungsbilder oft viel zu komplex sind. Man hat es häufig mit vielen „Baustellen“ zu tun.
Definition Regression
Das Wort Regression bedeutet Rückgang, Rückführung oder Rückschritt und bezeichnet
– in der Psychoanalyse den unbewussten oder bewussten Rückgriff auf kindliche Verhaltensmuster, siehe Abwehrmechanismus
– in der Wahrnehmungspsychologie den beim Lesen auftretenden Rücksprung des Blickes zu einem bereits gelesenen Textteil, siehe Blickbewegung
– in der Hypnosetherapie ein Verfahren des Rückblicks in die eigene Kindheit

Erscheinungsbilder:
Abwehrmechanismus ist ein Begriff aus der Psychologie, vor allem der Psychoanalyse. Mit ihm werden innere Vorgänge bezeichnet, die den Zweck haben, miteinander in Konflikt stehende psychische Tendenzen (Wünsche, Motive, Werte) mental so zu manipulieren, dass die resultierende seelische Verfassung konfliktfreier ist. Dies erfolgt meistens unbewusst.
Abwehrvorgänge sind nicht als solche dysfunktional, sondern müssen immer im Gesamtzusammenhang der psychischen Struktur der jeweiligen Person gesehen werden. Meistens sind sie Bestandteil der bestmöglichen inneren Konfliktlösungen, die ein Individuum im Laufe seiner psychischen Entwicklung erreichen konnte.
Abwehrvorgänge sind nicht nur als Widerstand zu verstehen, sondern dienen auch dem Schutz des psychischen Gleichgewichts.

Definition Somatoforme Störungen
Als Somatoforme Störungen werden körperliche Beschwerden bezeichnet, die sich nicht oder nicht hinreichend auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen. Dabei stehen neben Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit und Erschöpfung Schmerzsymptome an vorderster Stelle, gefolgt von Herz-Kreislauf-Beschwerden, Magen-Darm-Beschwerden, sexuellen und pseudoneurologischen Symptomen.

Ursache:
Somatoforme Störungen lassen sich normalerweise nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. Vielmehr wird ein Wechselspiel verschiedener biologischer, seelischer und sozialer Faktoren als Auslöser angenommen. Auch genetische Faktoren (z.B. eine verstärkte Reaktionsbereitschaft des vegetativen Nervensystems) werden diskutiert. Wahrscheinlich sind aber insbesondere psychosoziale Faktoren für die Entstehung und den Verlauf somatoformer Störungen von Bedeutung:
– zu lange anhaltender Stress führt zu Anspannungen oder Fehlsteuerungen innerer Organe
– ein Teufelskreis von körperlichen Reaktionen, Angst und verstärkter Wahrnehmung körperlicher Symptome
– körperliche Beschwerden als Folge seelischer Konflikte: meist unbewusste seelische Prozesse (z.B. Angst, Wut, Ärger) können sich in Körpersymptomen ausdrücken (vgl. Psychosomatik). Patienten mit somatoformen Störungen zeigen in ihren Biographien erhöhte Raten an allgemeinen Belastungsfaktoren wie niedriger sozioökonomischer Status, Scheidung, Verlust, Alkoholkrankheit, psychische Störung der Eltern oder eines Elternteils.
Darüber hinaus liegen auch erhöhte Raten an sexueller Traumatisierung und/ oder körperlichem Missbrauch vor.

Erscheinungsbilder:
§ Es können sich eine Vielzahl von Symptomen äußern:
§ im Bereich des Herzkreislaufsystems z.B. als Gefühl der Atemhemmung, Druckgefühl, Stiche, Beklemmungsgefühl in der Brust, Herzstolpern
§ im Magen-Darm-Trakt (Reizmagen und Reizdarm): Übelkeit, Völlegefühl, Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten
§ in der Gynäkologie (chronische Unterbauchschmerzen, Pelvipathiesyndrom): Schmerzen im Unterbauch mit Ausstrahlung in Leisten und Kreuzbein
§ in der Urologie (Reizblase, Urethralsyndrom, Prostatadynie): Häufiges und/ oder schmerzhaftes Wasserlassen, Gefühl erschwerter Miktion, Schmerzen im Unterbauch/ Damm
§ als Somatoforme Schmerzstörung: Anhaltende Schmerzen ohne erklärenden körperlichen Befund.
§ Häufig handelt es sich um Symptome, die auf eine starke Erregung des autonomen Nervensystems zurückgeführt werden können. Aber auch Fehlfunktionen, die über das nicht-autonome Nervensystem vermittelt sind, wie Zittern und muskulärer Hartspann oder Abweichungen im Hormonsystem sind zu beobachten.

Daneben findet man bei Patienten mit somatoformen Störungen nicht selten andere psychische Störungen, insbesondere depressive Störungen, Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen.

V., 13.-18. Lebensjahre

Identität meint, dass man weiß, wer man ist und wie man in diese Gesellschaft passt. Aufgabe des Jugendlichen ist es, all sein Wissen über sich und die Welt zusammenzufügen und ein Selbstbild zu formen, das für ihn und die Gemeinschaft gut ist. Seine soziale Rolle gilt es zu finden.

Ist eine Rolle zu strikt, die Identität damit zu stark, kann das zu Intoleranz führen. Schafft der Jugendliche es nicht, seine Rolle in der Gesellschaft und seine Identität zu finden, führt das zu Zurückweisungen. Menschen mit dieser Neigung ziehen sich von der Gesellschaft zurück und schließen sich u.U. Gruppen an, die ihnen eine gemeinsame Identität anbieten. Wird dieser Konflikt erfolgreich ausbalanciert, so mündet das in die Fähigkeit der Treue. Obwohl die Gesellschaft nicht perfekt ist, kann man in ihr leben und seinen Beitrag leisten, sie zu verbessern. (Das gleiche gilt für zwischenmenschliche Beziehungen.)

Definition Störungen des Sozialverhaltens
Störungen des Sozialverhaltens sind eine Gruppe von Psychischen Störungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Der Begriff umfasst eine große Vielfalt unkontrollierter Verhaltensweisen. Das ICD-10 versteht darunter ein sich wiederholendes und andauerndes Muster dissozialen, aggressiven oder aufsässigen Verhaltens.
Ursachen
Ein großer Einfluss scheint vom familiären Umfeld auszugehen. Es ist belegt, dass Familien, welche „ihren Kindern Zuneigung entgegenbringen, die moralische Grundsätze klar zum Ausdruck bringen und von ihren Kindern verlangen, sich daran zu halten, die Bestrafung gerecht und konsequent einsetzen und ihr Verhalten erklären und begründen“, in der Regel keine verhaltensgestörten Kinder aufziehen.

Ein weiteres Modell zur Entwicklung der Störung des Sozialverhaltens besagt, dass hier die Kombination von verschiedenen Faktoren, ein Auftreten der Störung begünstigen und das vermehrte Auftreten ungünstiger Entwicklungsbedingungen auch eine Aussage über den Verlauf der Störung zulassen. Hier spielen sowohl ungünstige Temperamentsfaktoren beim Kind (motorische Unruhe, Impulsivität und Aufmerksamkeitsstörungen) sowie die Neigung des Kindes zu sozialen Regelübertretungen zum Erreichen eigener Ziele oder um den Selbstwert zu steigern eine Rolle. Auf der Seite der Familie sind besonders emotionale Vernachlässigung, das Miterleben elterlicher Streitigkeiten, ein gewaltandrohender und Gewalt anwendender Erziehungsstil ungünstig. Ebenso wirken sich Verhaltensstörungen der Eltern erschwerend aus. Hier können sowohl Regelübertretungen und dissoziale Verhaltensweise ungünstig wirken. Auch konnte bei den Störungen des Sozialverhaltens nachgewiesen werden, dass insbesondere Jugendliche, die ein gewalttätiges Verhalten zeigen, häufig als Kinder von ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen körperlich und/oder sexuell misshandelt wurden.
Durch diese ungünstigen Einflüsse, kommt es beim Kind zu Störungen in der Entwicklung von Selbst und Selbstwert. Mögliche Einflussfaktoren sind auch Leistungsmisserfolge in der Schule (hier kann auch eine Teilleistungsschwäche, Sprachentwicklungsstörung verantwortlich sein). Das negative Selbstbild des Kindes sowie negative Zukunftserwartungen und multiple Abwehrmechanismen verzerren die soziale Wahrnehmung.

Erscheinungsbilder:
§ Deutliches Maß an Ungehorsam, Streiten oder Tyrannisieren
§ Ungewöhnlich häufige oder schwere Wutausbrüche
§ Grausamkeit gegenüber anderen Menschen oder Tieren
§ Erhebliche Destruktivität gegenüber Eigentum
§ Zündeln
§ Stehlen
§ Häufiges Lügen
§ Schuleschwänzen
§ Weglaufen von zu Hause
In vielen Fällen ist das Verhalten von Gefühllosigkeit und Boshaftigkeit sowie von einem Mangel an Reue gekennzeichnet.

Definition passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung
Die passiv-aggressive, auch negativistische Persönlichkeitsstörung, ist gekennzeichnet durch ein tiefgreifendes Muster negativistischer Einstellungen und passiven Widerstandes gegenüber Anregungen und Leistungsanforderungen, die von anderen Menschen kommen. Sie fällt insbesondere durch passive Widerstände gegenüber Anforderungen im sozialen und beruflichen Bereich auf und durch die häufig ungerechtfertigte Annahme, missverstanden, ungerecht behandelt oder übermäßig in die Pflicht genommen zu werden.

Ursachen:
Es existiert derzeit keine einheitliche Vorstellung über die Ursachen bzw. die Entstehung von Persönlichkeitsstörungen. Die Entwicklung der gesunden und gestörten Persönlichkeit wird als Ergebnis komplexer Wechselwirkungen aus Umwelt- und Anlagefaktoren gesehen.

Erscheinungsbilder:
Darunter versteht man ein Trotzverhalten, wie es in der Pubertät nicht selten zu finden ist, sich aber darüber hinaus manifestiert.
Menschen mit einer passiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung fühlen sich von anderen oft missverstanden, können anhaltend über persönliches Unglück klagen (das sie nicht selten unbewusst selbst inszenieren) und sind häufig mürrische und streitsüchtige und Zeitgenossen. Autoritäten gegenüber zeigen sie übermäßige Kritik, ja Verachtung, was ihre Position nicht gerade verbessert. Menschen, die ein offensichtlich glücklicheres Los gezogen haben, begegnen sie mit Neid, Missgunst, Groll oder einem eigenartigen, auf jeden Fall nicht nachvollziehbaren Wechselspiel zwischen feindseligem Trotz und (mitunter fast unterwürfiger) Reue.
Die Ambivalenz im Denken und Handeln und das geringe Selbstwertgefühl, das aus einer solchen Einstellung entsteht (ständige Fremd-Abwertung schlägt zuletzt in eine verheerende Selbst-Abwertung um) führen oft zu Auseinandersetzungen und Streitigkeiten mit der Umwelt. Persönliche Enttäuschungen werden häufig auf andere projiziert.

VI., Nachfolgestörungen als Ergebnis der vorangegangen psychologischen Störungen

Ich habe hier einige psychische Störungsbilder aufgeführt, die ich nach meinem Gefühl in die jeweiligen Lebensjahre integriert habe, so wie ich sie bei meiner Pflegetochter im Laufe von 3 Jahren erlebt habe.
Selbstverständlich kommen diese Störungen auch in jedem anderen Lebensabschnitt vor. Nicht näher eingegangen bin ich auf Verwahrlosung, Vernachlässigung und Misshandlung, diese sind nur die Ursachen der Störungen, die ich in Kapitel I angeführt habe und ihre weitere Fortsetzung in den anderen nachfolgenden Krankheitsbildern finden.
Alle Störungen haben jedoch eins gemeinsam, sie haben eine riesige Auswirkung auf das noch zu erwartende Leben der Kinder, je länger diese Kinder diesen Störungen und ihrem zerstörenden Umfeld ausgesetzt sind, je schwerer wird es, ihnen ein „normales“ Leben zu ermöglichen.

Selbst nur einige wenige dieser vorgenannten Störungen, ja auch nur eine dieser Krankheitsbilder verändern die Persönlichkeit des Kindes und damit auch ihr Leben. Wird in frühester Kindheit nicht erkannt, was das Kind erleiden muss, wird es im Laufe seines Lebens mit den weiteren Auswirkungen seiner bis jetzt angefallenen Probleme konfrontiert; es können sich noch folgende gravierende Störungen dazu gesellen, die mit allen Vorgenannten in ursächlichem Zusammenhang stehen:

Definition mangelnde soziale Kompetenz
Die nachfolgend angeführten Faktoren beschreiben eine Persönlichkeitsstruktur, die als Gegensatz dessen erscheint, was üblicherweise als „soziale Kompetenz“ oder „Selbstsicherheit“ bezeichnet wird: Selbstsichere Personen zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen bestimmten Anspruch entwickeln in Bezug auf ihre sozialen Bedürfnisse, dass sie imstande sind, diese Ansprüche offen zu formulieren und über die Fähigkeit verfügen, geeignete Mittel zur Durchsetzung ihrer Ansprüche einzusetzen. Jeder einzelne dieser Aspekte ist bei sozial isolierten Personen schwach oder gar nicht ausgebildet.
Wichard Puls entwickelt in seiner Studie (siehe Literatur) ein komplexes Modell von Einflussfaktoren und ihren Beziehungen untereinander, die auf die Entwicklung sozialer Isolation hinwirken und deren zentrale Komponente der Mangel an sozialer Kompetenz ist. Dieser Mangel wird gefördert durch
§ Persönlichkeitsmerkmale (Neigung zu neurotischem und psychotischem Verhalten, Introversion)
§ Störungen im kindlichen Entwicklungsprozess (siehe Bindung )
§ demographische Faktoren (geringes Einkommen, schlechte Schulbildung)
§ ablehnendes Verhalten der Interaktionspartner in Zweier- und Kleingruppen
§ gesellschaftliches Konkurrenzdenken
§ Arbeitslosigkeit
§ Der Mangel an sozialer Kompetenz ist seinerseits die Ursache für negative soziale Erfahrungen:
§ ablehnendes Verhalten der Interaktionspartner in Zweier- und Kleingruppen (verstärkende Rückkopplung auf eine der Ursachen mangelnder sozialer Kompetenz!)
§ Erfolglosigkeit in Zweierbeziehungen
§ geringes Ansehen innerhalb von Kleingruppen

Zusammen mit einigen weiteren Faktoren ist hiermit bereits der Tatbestand sozialer Isolation erfüllt. Wird dieser Tatbestand zudem auch subjektiv als Einsamkeit erlebt, so wirken sich die Einsamkeitsgefühle als zusätzlicher verstärkender Faktor auf das ablehnende Verhalten der Interaktionspartner aus. In schweren Fällen sind Einsamkeitsgefühle Auslöser für weitere Komplikationen wie die Entwicklung einer Depression oder einer Sucht (vor allem Alkoholismus), die dann ihrerseits erneut negativ auf den zentralen Faktor mangelnder sozialer Kompetenz zurückwirken. Durch diese mehrfachen Rückkopplungen im Verursachungsprozess sozialer Isolation entwickelt sich eine Art Isolationsspirale, aus der die Betroffenen in der Regel aus eigener Kraft nicht mehr entkommen können.

Definition Depression
Eine Depression, ist eine psychische Störung, die durch die Hauptsymptome gedrückte Stimmung, gehemmter Antrieb bei gleichzeitiger innerer Unruhe, Interesselosigkeit und Freudlosigkeit, ein gestörtes Selbstwertgefühl und eine Abschwächung der Fremdwertgefühle (Verlust von Interesse/Zuneigung für früher wichtige Tätigkeiten oder Bezugspersonen, Schwund der emotionalen Resonanzfähigkeit, wobei sich der Patient seiner fehlenden Fremdwertgefühle schmerzhaft bewusst wird– von Betroffenen als Gefühl der Gefühllosigkeit bezeichnet) gekennzeichnet ist.

Erscheinungsbilder:
Neben den bereits genannten Hauptsymptomen können unter anderem das Gefühl der Minderwertigkeit, Hilf- und Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle, Müdigkeit, verringerte Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit, sinnloses Gedankenkreisen, langsameres Denken, Reizbarkeit, Ängstlichkeit, vermindertes Gefühlsleben bis hin zur Unfähigkeit des Zeigens einer Gefühlsreaktion und verringertes sexuelles Interesse auftreten. Häufig tritt bei einer akuten Depression auch eine völlige Unmotiviertheit auf. Die Betroffenen werden passiv und sind zum Teil nicht in der Lage, einfachste Tätigkeiten wie Einkaufen und Abwaschen zu verrichten. Bereits das morgendliche Aufstehen kann dann Probleme bereiten („Morgentief“). Bei einigen Betroffenen tritt jedoch auch ein sogenanntes „Abendtief“ auf, d. h. die Verschlimmerung der Symptome im Tagesverlauf gegen Abend.
Negative Gedanken und Eindrücke werden häufig überbewertet und positive Aspekte nicht wahrgenommen beziehungsweise für zufällig gehalten.
Depressionen äußern sich oft auch in körperlichen Symptomen (Vitalstörungen) wie zum Beispiel Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Gewichtsabnahme, Gewichtszunahme, Verspannungen, Schmerzempfindungen im ganzen Körper, Kopfschmerzen und verlangsamten Bewegungen. Auch kann eine verstärkte Infektionsanfälligkeit beobachtet werden.

Definition Angststörungen
Angststörungen sind psychische Störungen, bei denen die Furcht vor einem Objekt oder einer Situation oder unspezifische Ängste im Vordergrund stehen. Wenn es ein solches gefürchtetes Objekt oder eine Situation gibt, spricht man von einer Phobie.
Den Phobien ist gemeinsam, dass die Betroffenen Ängste haben vor Dingen, vor denen Gesunde normalerweise keine Angst haben, die also normalerweise nicht als gefährlich gelten. Dabei erkennen die Patienten zeitweise, dass ihre Angst übermäßig oder unbegründet ist.

Erscheinungsbilder:
Herzklopfen, Pulsbeschleunigung, Schweißausbruch, Zittern, Beben, Mundtrockenheit, Hitzewallungen, Sprachschwierigkeiten. Dazu Atembeschwerden, Beklemmungsgefühl, Brustschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Auch Bewusstseinsstörungen, zum Beispiel das Gefühl, verrückt zu werden, das Gefühl, dass Dinge unwirklich sind oder man selbst „nicht richtig da“ ist, dass man nicht mehr die Kontrolle über die eigenen Gedanken hat, Benommenheit, Schwindel, Angst zu sterben, allg. Vernichtungsgefühl.

Definition Essstörungen
Mit Essstörung bezeichnet man eine Verhaltensstörung mit meist ernsthaften und langfristigen Gesundheitsschäden. Zentral ist die ständige gedankliche und emotionale Beschäftigung mit dem Thema „Essen“. Sie betrifft die Nahrungsaufnahme oder deren Verweigerung und hängen mit psychosozialen Störungen und mit der Einstellung zum eigenen Körper zusammen (Psychosomatik). Wenn die Störung zwanghaft ist, spricht man von Sucht oder Abhängigkeit.

Erscheinungsbilder:
Die bekanntesten, häufigsten und anerkannten Essstörungen sind die unspezifische Ess-Sucht, die Magersucht (Anorexia Nervosa), die Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) und die Fressattacken (englisch „Binge Eating“). Die einzelnen Störungen sind nicht klar gegeneinander abgrenzbar. Oft wechseln die Betroffenen von einer Form zur andern und die Merkmale gehen ineinander über und vermischen sich. Zentral ist immer, dass die Betroffenen sich zwanghaft mit dem Thema Essen beschäftigen. Bei allen chronisch gewordenen Essstörungen sind lebensgefährliche körperliche Schäden möglich (Unterernährung, Mangelernährung, Fettleibigkeit). Frauen sind verstärkt betroffen. Bei ihnen treten auch Störungen im Menstruationszyklus auf, bis zum totalen Aussetzen der Menstruation (Amenorrhoe).
Die Übergänge zwischen „normal“ und „krankhaft“ sind von vielen Faktoren abhängig. Ein Mensch, der aus religiösen oder ideologischen Gründen besondere Ernährungsformen pflegt oder gar sich selbst kasteit, ist nicht unbedingt essgestört. Ebenso wenig wie jemand, der sich unbekümmert ein Zuviel an Kilos auf die Rippen isst. Eine Essstörung kann sich jedoch in einem ideologisch verbrämten Umfeld etablieren oder dadurch aufrechterhalten werden. Manche Ess-Süchtige sind körperlich und in ihrem Verhalten völlig unauffällig- die Sucht spielt sich bei ihnen ausschließlich im Kopf ab.

Definition Depersonalisation
Allgemein bezeichnet Depersonalisation den Verlust bzw. die Veränderung des ursprünglichen, natürlichen Persönlichkeitsgefühls. Im speziellen Sinne versteht man unter Depersonalisation eine bestimmte Form von psychischer Störung, bei der die Betroffenen
§ ihre eigene Person (d.h. ihren Körper, ihre Persönlichkeit, ihre Wahrnehmung, ihre Erinnerung, ihr Denken, Fühlen, Sprechen oder Handeln) und / oder
§ Personen und Objekte innerhalb ihrer Umwelt
als verändert, fremd, nicht zu-sich-gehörig, leblos, fern oder unwirklich erleben. Entfremdungserlebnisse gegenüber der Umwelt werden auch als Derealisation bezeichnet. Bei primären Depersonalisationsstörungen finden sich bei den Betroffenen oft traumatische Kindheitserlebnisse wie körperlicher, emotionaler oder sexueller Missbrauch.
Häufig tritt Depersonalisation als Symptom einer anderen psychischen Störung auf. Dazu zählen in erster Linie:
§ Dissoziative Identitätsstörung
§ Borderline-Persönlichkeitsstörung
§ Posttraumatische Belastungsstörung
§ Angststörung
Depersonalisation als Symptom tritt ferner auch bei psychischen Störungen wie
§ Depression
§ Zwangsstörung
§ Asperger-Syndrom
§ Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
§ Schizotypischer Persönlichkeitsstörung
§ Burnout-Syndrom
§ verschiedenen Formen der Neurose
und bei psychischen Ausnahmezuständen wie
§ psychischer Erschöpfung
§ psychischen Krisen
§ Missbrauch psychoaktiver Substanzen (Drogen)
sowie in Folge körperlicher Krankheiten oder Defekte wie
§ Tumoren
§ Hirnläsionen
auf.

Erscheinungsbilder:
Die Symptome der Depersonalisationsstörung sind vielfältig und für die Betroffenen oft schwer in Worte zu fassen. Zu den Kernsymptomen[2] zählen:
§ Emotionale Taubheit: Betroffene klagen, dass sie nichts fühlen oder dass ihre Gefühle „flach“ oder unwirklich sind. Ihre Wahrnehmung von Personen oder Objekten „lässt sie oft kalt“, d.h. das Beobachten eines Sonnenuntergangs, die Wahrnehmung von Schmerz oder das Berühren ihres Partners löst keine Emotionen aus.
§ Veränderung des Körpererlebens: Der eigene Körper oder Teile des Körpers werden als verändert (leichter/schwerer, größer/kleiner), als leblos oder als nicht zu-sich-gehörig empfunden. Das eigene Spiegelbild oder die eigene Stimme können fremd wirken. Manche Betroffene haben das Gefühl, nur „ein Kopf ohne Körper“ oder nur „Augen ohne Körper“ zu sein.
§ Veränderung der visuellen Wahrnehmung: Viele Betroffene haben das Gefühl, „neben sich zu stehen“, so, als würden sie ihre Umwelt aus einer veränderten Perspektive (von weit weg, von außerhalb ihres Körpers, durch eine Kamera oder wie auf einer Filmleinwand etc.) sehen.
§ Gefühl der Automaten- oder Roboterhaftigkeit der eigenen Bewegungen oder mentalen Prozesse: Bewegungen können zwar problemlos willentlich und kontrolliert ausgeführt werden, doch die Betroffenen empfinden oft keine Zugehörigkeit einer bewusst ausgeführten Bewegungen zu einem eigenen willentlichen Entschluss, diese Bewegung auszuführen. Sie haben z.B. nicht das Gefühl, ihre Hand zu bewegen, sondern empfinden, dass die Hand – wie ferngesteuert- „sich bewegt“.
§ Veränderung von Gedächtnisprozessen: Auch Erinnerungen können als blass, undeutlich oder fern wahrgenommen werden. Z.B. kann ein nur wenige Stunden zurückliegendes Ereignis in der Erinnerung so empfunden werden, als läge es schon Jahre zurück. In traumatisierenden und extremen Stress-Situationen kann das Bewusstsein so weit eingeengt sein, dass das Erlebte im Gedächtnis nur fragmentarisch und zusammenhangslos abgespeichert wird. Dies kann dazu führen, dass Betroffene solche Erlebnisse später nicht verbal schildern können.
Darüber hinaus können seltener auch die auditive oder taktile Wahrnehmung, das Geschmacksempfinden oder die Zeitwahrnehmung gestört sein. Weiterhin können Gefühle von „Gedankenleere“ bestehen, die Unfähigkeit, sich visuell oder auditiv etwas vorzustellen, oder eine erhöhte Selbstbeobachtung.
Die Dauer der Entfremdungserlebnisse kann von einigen Sekunden bis hin zu mehreren Stunden oder Tagen reichen.
Trotz der vielen unterschiedlichen Äußerungsformen ist allen Entfremdungserlebnissen gemeinsam, dass sie von den Betroffenen als unangenehm und beunruhigend empfunden werden. Die Betroffenen haben das Gefühl, dass etwas anders ist, als es vor dem Auftreten der Depersonalisationserlebnisse war, und anders ist, als es eigentlich sein sollte. Sie leiden oft unter Ängsten, „verrückt zu werden“, oder auch nur solchen, von anderen „für verrückt gehalten zu werden“, wenn sie von ihren Erlebnissen erzählen.

Definition Borderline-Persönlichkeitsstörung
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) wird auch emotional instabile Persönlichkeitsstörung genannt. Zum Erscheinungsbild gehören sehr wechselhafte Stimmungen und Affekte, ein zerrüttetes Selbstbild, sehr unterschiedlich ausgeprägte Arten von traumabedingten Dissoziationen und damit verbundene Autoaggression sowie extreme zwischenmenschliche Sensibilität und extremes Emotionsgedächtnis. Vor allem die letzten beiden Symptome sind häufig Ursache für soziale Konflikte. Grundsätzlich können die Symptome bei den Betroffenen sehr unterschiedlich sein; viele davon gibt es sogar gegenteilig. Die Stärke der Störung ist von Person zu Person individuell, ebenso das damit verbundene Leiden und die individuellen Belastungserscheinungen. Es ist jedoch immer eine seelische Dauerbelastung gegeben, das Leben Betroffener ist nachhaltig beeinträchtigt.

Erscheinungsbilder:
Persönlichkeitsstörung, die durch starke emotionale Instabilität gekennzeichnet ist. Die Betroffenen können in einem Moment vergnügt sein und im nächsten von Freudlosigkeit, Angst, Wut oder Taubheit überwältigt werden. Die Auslöser sind häufig nicht der Rede wert. Eine Kritik, etwa durch einen Freund, empfindet wohl niemand als angenehm. Borderline-Patienten können Kritik jedoch nicht filtern. Schnell fühlen sie sich als Person angegriffen, ungeliebt und zurückgewiesen. Daher reagieren sie schnell sehr überzogen und können sich erst nach Stunden bis Tagen wieder beruhigen.
Ein typisches äußerliches Merkmal ist selbstverletzendes Verhalten. Klassische Beispiele dafür sind unbewusstes oder ungewolltes Aufkratzen von Mückenstichen, oder in bewusster Form (parasuizidale) Handlungen, wie das Zufügen von Biss- oder Schnittwunden. In einigen Fällen auch Suizidversuche, bis hin zum vollendeten Suizid, und dies oft in Zusammenhang mit PTBS-typischen schweren Depressionen, zerbrochenem Lebensweg, sozialen Konflikten oder sozialer Isolierung.

Definition: Posttraumatische Belastungsstörung
Die Posttraumatische Belastungsstörung fasst unterschiedliche psychosomatische Störungen zusammen, die als Langzeitfolgen eines Traumas oder mehrerer Traumata auftreten können, dessen oder deren Tragweite die Strategien des Organismus für eine abschließende Bewältigung überfordert hat. Allermeist zeigt sich eine PTBS in individuell unterschiedlichen Symptomenkomplexen. Schwere, Zeitpunkt und Dauer der zugrundeliegenden Traumatisierung haben dabei Auswirkungen auf das Ausmaß und den Grad der Manifestation der Störungen. Durch eine frühzeitige psychotherapeutische Intervention kann der Entwicklung einer PTBS entgegengewirkt werden, vergleiche Psychotraumatologie.

Besonders schwere Formen von PTBS infolge kollektiver Traumata sind etwa das so genannte KZ-Syndrom bei Überlebenden des Holocaust oder des sowjetischen Gulag Systems und das speziell im amerikanischen Sprachraum bekannte Post Vietnam Syndrom (PVS) welches in Deutschland zur Zeit des ersten Weltkriegs schon als Kriegszitterer beschrieben wurde.
Weitere Synonyme für „Posttraumatische Belastungsstörung“: Posttraumatische Belastungserkrankung, Posttraumatisches Belastungssyndrom, Psychotraumatische Belastungsstörung.

Erscheinungsbild:
§ Albträume
§ Schlafstörungen
§ Flashbacks (intrusive Symptome)
§ Teilamnesie
§ Schreckhaftigkeit
§ Konzentrationsstörungen
§ Depressionen
§ Dissoziative Störungen
§ Persönlichkeitsveränderungen
§ Bindungsstörungen
§ Interessensverlust
§ Emotionslosigkeit, im Englischen als Numbing „Abstumpfung, Betäubung“ bezeichnet Suchtverhalten
§ Vermeidungsverhalten (konstriktive Symptome) von z. B. Berührungen, aber vor allem auch von Gedanken und Gefühlen, Menschen, Orten, Situationen und Gegenständen
§ Aggressive Verhaltensmuster
§ Selbstverletzendes Verhalten
§ Angstzustände und Panikattacken bei Konfrontation oder Kontakt mit Menschen, Gegenständen, Orten oder in Situationen, die in irgendeinem Zusammenhang mit dem auslösenden Ereignis(en) stehen oder auch nur eine gewisse Ähnlichkeit zu diesem aufweisen

Erscheinungsbild bei Kindern:
§ siehe oben
bei sexuellem Missbrauch:
§ Einnässen (Enuresis) nachdem das Kind bereits „trocken“ war; bzw. alters-untypische langanhaltende Enuresis ohne „Trockenwerden“
§ Einkoten (siehe Einnässen)
§ stark sexualisiertes Verhalten
§ nicht altersgemäßes, sexuell geprägtes Spiel
Bei Kindern kann es im Anschluss an ein Trauma zum so genannten „traumatischen Spiel“ kommen. Hierbei wird das Trauma vom Kind im Spiel nachempfunden (z.B. der tödliche Unfall des Vaters.) Dies kann auch bei erwachsenen Betroffenen geschehen. Inwieweit im Kindesalter erlittene Traumata später zu anderen Störungen, wie der Borderline-Persönlichkeitsstörung, führen können wird in der Wissenschaft diskutiert.

Definition Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung
Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (komplexe PTBS) wird ein psychisches Krankheitsbild bezeichnet, das sich infolge schwerer, oft anhaltender Traumatisierungen (z.B. Misshandlungen oder sexueller Missbrauch, physische und/ oder emotionale Vernachlässigung in der Kindheit, existenzbedrohende Lebensereignisse) entwickeln kann. Es kann sowohl direkt im Anschluss an die Traumata, als auch mit zeitlicher Verzögerung (Monate bis Jahrzehnte) in Erscheinung treten. Im Unterschied zur Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ist es durch ein breites Spektrum kognitiver, affektiver und psychosozialer Beeinträchtigungen gekennzeichnet, die über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben.

Erscheinungsbild:
Im Rahmen einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung können im Verlauf der Erkrankung eine Vielzahl von Symptomen auftreten. Legt man die diagnostischen Kriterien zugrunde, mit denen die sehr ähnliche DESNOS beschrieben wurde, lassen sich die Symptome aber sechs übergeordneten Bereichen zuordnen:
I. Veränderungen in der Regulation von Affekten und Impulsen (Affektregulation, Umgang mit Ärger,  Suizidalität, Störungen der Sexualität, exzessives Risikoverhalten)
II. Veränderungen in Aufmerksamkeit und Bewusstsein (Amnesien, zeitlich begrenzte dissoziative Episoden und Depersonalisierungsstörung)
III. Veränderungen der Selbstwahrnehmung (Ineffektivität, Stigmatisierung, Schuldgefühle, Schamhaftigkeit, Isolation und Bagatellisierung)
IV. Veränderungen in Beziehungen zu anderen (Unfähigkeit anderen Personen zu vertrauen)
V. Somatisierung (Gastrointestinale Symptome, chronische Schmerzen, kardiopulmonale Symptome, Konversionssymptome, sexuelle Symptome)
VI. Veränderungen von Lebenseinstellungen (Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, Verlust früherer stützender Grundüberzeugungen)

Literatur:

Hasselmann, Varda: Welten der Seele. Goldmann 1993
Davison, Gerald C., Neale, John M. und Hautzinger, Martin: Klinische Psychologie. BELTZ PVU 2002
Adam, Albert und Peters, Monique: Störungen der Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen. Kohlhammer 2003
Puls, Wichard: Soziale Isolation und Einsamkeit. Ansätze zu einer empirisch-homologischen Theorie. Deutscher Universitätsverlag 1989