Borderline- Persönlichkeitsstörung, Besonderheiten und Umgang – von Frau Meyer-Paetz

Einleitung

Zu Beginn des Seminars im Juni, hatte ich keine Ahnung, was Borderline eigentlich ist.
Ich kannte nur das Lied „Borderline“ von Madonna. Ich hatte zwar das Wort schon einmal gehört, aber das damit eine Krankheit gemeint ist, dass wusste ich nicht.
Ich fand es sehr interessant, vor allem passt diese Krankheit zu Pflegekindern.
Das Thema Borderline war aus meiner Sicht im Seminar zu „kurz“ gekommen.
Aus diesem Grund habe ich mich für dieses Thema entschieden.
Ich möchte Frau Göhner danken, dass ich das Thema behalten durfte.
Mir war es wichtig, dass ich über diese Krankheit so berichte, dass es auch Laien verstehen, aus diesem Grund habe ich fast vollständig auf medizinische Fachbegriffe verzichtet.
Sollte doch einmal ein med. Fachbegriff auftauchen, werde ich ihn erklären.

Geschichte

Zum ersten Mal wurde die Krankheit  in der wissenschaftlichen Literatur unter dem Namen „Borderland“ im Jahre 1884 erwähnt.
Die heutige Bezeichnung  „Borderline“ bedeutet „Grenzlinie“.
Der bekannteste Forscher ist Otto F. Kernberg, er ist ein amerikanischer Psychoanalytiker.
Er war Professor, und auch Direktor vieler Kliniken in den USA.
Kernberg hat in fast jedem Land, was sich ernsthaft mit Psychoanalyse befasst hat, Vorträge gehalten. Er hat viele Schriften und Bücher veröffentlicht. Er bekam viele Auszeichnungen.

Ursache

Als Ursache für diese Krankheit werden seelische Verletzungen in der frühen Kindheit angenommen. Traumatische Erfahrungen wie Misshandlung, sexueller Missbrauch, Vernachlässigung, Bindungsstörungen, mangelnde Wärme in der Familie, unberechenbares, feindseliges Erziehungsverhalten, frühe Trennungserfahrung, Alkohol und Drogenmissbrauch der Eltern, psychische Krankheit der Eltern, ein Kind kann auch „Zuschauer“ bei Taten gewesen sein und es hatte keine Möglichkeit zu flüchten. (81% der Borderline- Patienten hatten traumatische Erlebnisse). Häufig sind diese Erfahrungen vor dem dritten Lebensjahr gemacht worden. Entscheidend ist hier nicht ein zeitlich begrenztes Erleben, sondern es muss von einer länger anhaltenden chronisch belasteten, immer wieder traumatisierten Beziehung zur Bezugsperson ausgegangen werden. In vielen Fällen ist der misshandelnde Täter eine wichtige Bezugsperson, so dass die Betroffenen mit dem Widerspruch konfrontiert werden, dass eine geliebte Person, die schützen sollte, identisch ist mit der Person, vor der man selbst Schutz bedarf. In diesem Widerspruch ist es für das Opfer nur schwer möglich, seine angemessenen Reaktionen von Wut und Ekel gegenüber der Bezugsperson wahrzunehmen und zu äußern.
Zusammenfassend kann man sagen, dass kein spezielles Trauma alleine und schon gar kein Einzelerlebnis für die Entwicklung der ganzen Bandbreite der Borderline- Störung verantwortlich gemacht werden kann.
Vielmehr müssen wiederholte traumatische Erfahrungen und das gestörte Umfeld, in dem es zu diesen Erfahrungen gekommen ist, als Nährboden für die Entstehung einer Borderline- Störung angesehen werden.

Symptome

Um von einer Borderline- Störung zu sprechen, müssen folgende Symptome auftreten.
Die aufgeführten Symptome können in sehr unterschiedlicher Stärke vorliegen. Selten sind alle gleichzeitig zu finden, generell sagt man aber, dass diese Symptome  eindeutig  vorliegen müssen, um eine Borderline- Diagnose zu stellen.

Typische Verhaltensmuster dieses Krankheitsbildes sind:

  • die soziale, schulische, und berufliche Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt,
    aus diesem Grund sind häufige Abbrüche typisch
    §sozial aktiv, mit starkem Engagement aber fehlendem Durchhaltevermögen
    § Verlustängste, Vermeidung von Alleinsein, rasch wechselnde, instabile Beziehungen, bis hin zu Kontaktabbrüchen
    § häufiger Partnerwechsel
    § rasch auftretende Macht – und Konkurrenzkämpfe in Beziehungen
    § gestörte Familienbindung
    § entwertet sich selbst und andere
    § extreme Idealisierung
    § starkes Kontrollbedürfnis über andere Menschen
    § abweichendes Sexualverhalten
    § Stimmungsschwankungen bei alltäglichen Handlungen
    § impulsives Verhaltensmuster in Konflikten
    § Wutausbrüche, insbesondere wenn impulsives Verhalten behindert oder kritisiert wird
    § Reizbarkeit, aggressives, Streitsüchtiges Verhalten
    § Gefühl der Fremdheit des eigenen „Ich“
    § Minderwertigkeitsgefühle
    § Schuldgefühle
    § Realitätsverlust
    § Rituale
    § Zwänge
    § Ängste
    § verschiedene, oft auch wechselnde Süchte, Alkohol und Drogenmissbrauch
    § vorrübergehende durch Belastung ausgelöste Wahnvorstellungen
    § Depressionen, innere Leere
    § selbstverletzendes Verhalten
    § manipulierte und echte  Selbstmordversuche

Diagnose

Borderline- Störungen, auch als Borderline- Syndrom bezeichnet gehören zu der diagnostischen Gruppe der Persönlichkeitsstörungen. Diese Diagnose wird dann gestellt, wenn sich bei einer Person anhaltende und weitgehend gleichbleibende Verhaltensmuster zeigen, die durch starre unangemessene Reaktionen in unterschiedlichen persönlichen und sozialen Lebenslagen gekennzeichnet sind.
Problematisch bei dieser Diagnose ist, dass nicht einzelne Verhaltensweisen als „Störung“ bezeichnet werden, wie bei anderen psychischen Erkrankungen (z.B. Angststörungen), sondern eine Beurteilung der Person an sich erfolgt.
Auch sind die Grenzen von persönlichen „Macken“ (bzw. hervorstechenden Persönlichkeitseigenschaften) zu einer gestörten Persönlichkeit oft schwer zu ziehen.

Deshalb sollte die Diagnose nur gestellt werden, wenn die sozialen Beziehungen der Betroffenen so stark  beeinträchtigt werden, dass die berufliche und private Leistungsfähigkeit deutlich herabgesetzt ist. Meist entsteht für diese Personen erhebliches persönliches Leid.
Die Borderline- Persönlichkeitsstörung zeichnet sich durch ein fortlaufendes Muster von Instabilität in sozialen Beziehungen, in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild, in der Wahrnehmung und in der Stimmung aus.
Bei der Borderline- Störung handelt es sich um eine Frühstörung. Das bedeutet, dass bei den Betroffenen Strukturen und Denkmuster bestehen geblieben sind, die typisch sind für die frühe Kindheit. In dieser Zeit stehen Hass und Neidkonflikte im Vordergrund, es besteht noch keine differenzierte Wahrnehmung der eigenen oder fremden Person, sondern eine starre Bewertung von „ganz gut“ oder „ganz böse“. Ein typisch erlerntes Verhaltensmuster könnte z.B. auch sein, als „gutes Kind“ nie wütend sein zu dürfen.
Da dieses Denkmuster „ganz gut“ oder „ganz böse“ bestehen bleibt, teilen die Betroffenen alles in diese zwei Kategorien ein, (dazwischen gibt es aus ihrer Sicht nichts). Gute und böse Eigenschaften in einer Person können nicht akzeptiert werden. Die positiven Eigenschaften einer Person werden ungeheuer idealisiert, die negativen werden nicht wahrgenommen. Entsprechend geht es der als „böse“ angesehenen Person. So werden Personen entweder massiv idealisiert oder abgewertet.
Kennzeichnend ist auch der oft harte Wechsel zwischen Idealisierung und Abwertung.
Mit ein Grund, warum Konflikte in Freundschafts- und Liebesbeziehungen meist mit unversöhnlichen Kontaktabbrüchen enden.
Die Betroffenen haben eine grenzenlose Beziehungssehnsucht, bei genauso tiefen Ängsten vor wirklich nahen Beziehungen, da sich diese oft als enttäuschend und missbräuchlich erwiesen haben.
Eltern, Partner und auch die eigene Person werden als gefährlich, feindlich und versagend erlebt, aber auch abwechselnd liebevoll und fürsorglich, durch dieses hin und her zwischen diesen entgegengesetzten Erfahrungen, baut sich eine „Spannung“ beim Betroffenen auf.
Die Gefahr der Selbstverletzung steigt. Sie dient in erster Linie dazu, den unerträglich gewordenen Druck abzubauen. Aus dem Grund, der durch die Selbstverletzung plötzlich auftretenden Entlastung, kann die Selbstverletzung einen nahezu süchtigen Charakter annehmen. Die Schmerzempfindung ist in der Regel herabgesetzt und es kommt zu wiederholten Handlungen, (man spricht von Borderline- Armen) In Zeiten schwerer Depression kann dies eine Maßnahme sein, um sich wieder lebendig zu fühlen.
Ein Selbstmordversuch geschieht aus dem Grund, dass alles keinen Zweck mehr hat, man hält sich selbst und die Welt nicht mehr aus, man hat alles versucht und erlebt sich als gescheitert.
Das Bordeline- Syndrom ist durch eine außergewöhnlich hohe Selbstmordrate gekennzeichnet. Bei weiblichen Patienten, die depressive Symptome aufweisen und in der Kindheit sexuell missbraucht wurden, liegt die Selbstmordrate bei 100%.
Die Diagnose Borderline- Störung wird nicht vor dem 16. und 17. Lebensjahr gestellt.
Am häufigsten in der Kinder und Jugendpsychiatrie bei Mädchen in der Pubertät.
Man kann mit einer Dauer von 6,5 Jahren zwischen erstem Kontakt zu einem Therapeuten
oder Psychiater bis zur Diagnosestellung rechnen.

Therapie

Da die Selbstmordrate bei der Borderline- Störung sehr hoch ist, ist dies der Hauptgrund das sich die Betroffenen in psychiatrische Behandlung begeben.
Wichtige Vorraussetzung für die Therapie ist die Bereitschaft des Patienten mitzuarbeiten.
Bei ausgeprägter Symptomatik ist ein ambulantes Behandlungskonzept oft nicht ausreichend.
Jugendliche profitieren vielfach von den überschaubaren klaren Strukturen einer psychiatrischen Station.
Borderline- Patienten sind dazu in der Lage, ihre innere Zerrissenheit auf das aus Therapeuten und Pflegern bestehende Team zu übertragen.
Die Patienten teilen ihre Bezugspersonen in „gut“ und „böse“ ein, dies führt häufig zur Spaltung des Teams. Die „guten“ kann er oft sehr charmant oder auch durch subtilen Druck (sanften Druck) zu einem sehr hohen Engagement bringen. Die „schlechten“ unendlich provozieren.
Es kommt zu häufigem Therapeutenwechsel.
Die Behandlung  gehört deswegen unbedingt in die Hand von Spezialisten, denen der Umgang mit dieser Patientengruppe vertraut ist.
Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren verbessert.
Es sind in den letzten fünf Jahren  zwei vielversprechende  Programme speziell für Borderline- Patienten entwickelt worden. Das ist zum einen die „Dialektisch – behaviorale“ Therapie, und zum anderen die „Übertragungsfokussierte Psychotherapie“, letztere ist von Otto Kernberg entwickelt worden.

Es gibt auch eine Behandlung mit Medikamenten, so genannte Psychopharmaka. Diese ist immer zeitlich begrenzt.

Der Verlauf dieser Krankheit ist chronisch, aber die Therapien führen langfristig dazu, dass die Patienten sich besser fühlen und viel Lebensqualität zurückgewinnen. Mit fortschreitendem Alter nimmt die Intensität der Störung meist ab, so dass viele Betroffene ab den 30.- 40. Lebensjahren eine größere Stabilität sowohl in ihren Beziehungen als auch im Beruf erreichen.

Umgang

Auch Angehörige werden von der Borderline- Störung nicht verschont. Ebenso wie die Betroffenen selbst können auch Sie in sehr starke Gefühle wie Liebe,  Abhängigkeit, Wut und Hass oder Enttäuschung geraten.
Solch intensive Gefühle machen einerseits den Reiz des Umgangs mit Borderline- Betroffenen aus, können die Angehörigen aber auch an den Rand der Verzweiflung bringen.
Angehörige fühlen sich häufig verantwortlich dafür, dass es dem anderen schlecht geht und sind sehr bemüht, dem anderen bei der Lösung seiner Probleme zu helfen.
Die Gefahr ist groß, dass sich die Partner, Eltern oder Freunde selbst aus den Augen verlieren und nur noch für den anderen da sind.
Fachleute sprechen dann von einer Co-Abhängigen Beziehung, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die eigene Stimmung nur noch davon abhängt, wie es dem anderen gerade geht.
Angehörige leiden häufig unter starken Schuldgefühlen. Eltern fragen sich, ob ihr Kind krank geworden ist, weil sie ihm nicht genügend Liebe gegeben haben oder ihr Erziehungsstil falsch war. Partner oder Kollegen fragen sich, ob ihr Verhalten die letzte Selbstverletzung ausgelöst hat. Vor allem bei Selbstmordversuchen reagiert die Umgebung häufig mit Schuldgefühlen, auch wenn dies fast immer vollkommen unbegründet ist. Schuldgefühle sind kein guter Ratgeber, sie binden die Angehörigen auf eine ungute Art an den Betroffenen.
Hilfreich ist eine Umgangsweise die von Verständnis geprägt ist.
Klare Grenzen sind wichtig, um sich und den Betroffenen vor schädigendem Verhalten zu bewahren, meist ist es in Krisensituationen nicht möglich, die Konflikte im Gespräch zu lösen. Wut und Logik passen nicht zusammen. Es ist dann besser, sich als Angehöriger zunächst zurückzuziehen und erst später die Probleme noch einmal anzusprechen.
Besteht die Gefahr, dass sich der Betroffene selbst deutlich schädigt, ist Hilfe von außen nötig. Angehörige sollten sich nicht scheuen, in solchen Situationen den Notarzt zu rufen oder den Bertoffenen zu ermutigen, seinen Therapeuten oder eine Klinik aufzusuchen.
Immer wieder kommt es aber vor, dass Betroffene und Angehörige bestimmte Symptome ganz unterschiedlich beurteilen. Selbstverletzungen etwa werden von vielen Angehörigen als sehr dramatisch erlebt, vor allem wenn sie erstmals davon erfahren.
Viele Betroffene hingegen akzeptieren sie als schlechte aber immerhin entlastende Möglichkeit, um schwierige emotionale Zustände zum Abklingen zu bringen.
Ist die Krise vorbei, sollten Angehörige und Betroffene besprechen, welcher Umgangsstil bei einer erneuten Krise hilfreich ist. Sie können dann beispielsweise vereinbaren, wie sich der Angehörige verhalten sollte wenn es zu bestimmten Symptomen kommt oder wenn bestimmte Gefühle auftauchen. Dabei ist zu beachten, dass die Symptome durch das Verhalten des Angehörigen nicht noch gefördert werden. Das passiert beispielsweise, wenn ein Partner nur dann Zeit für seine Freundin hat, wenn es ihr schlecht geht und sie von einem Selbstverletzungsdrang erzählt.
Wenn man einem Borderliner helfen will, muss man ihn teilweise wie einen Suchtkranken behandeln, da Aktionen und Reaktionen stark an die Gefühlswelt eines Süchtigen erinnern.
Geduld und Unnachgiebigkeit ist oberstes Gebot.
Jeder sollte sich davor hüten, sich persönlich angegriffen zu fühlen.
Mitleid ist das verkehrteste,  was man einem Borderliner entgegen bringen darf.
Unterstützung in Form von stabilen Strukturen, beruhigender Anwesenheit, und aktive Erziehung sind Faktor für eine positive Entwicklung.

Vorbeugung

Für eine gesunde Entwicklung eines Kindes, und um der Borderline- Krankheit  vorzubeugen sind die besten Voraussetzungen  eine unbeschwerte Kindheit, mit eindeutigen Bezugspersonen in gesicherten Verhältnissen.

Schlusssatz

„ Es ist ungerecht, dass ich für mein eigenes Leben Verantwortung tragen muss. Das macht mir keinen Spaß, also sollst auch Du  keinen Spaß daran haben.“

 

Büchertip:  „Das Borderline – Syndrom“, Fallbeispiele zwischen Licht und Schatten
von Hans-Georg van Herste  (Therapeut)      R. G. Fischer Verlag
ISBN Nr. 3-8301-0960-1

„Borderline – Störungen“   Theorie und Therapie
von  Dr. med. Birger Dulz und Dr. med.  Angela Schneider
Schattauer – Verlag
ISBN Nr. 3-7945-2013-0