Willi und sein Wüterich

Willi und sein Wüterich von Eva Orinsky erschienen 2018 im iskopress-Verlag
In meinem beruflichen Alltag, wie auch im privaten Leben begegnen mir oft verzweifelte Eltern, Lehrer oder Erzieherinnen, die mit wütenden, aggressiven und wilden Kindern an ihre Grenzen kommen. Kinder werden als Tyrannen wahrgenommen und als nicht tragbar beschrieben. Auch ich selber kenne dieses hilflose Gefühl, vermeintlich unmöglichen Verhaltensweisen von Kindern ausgeliefert zu sein.
Oft frage ich mich, was ist bei Michel aus Lönneberga anders. Weshalb können wir über seine Streiche schmunzeln und empfinden ihn als niedlichen, aufgeweckten Kerl. Seinen Vater hingegen empfinden wir als streng und unnachgiebig und die wirkt Mutter teilweise hilflos. Ist es, weil wir nicht involviert sind und uns die Geschichten nicht persönlich betreffen? Eigentlich sind doch die Kinder, mit denen wir unser Leben verbringen auf die eine oder andere Art auch kleine oder große Michels.
Das Buch „Willi und sein Wüterich“ ist ein Buch was Eltern, Lehrer, Erzieherinnen und auch Therapeuten, eine Geschichte liebevoll illustriert und geschrieben, an die Hand gibt, um mit Kindern über ihr Gefühl von Wut zu sprechen. Es zeigt den Kindern einen Weg auf, mit dieser Emotion in Kontakt zu kommen und dadurch selbständig aktiv Möglichkeiten zur Regulation zu finden.
Das Vorwort von Richard C. Schwartz, Begründer der ISF- Methode (Therapie der Inneren Familie) sowohl auch das Nachwort der Autorin Eva Orinsky, Lehrtherapeutin für Systemische Therapie ist sehr informativ und gibt dem Leser Impulse, das betreffende Kind mit anderen Augen zu betrachten. Genauer hinzusehen und versuchen zu verstehen wie es dem Kind wirklich mit seinen Verhalten geht.
Aus meiner Sicht kann dieses Buch sehr unterstützend für Erwachsene sein, die mit impulsiven Kindern zu tun haben. Es kann inspirieren, die Sichtweise auf die auf uns schwierig wirkenden Situationen zu verändern. Unsere Wahrnehmung auf die Not und das Dilemma der agierenden Kinder zu sensibilisieren und die Sichtweise auf das Kind zu verändern. Vielleich gelingt es ja das eine oder andere Mal mit einem Schmunzeln zu reagieren, wie beim Lesen der Geschichten von Michel aus Lönneberga und damit dem Kind eine Brücke zu schlagen, aus seinen wütenden Reaktionsmustern herauszufinden, hin zu einem Verhalten angemessen mit seiner Wut umzugehen.
Andrea Meng

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