Leitwölfe sein – Liebevolle Führung in der Familie

Jesper Juul                                                                                                                                      

BELTZ Verlag

Leitwölfe sein – Liebevolle Führung in der Familie

Durchaus wissenschaftlich, aber dennoch kurzweilig und sehr gut verständlich schreibt Jesper Juul über seine Arbeit mit Kindern und Familien. Die klare Struktur des Buches macht sich schon im Inhaltsverzeichnis bemerkbar. Die behandelten Themen sind klar in den Kapitelüberschriften wiedergegeben und selbsterklärend beschrieben, so dass Sie sich zu nur einem Teilthema kurz belesen können. Aber Sie werden Lust bekommen das gesamte Buch zu lesen, denn es eröffnet Ihnen unglaublich viele Sichtweisen und lässt Sie auch Reisen in Ihre eigene Kindheit unternehmen. Denn wenn Sie sich besser verstehen, wie Sie erzogen wurden und aufgewachsen sind, dann werden Ihnen Ihre eigenen Muster und Verhaltensweisen bewusst. Lassen Sie sich einladen auf eine kleine Reise zu sich selbst und gehen Sie den Weg mit viel Selbstvertrauen und gelebter Authentizität. Wer empathisch und liebevoll konsequent seine Kinder an die Hand nimmt, kann nur gewinnen.

Jesper Juul nimmt seine Leser in diesem Buch sehr ernst und beantwortet die Fragen aus dem Alltag verständlich. Er erklärt wie psychologische Abläufe bei alltäglichen Stresssituationen funktionieren und wie man ihr begegnen kann, um die Führung nicht zu verlieren. Führung ist wichtig. Gerade Kinder brauchen Führung, denn sie haben noch nicht viel Erfahrung. Sie lernen aus dem Zusammenspiel von Aktion und Reaktion. Sie wissen zwar, wozu sie Lust haben und was ihnen im Moment guttut, doch damit können sie später nicht ihre Ziele visionieren und verfolgen.

LUST contra WILLE. Dabei spricht Juul nicht von Macht und Machtausübung, sondern von Empathie, ohne sich selbst dabei zu vergessen. Gerade beim Bild der Leitwölfin, der Mutter, die über Jahrhunderte hinweg in patriarchisch konformen Erwartungen ihre Kinder selbstaufopfernd erzogen hat, lenkt er ein und fordert klare Aussagen an die Gesellschaft für die Kinder. Schluss mit der gesellschaftlich aufgezwungenen devoten Weiblichkeit! Her mit dem Respekt, den alle Menschen verdienen!

Liebe darf nicht aufopfernd sein. Denn wenn wir uns vergessen, können wir nicht führen, unseren Kindern nicht adäquat und sinnvoll den Weg zeigen. Denn die Kinder fragen, in jeder Minute ihres Seins nach dem Weg des Lebens, in Worten und Aktion. Sie müssen Re-Aktionen erfahren um Lernen zu können, um sich ein eigenes Bild von Gesellschaft und Leben machen zu können. Wir brauchen kompetent liebende Menschen, die Verantwortung für sich selbst und schlussendlich auch für ihre eigenen Kinder und die gesamte Gesellschaft entwickeln. Wir brauchen starke (innere) Kinder, die ohne Zwang mit anderen Menschen leben und umgehen, ihre Meinung vertreten und selbstbewusst in die Welt hinausgehen können. Wir alle sind würdig, individuell für uns selbst entscheiden, lieben und leben zu dürfen.

Uta Rinne