Wurzeln schlagen

Allan Jankins, preisgekrönter Journalist und Herausgeber des Magazins „Observer Food Monthly“

Wurzeln schlagen, erschien im April 2018 im Rowohlt Verlag.

Als ich das Buch das erste Mal in der Hand hielt, war ich von der Gestaltung des Einbandes beeindruckt. Kapuzinerkresse, fühlbar, in ihrer wilden Schönheit und Robustheit auf dem Cover. Ich fühlte mich eingeladen und verspürte Neugier teilzuhaben an der Suche nach Wurzeln.

Allan Jankins, nach seiner Geburt im Waisenhaus untergebracht und dann in eine Pflegefamilie vermittelt, beginnt im Alter von 60 Jahre, wie er es selber schreibt, „vor seinem eigenen Ende seinen Anfang zu entwirren“.

Er beschreibt in seinem Buch, wie er mit Hilfe seiner „Seelenärztin“, so nennt er seine Therapeutin,  sich Themen annähert, die für ihn sehr schmerzhaft und bedrohlich sind und wie ihm die Arbeit in seinen verschiedenen Gärten, bei der  Verarbeitung und Heilung der tiefsitzenden seelischen Verletzungen hilft.

Er schreibt zum Beispiel „ Die Leute reden immer wieder vom inneren Kind, als wäre das ein glucksender Hosenmatz, als sprächen sie von der heilen Welt von Narnia. Aber was, wenn dieses innere Kind ein verängstigtes Wesen ist, das unbedingt ausbrechen will? Manchmal verschling mich seine Wut. Ich wüte mit seiner Stimme wie in Der Exorzist. Ich lerne (hoffentlich) allmählich, die Signale zu erkennen und mich rechtzeitig zu bremsen, bevor ich eine Freundschaft ruiniere, etwas Unsagbares sage. Die Gartenarbeit wickelt meinen verängstigten Jungen ein und packt ihn in ein Körbchen, setzt ihn in die Sonne und wiegt ihn im Amselgesang, ein besänftigendes Kindermädchen der Natur.“

 

Beim Lesen des Buches viel es mir zu Beginn schwer, mit den Zeitsprüngen und den vielen Auftretenden, nicht den Faden zu verlieren. Doch fesselte mich immer wieder die ehrliche und emotionale Darstellung der Gefühle des Autors auf der Suche nach seinen Wurzeln. Auch lassen die Beschreibungen der Aktivitäten in den verschieden Gärten Aspekte seiner Persönlichkeit vermuten. Dies gibt dem Leser Raum für persönliche Interpretationen.

Empfehlen, dieses Buch zu lesen, würde ich jedem, der einen Eindruck gewinnen möchte, wie tiefgreifend und erschütternd die Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln sein kann, wie viel Mut es braucht sich dieser Reise zu stellen und wie wichtig es ist,  eine auf diesem Weg erfüllende Aufgabe und einen Rückzugsort zu haben.

 

Andrea Meng

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